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Knappheit erfasst die Schweiz
Eier sind jetzt schon Mangelware – und Ostern kommt erst in zwei Monaten

Eierpackungen in einem Regal bei Migros Neuwiesen, fotografiert von Madeleine Schoder.
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In Kürze:
  • In Schweizer Supermärkten sind einige Eierklassen knapp.
  • Die Nachfrage nach Eiern übersteigt das Angebot, was die Knappheit verursacht.
  • Migros und Coop setzen verstärkt auf Importeier, um den Bedarf zu decken.
  • Trotz des Mangels bleiben die Eierpreise in der Schweiz stabil.

In der Schweiz zeigen sich die Auswirkungen der Vogelgrippe, obwohl hierzulande bisher zum Glück kein Hühnerstall davon erfasst worden ist.

Sichtbar wird die Krise an den Ladenregalen. Seit einigen Tagen sind sie bei gewissen Eierklassen zeitweise leer. Mal fehlt Schweizer Bio, mal gibt es keine Picknickeier im 4er-Pack. Ein Grund liegt in der weltweiten Eierknappheit. Allein in den USA haben sich seit Mitte Januar mehr als 22 Millionen Nutzvögel mit dem Virus angesteckt und mussten getötet werden. In amerikanischen Supermärkten kam es zu Hamsterkäufen und Rationierungen.

Da die USA nun im grossen Stil Eier importieren, unter anderem aus Europa, und Vogelgrippefälle auch in Ländern wie Deutschland, Italien, Polen, Grossbritannien oder Österreich in Hühnerställen aufgetreten sind, fehlen in Europa massiv viele Eier. In Deutschland warnt die Eier-Union bereits vor drastischen Einschränkungen für Konsumentinnen und Konsumenten, es ist sogar von Rationierungen die Rede.

Schweizer essen mehr Eier

«Überall in Europa gibt es einen massiven Eiermangel, es ist das schlimmste Jahr seit 2016», sagt Mario Hodel. Er ist Geschäftsleiter des Eierhändlers F&F in Schötz LU sowie Präsident der Schweizer Eiervermarkter.

Doch auch ohne die Vogelgrippe besteht in der Schweiz ein Nachfrageüberschuss, denn es werden deutlich mehr Eier gegessen als etwa noch vor zwei Jahren. Dies sei der Hauptgrund für die aktuelle Knappheit, sagt Eiervermarkter Hodel. «Wir brauchen massiv mehr Eier, als wir erwartet haben.»

Der steigende Appetit auf Eier hat mehrere Gründe. Sie gelten als proteinreich, und die Sorge vor zu viel Cholesterin hat sich in Fachkreisen als unbegründet erwiesen. Ausserdem sind Eier eine kostengünstige Alternative für alle, die aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen weniger Fleisch essen wollen.

Migros und Coop setzen auf Importe

Die Migros stellt fest, dass die Produktion den Bedarf bereits seit Herbst nicht mehr vollständig decken kann. In der aktuellen Situation und besonders mit Blick auf Ostern setzt der Detailhändler vermehrt auf Importeier, um den höheren Bedarf abdecken zu können. Die Migros erwartet, dass die Knappheit «bis mindestens Ostern und allenfalls ein paar Tage darüber hinaus» anhalten wird, wie Sprecher Tobias Ochsenbein erklärt.

Auch bei Coop stellt die «Verfügbarkeit von Schweizer Eiern unter Umständen eine Herausforderung dar», wie Sprecher Thomas Ditzler es formuliert. Grund zur Sorge bestehe nicht. Zwar sei die Nachfrage sehr hoch, doch grundsätzlich gebe es genug Eier. Coop beziehe nun mehr Eier aus dem Ausland. Doch auch Coop geht davon aus, «dass die aktuelle Situation bis Ostern anhält».

Eierpreise bleiben in der Schweiz stabil

Zwar ist die Eierproduktion durchaus auf den Höhepunkt an Ostern ausgerichtet. Doch sie braucht rund eineinhalb Jahre Vorlaufzeit. So lange braucht es von der Planung bis zum Ei im Regal. «Es handelt sich um ein Naturprodukt, wir können die Produktion nicht kurzfristig auf Knopfdruck erhöhen», sagt Daniel Würgler, Präsident des Verbandes der Schweizer Eierproduzenten Gallosuisse. Die Branche ist derzeit daran, die Nachfrage für 2026/27 möglichst genau abzuschätzen.

Anders als in den USA, wo die Preise explodiert sind, hat die aktuelle Mangellage derzeit keinen Einfluss auf den Preis an der Ladenkasse. Denn die Produzentenpreise für Schweizer Eier werden jeweils im Herbst fürs nächste Jahr zwischen Produzenten und Vermarkter festgelegt.

Für Importeier müssen die Händler mehr bezahlen, wenn sie gewisse Kontingente kurzfristig im Ausland einkaufen. Im Jahresvergleich seien auf dem europäischen Spotmarkt die Preise bis 8 Prozent höher, sagt Hodel. Er geht davon aus, dass die Preise bis Ostern weiter steigen. «Der internationale Markt ist ausgetrocknet, es gibt keine Ware.» Die Eiervermarkter hätten Vorkehrungen getroffen, dass sie den Mehrbedarf vor Ostern decken könnten, sagt er.

Es ist jedoch nicht zwingend so, dass die Detailhändler diese Preiserhöhungen an die Kundinnen und Kunden weiterreichen. Coop und Migros geben an, keine Preiserhöhungen vorgenommen zu haben.

Trotzdem: Eierfans müssen in den kommenden Wochen flexibler sein als auch schon und je nachdem zu Bodenhaltungs- statt Bioeiern greifen oder braune statt weisse Eier kaufen. Würgler von den Eierproduzenten sieht darin kein Problem: «Man kann gut auch braune Eier färben.»