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Wegen lahmender EU-Wirtschaft
Jetzt legt Brüssel die Axt an den eigenen Regeln an

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hält eine Rede beim European Industry Summit 2025 in Antwerpen am 26. Februar 2025.
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Um die schwächelnde Wirtschaft in der EU wieder auf Wachstumskurs zu bringen, will die Europäische Kommission Unternehmen entlasten und geht dafür auch bei eigenen Vorgaben über die Bücher. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Wie will die Kommission Firmen entlasten?

Deutlich weniger Unternehmen in der EU sollen nach dem Willen der Europäischen Kommission künftig Angaben über die Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit auf Umwelt und Gesellschaft machen müssen. Demnach sollen nur noch grosse Firmen – 20 Prozent der bislang verpflichteten Betriebe – Bericht über ihre Nachhaltigkeit erstatten müssen. Damit will die Kommission vor allem kleine und mittlere Unternehmen entlasten und Bürokratie reduzieren.

Neben den Vorschriften zur Nachhaltigkeitsberichterstattung will die Behörde auch das EU-Lieferkettengesetz sowie Vorgaben zu nachhaltigen Investitionen lockern. Die EU-Länder und das Europaparlament müssen nun über die vorgeschlagenen Lockerungen geltender Gesetze beraten, bevor sie umgesetzt werden können.

Was genau ändert sich beim Lieferkettengesetz?

Neben einer Verschiebung der ersten Umsetzungsfristen um ein Jahr auf 2028 soll das Vorhaben auch inhaltlich angepasst werden. So sollen Unternehmen in der Regel nur noch für Aktivitäten direkter Geschäftspartner verantwortlich sein.

Zudem werden mögliche Mindeststrafen und Haftungsrisiken für Unternehmen entschärft. Vor allem am letzten Punkt gibt es grosse Kritik. 

Das europäische Lieferkettengesetz wurde erst vergangenes Jahr beschlossen. Ziel des Vorhabens ist es, Menschenrechte weltweit zu stärken. Grosse Unternehmen sollen zur Rechenschaft gezogen werden können, wenn sie von Menschenrechtsverletzungen wie Kinder- oder Zwangsarbeit profitieren. (Erfahren Sie mehr zu den Auswirkungen des EU-Lieferkettengestes auf Schweizer Firmen wir Nestlé)

Wie fallen die Reaktionen aus?

Mit ihrem Vorschlag «legt die Kommission die Kettensäge an die Lieferkettenrichtlinie, noch bevor sie zur Anwendung kommt», sagt Armin Paasch vom katholischen Hilfswerk Misereor. Betroffene etwa von Menschenrechtsverletzungen hätten keine Chance mehr, über Zivilgerichte Schadenersatz und Wiedergutmachung zu erlangen.

«Ohne wirkungsvolle Durchsetzungsmechanismen, wie die zivilrechtliche Haftung, werden Handlungspflichten wirkungslos», teilte der Vorsitzende der SPD-Europaabgeordneten René Repasi mit. 

Lob kommt aus der Industrie und von einzelnen Fraktionen aus dem Europaparlament. «Gut, dass die Kommission das Lieferkettengesetz entschlackt, es bleibt aber besser sie würde es zurückziehen», so die deutsche EU-Parlamentarierin Svenja Hahn von der FDP.

Wie will die EU ihre Wirtschaftspolitik ausrichten?

Aus einem ebenfalls in Brüssel vorgelegten Massnahmenpaket geht hervor, dass der Fokus künftig auf energieintensiven Industriezweigen und sauberen, grünen Technologien («clean-tech») wie etwa Windrädern liegen soll. In dem sogenannten Clean Industrial Deals (CID, «Saubere-Industrie-Deal») kündigt die Kommission für die nächsten Monate und Jahre mehrere Gesetze beziehungsweise Gesetzesänderungen an. So sollen EU-Vorgaben für öffentliche Aufträge überarbeitet werden.

Davon könnten europäische Firmen profitieren. Auch will die EU-Kommission künftig Staatshilfen für eine klimafreundliche Industrie schneller genehmigen.

Ist das ein Kurswechsel?

Legte die EU-Kommission in der letzten Wahlperiode mit dem «Green Deal» noch ein beispielloses Massnahmenpaket vor allem für einen drastischen Rückgang der Treibhausgasemissionen auf den Tisch, steht nun die Industrie klar im Fokus. An den Klimazielen der EU wird jedoch festgehalten.

Für die grüne Transformation sind nach Angaben der Kommission dreistellige Milliardeninvestitionen in Energie, Industrie und Transport nötig. Neben öffentlichen Mitteln soll vor allem privates Kapital genutzt werden.

Was ist mit den hohen Energiepreisen?

Der Aktionsplan setzt etwa auf mehr langfristige Verträge – um Preisschwankungen entgegenzuwirken. Zudem soll es schnellere Genehmigungen für grünen Strom, mehr Verbindungsleitungen und mehr grenzüberschreitenden Handel geben, um die Preise zu senken.

Ziel sind Einsparungen für Industrie und Haushalte in Höhe von 45 Milliarden Euro im laufenden Jahr, die dann bis 2030 schrittweise auf 130 Milliarden Euro jährlich erhöht werden sollen. Bis 2040 sollen Einsparungen in Höhe von 260 Milliarden Euro pro Jahr erreicht werden.

DPA/bor