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Human Rights Watch klagt an
Grausamer Grenzschutz: Saudi­arabien soll «Hunderte Migranten» getötet haben

Saudi-Arabien, saudische Grenzschutzbeamte patrouillieren entlang der saudisch-jemenitischen Grenze bei Addayer, April 10, 2023.
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In Kürze:
  • Human Rights Watch berichtete von brutalem Vorgehen gegen Migranten an der saudischen Grenze.
  • Saudiarabische Grenzbeamte töteten angeblich Hunderte äthiopische Migranten und Asylsuchende.
  • Überlebende der Route beschrieben viele Verstümmelungen und Erschiessungen.
  • Trotz schwerer Vorwürfe fehlt eine offizielle Reaktion Saudiarabiens auf die Anschuldigungen.

Verwesende Leichen, Verstümmelungen und Vergewaltigungen: Saudiarabien wird vorgeworfen, mit grosser Brutalität gegen Migranten vorzugehen. Dies legt ein Bericht von Human Rights Watch (HRW) nahe. Demnach hätten saudische Grenzschutzbeamte allein zwischen März 2022 und Juni 2023 «Hunderte äthiopische Migranten und Asylsuchende» an der Südgrenze zum Jemen getötet.

Die Nichtregierungs­organisation mit Sitz in New York schreibt, die Handlungen könnten Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen. Eine Stellungnahme Saudiarabiens liegt nicht vor. Die saudischen Behörden reagierten nicht auf eine Anfrage der britischen Zeitung «The Guardian».

Die Migrantinnen und Migranten stammen grösstenteils aus Äthiopien und haben den gefährlichen Weg über den Golf von Aden und durch das Kriegsgebiet des Jemen hinter sich, ehe sie die Grenzposten von Saudiarabien erreichen. Im Königreich leben heute etwa 750’000 äthiopische Migranten, die meisten in bitterer Armut, mehr als die Hälfte soll illegal eingereist sein. An der Grenze zum Jemen gibt es zwei grosse Auffanglager, al-Raqw und al-Thabit.

«Eine Kultur der Straflosigkeit»

Der Bericht von Human Rights Watch legt zahlreiche Grausamkeiten durch Grenzschutzbeamte offen. So ist ein Vorfall dokumentiert, bei dem ein Äthiopier erschossen worden sei, weil er sich geweigert haben soll, zwei Mädchen zu vergewaltigen. In einem anderen Fall forderten saudische Grenzschutzbeamte äthiopische Migranten auf, zu wählen, in welchen Körperteil sie lieber geschossen werden wollten, bevor sie aus nächster Nähe abdrückten.

«Es gibt eine vollständige Kultur der Straflosigkeit und Verantwortungslosigkeit an der Grenze», zitiert der «Guardian» Nadia Hardman, eine Autorin des HRW-Berichts. «Es ist unmöglich, das wahre Ausmass der Tötungen zu kennen. Niemand hat unabhängigen Zugang zu diesen Gebieten.»

Etwa 30 Migranten sitzen eng in einem Raum an der saudisch-jemenitischen Grenze fest, ohne Wasser oder Einrichtungen, Jazan, Saudi-Arabien.

Die Zeitung sprach mit mehreren Flüchtenden, nachdem sie zurück nach Äthiopien geschafft worden waren. Sie berichteten, dass sie in Maschinengewehrfeuer geraten seien, verwesende Leichen und teilweise auch menschliche Skelette im Grenzgebiet gesehen hätten.

«Ich habe persönlich gesehen, wie drei Menschen neben mir starben», sagte einer von ihnen, der 2022 versucht hatte, nachts mit Dutzenden anderen in die saudische Provinz Najran zu gelangen. «Eines meiner Beine wurde durch saudische Kugeln weggerissen. Überall um mich herum waren Körperteile von Verletzten und Toten.»

Ein weiterer Mann, der vor gut zwei Jahren versucht hatte, die Grenze zu überqueren, erzählte: «Unterwegs trafen wir auf verwesende Leichen, die von Tieren gefressen wurden. Die Grenzschutzbeamten feuerten weiter auf uns, während wir durch schwieriges Gelände gingen.»

Zwei junge Frauen seien von Kugeln getroffen worden, sagte er. «Eine wurde in die Brust getroffen, die andere in den Nacken. Beide Mädchen starben sofort. Viele Migranten stürzten von einer Klippe, während sie versuchten, zu fliehen. Andere wurden gefangen genommen oder durch Schüsse verletzt. Wir wissen nicht, was aus ihnen geworden ist. Wir wissen nicht, ob die beiden Mädchen jemals begraben worden sind.»