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Trumps neue Regierung
Der Hedgefonds-Manager, der die Seiten wechselte und nun Trumps Finanzminister wird

WASHINGTON, DC - DECEMBER 4: President-elect Donald Trump's nominee to be Treasury Secretary Scott Bessent arrives for a meeting with Sen. John Barrasso (R-WY) on Capitol Hill on December 4, 2024 in Washington, DC. Bessent, a long time hedge fund manager, has received praise from Republican Senators and Wall Street, avoiding the scrutiny and attention that some of Trump's more controversial picks have drawn.   Andrew Harnik/Getty Images/AFP (Photo by Andrew Harnik / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Getty Images via AFP)
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In den US-Medien kursiert jetzt ein Foto aus dem Jahr 2000. Es zeigt Al Gore, der sich damals gerade für die Demokraten um die US-Präsidentschaft bewirbt, und im Hintergrund einen seiner Spender, den Finanzmanager Scott Bessent. Beide Männer lachen. Gore werden zum Zeitpunkt der Aufnahme ja auch noch gute Chancen eingeräumt, die Wahl zu gewinnen. Unternehmer und Investoren von der Wallstreet suchen deshalb seine Nähe, unter ihnen auch Scott Bessent, der an diesem Tag zur Spendenveranstaltung in sein Haus in der New Yorker Reichenenklave Hamptons geladen hat.

Ein Vierteljahrhundert später hat Bessent eine politische Wende vollzogen. Im diesjährigen Wahlkampf unterstützte er nicht mehr die Demokraten, sondern Donald Trump. Dieser hat den Hedgefonds-Manager nun zu seinem Finanzminister ernannt. Noch muss der Senat der Personalie zustimmen, aber schon jetzt ist klar, dass Bessent unter all den MAGA-Gläubigen und schrägen Typen in Trumps künftigem Kabinett heraussticht.

Als Fachmann eine Ausnahme

Das fängt schon damit an, dass Bessent vom Fach ist. Der 62-Jährige hat Wirtschaftsgeschichte an der Yale-Universität studiert und kann nach eigener Aussage noch heute aus dem Kopf aufsagen, wie hoch das Haushaltsdefizit der USA im Jahr 1967 war. Als junger Mann wollte er Journalist werden, entschied sich dann aber für eine lukrativere Karriere in der Finanzindustrie. Er heuerte bei der Investmentgesellschaft von George Soros an und wettete erfolgreich gegen das britische Pfund. Heute ist Bessent Milliardär. 2015 gründete er seinen Hedgefonds Key Square Group. Es war sein zweiter Versuch, nachdem er einige Jahre zuvor gescheitert war. Das Startkapital erhielt er teilweise von Soros, der wegen seiner Unterstützung für die Demokraten zur Hassfigur der Rechten wurde.

Auch Bessent spendete überschaubare Summen für Barack Obama und Hillary Clinton. Der Manager ist mit einem Mann verheiratet und Vater von zwei Kindern. Wenn ihm 1984 jemand erzählt hätte, dass dies für einen homosexuellen Mann einmal möglich sein würde, hätte er es nicht geglaubt, sagte Bessent einmal. Liberal, aber nicht sonderlich politisch, so schätzten viele Weggefährten ihn ein. Doch Anfang 2024 tauchte Bessent plötzlich im Orbit von Donald Trump auf und machte mit ihm Wahlkampf. Er sei überzeugt, dass es bald eine neue globale Wirtschaftsordnung geben werde, sagte er an einer Veranstaltung der konservativen Denkfabrik Manhattan Institute. «Ich möchte Teil davon sein.»

Er verkörpert Sicherheit statt Zerstörung

Donald Trump entschied sich mit Bessents Nominierung als Finanzminister für die Option Sicherheit und nicht für die Option Zerstörung. Bessent wird an der Wall Street allgemein respektiert und steht aus Sicht der Finanzindustrie für Kontinuität und Besonnenheit. Der Hedgefonds-Manager sorgt sich um die hohen Staatsschulden der USA und mahnte, die von Trump angedrohten Handelszölle eher behutsam einzuführen. Einige von Bessents Positionen sind aber durchaus radikal. So schlug er vor, den Chef der Notenbank Federal Reserve zu entmachten.

Bessent gilt daneben als guter Stratege. Um den wichtigen Job des Finanzministers wurde im Trump-Lager in den vergangenen Wochen hart gerungen. Bessent brachte sich über die Medien in Position. Er schrieb einen Gastbeitrag im konservativen Wall Street Journal und trat in Trumps bevorzugten Fernsehsendungen auf. Leicht dürfte er es trotzdem nicht haben. Trump hat sich mit Beratern umgeben, die gegensätzliche Positionen bei den Themen Handel und Steuern vertreten. Sein designierter Handelsminister Howard Lutnick hält Zölle für ein Instrument, um Rache zu nehmen. Bessent sieht es pragmatischer und will die Finanzindustrie nicht vergraulen. Dass Trump nun Zölle gegen Mexiko, Kanada und China angekündigt hat, kann man als Bessents erste Niederlage werten.