Radikalumbau der MigrosFachmärkte sind Geschichte: Wie weiter mit Micasa, Do it + Garden und Alnatura?
Die Migros verkauft ihr Einrichtungshaus, schliesst ihre Baumärkte und trennt sich von den Alnatura-Läden. Das sind die Folgen für Hunderte Angestellte, Dutzende Filialen und die Kundschaft.
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Am Dienstagmorgen gab die Migros bekannt, dass sie Micasa verkauft und die «Do it + Garden»-Filialen schliessen wird. Damit ist das vor einem Jahr angekündigte Ende der Fachmärkte der Migros Tatsache, die Migros Fachmarkt AG wird bis Ende Januar 2026 ihre Aktivitäten einstellen. Ebenfalls kündigte die Genossenschaft Migros Zürich an, dass sie die Alnatura-Bioläden nicht mehr weiterführen wird.
Was bedeuten diese radikalen Massnahmen für Kundschaft und Personal? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
Was passiert mit den «Do it + Garden»-Baumärkten?
Der Grossteil der Baumärkte der Migros soll bereits Ende Juni 2025 geschlossen werden. Die Migros hatte laut eigenen Angaben monatelang nach einem geeigneten Käufer gesucht. Von den «zahlreichen Interessenten» habe jedoch «keiner das Potenzial gesehen», das Geschäft landesweit erfolgreich weiterzuführen, schreibt die Migros.
Wie bereits früher bekannt wurde, übernimmt die deutsche Baumarktkette Obi zwei der insgesamt 31 «Do it + Garden»-Filialen, nämlich jene in Carouge GE und Nyon VD. Für vereinzelte weitere Standorte würden nach wie vor Verhandlungen laufen, die sie vor einer definitiven Schliessung bewahren könnten. An welchen Standorten man mit wem im Gespräch ist, gibt die Migros auf Anfrage nicht bekannt. Sollten alle Gespräche scheitern, werden insgesamt 29 Filialen zugehen.
Wer kauft Micasa?
Micasa wird zwar nicht mehr länger zur Migros gehören, jedoch in vertrauten Händen bleiben. Der jetzige Geschäftsführer Philipp Agustoni kauft das Möbelhaus zusammen mit Manuel Landolt, dem heutigen COO der Migros Fachmarkt AG. Dabei sollen sie von der Firma Rethink unterstützt werden. Hinter dieser stehen Unternehmer aus Deutschland und Österreich, die kürzlich auch das Schuhgeschäft Salamander gerettet haben. Ebenfalls investiert ist eine Investmentfirma mit Wurzeln in den USA.
Agustoni und Landolt werden das Geschäft laut Migros-Mitteilung am 1. September 2025 übernehmen. Agustoni schreibt, dass damit ein neues Kapitel für Micasa beginnen werde. Auch als zukünftig unabhängiges Einrichtungshaus wolle Micasa sich zu ihrer Herkunft bekennen und für «durchdachtes und langlebiges Design» stehen.
Wie viele Angestellte müssen gehen?
Die Stellen von 466 Mitarbeitenden bei Do it + Garden und von 159 Mitarbeitenden der Fachmarkt AG werden gestrichen. Das muss jedoch nicht zwingend heissen, dass über 600 Personen auf die Strasse gestellt werden.
Die Migros will sich laut Mitteilung dafür einsetzen, für diese eine Anschlusslösung zu finden, sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Migros-Gruppe. Für wie viele Personen eine Lösung gefunden werden konnte und mit wie vielen Weiterbeschäftigungen sie rechnet, gibt sie nicht bekannt. Für alle anderen komme der Migros-Sozialplan zur Anwendung. Alle Lernenden würden ihre Ausbildung fortsetzen und abschliessen können.
Bei den bisherigen Verkäufen der Fachmärkte habe die Migros jeweils für viele Mitarbeitende eine Anschlusslösung finden können, sagt Michel Lang vom Kaufmännischen Verband Schweiz, dem Sozialpartner der Migros. Er befürchtet jedoch, dass dies mit der fortschreitenden Zahl von Stellenstreichungen zunehmend schwieriger wird.
Aufatmen – zumindest vorerst – können hingegen die Angestellten von Micasa: Sie werden allesamt übernommen.
Ich habe zwei Jahre Garantie auf meinen Akkubohrer. Was passiert damit?
Die Migros will alle Garantie- und Serviceleistungen für Produkte von Do it + Garden sicherstellen. Die Kundinnen und Kunden könnten sich dafür an den Kundendienst in jeder Filiale wenden, so die Migros.
Ich habe erst kürzlich ein neues Micasa-Regal gekauft. Wird es weiterhin Ersatzteile und Zusatzelemente geben?
Auch Micasa wird alle Garantie- und Serviceleistungen weiterführen. Ihre «beliebten Klassiker» sollen laut dem zukünftigen Micasa-Mitbesitzer Agustoni im Sortiment bleiben.
Verschwindet der vegane Brotaufstrich von Alnatura aus der Schweiz?
Die Migros will in ihren Filialen und online weiterhin Alnatura-Produkte anbieten. Die Alnatura-Läden will die Genossenschaft Migros Zürich jedoch nicht mehr weiterführen. Schweizweit betreibt sie 25 solche Filialen. Den Franchisevertrag mit der deutschen Biokette wird sie nicht verlängern. Falls Alnatura Deutschland bis im Sommer keine neue Franchisepartnerin findet, werden die Läden geschlossen, und die 200 bis 300 Angestellten verlieren ihre Stelle.
Die Gefahr dafür ist gross. «Einen Franchisenehmer zu finden, wird eher schwierig», sagt Erik Neumann von der Hochschule für Wirtschaft Zürich. Der Schweizer Markt sei zu klein und die Kosten für den weiteren Betrieb der Filialen im Verhältnis zu hoch.
Warum zieht sich die Migros zurück?
Vor einem Jahr hatte der Migros-Genossenschafts-Bund erklärt, dass er sich in Zukunft stärker auf das Kerngeschäft fokussieren wolle, also auf das Supermarktgeschäft. Gleichzeitig stand es um die Fachmärkte wie SportX, M-Electronics oder Do it + Garden schon seit längerem schlecht. Sie kämpften gegen starke Konkurrenz aus dem Ausland und den Onlinehandel.
Was hat sie sonst noch verkauft?
Seit der Ankündigung vor einem Jahr hat sich die Migros von M-Electronics, SportX, Hotelplan, Bike World, Misenso und Obi getrennt. M-Electronics ging an Media-Markt, SportX an Ochsner Sport, Hotelplan an Dertour und Interhome, Bike World an Thömus, der Hör- und Sehgerätespezialist Misenso an die österreichische Neuroth und Obi an die deutsche Obi-Gruppe.
Welche Migros-Firmen stehen noch zum Verkauf?
Noch unklar ist, was mit Mibelle passiert. Diese stellt für die Migros Kosmetik und Waschmittel her, darunter bekannte Eigenmarken wie Candida oder das Handy-Spülmittel. Ursprünglich hatte die Migros angekündigt, bis Ende 2024 eine Käuferin finden zu wollen. Bisher klappte das jedoch erst für die südkoreanische Mibelle-Tochterfirma Gowoonsesang: Diese geht an L’Oréal.
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