Krise der Elektro-AutosSind die Chinesen wirklich besser als Elon Musk?
Mit der Marke BYD will China die Amerikaner von Tesla überflügeln. Das Grundproblem aber bleibt: E-Autos sind ein unbefriedigendes Produkt.

Es gab Zeiten, da schaffte Elon Musk das Unmögliche: Tesla-Fahrer waren Gutmenschen, die niemandem auf den Wecker gingen. Denen man auf der Strasse zunickte und die stolz zurücklächelten. Endlich durfte man wieder mit einem guten Gefühl über die Autobahn brettern. E-Autos waren nicht nur schnell und sexy, sie wiesen auch den Weg aus der fossilen Abhängigkeit.
Heute müssen Tesla-Fahrer zumindest in den USA befürchten, dass sie zur Zielscheibe wüster Attacken werden. Auch in der Schweiz wurden schon Modelle gesichtet, die vorsichtshalber mit dem Namen anderer Marken überschrieben waren. Selten bestimmte ein Image so sehr ein Produkt – und noch seltener hat es sich so schnell auf den Kopf gestellt.
Doch E-Autos haben es momentan generell schwer. Die Gefährte sind teuer und vergleichsweise unpraktisch, den Batterien fehlt es an Ausdauer und vielen Ländern an der nötigen Infrastruktur. Ernüchterung macht sich breit, die Verkaufszahlen sind eingebrochen. Viele Erstkunden bringen ihre Occasion kaum los.
BYD gibt es jetzt in der Schweiz
Ausgerechnet eine Firma aus dem kommunistischen China soll dem angeschlagenen Markt neuen Schub verleihen. Die Marke BYD ist ab sofort in der Schweiz erhältlich. Sie verspricht preisgünstige Modelle und eine Alternative zum gebrandmarkten Marktführer Tesla. Der Wirtschaftskrieg zwischen den Weltmächten USA und China findet nun also in den Schweizer Garagen statt – mit einer überraschenden Rollenverteilung von Held und Bösewicht. Wer einen BYD kauft, rettet nicht nur die Welt, sondern bekämpft auch den neuen Faschismus. Mehr geht eigentlich nicht.
Ohne der komplexen Geschichte von China gegenüber respektlos sein zu wollen – als moralischer Steigbügelhalter taugt das Land nicht. Menschenrechte, Umweltschutz und demokratische Mitsprache zählen wenig. Donald Trump und Elon Musk müssen noch lange an der Macht bleiben, bis sie die USA moralisch auf das chinesische Niveau heruntergewütet haben.
Das hilft Tesla derzeit wenig. Je stärker das Ansehen der USA sinkt, desto gnädiger fällt der Blick auf China. Seit Trump an der Macht ist, war Peking weise genug, sich zurückzuhalten. Was im Land passiert und welche Gefahren von dort ausgehen – das alles gerät in Trumps Schatten fast in Vergessenheit.
Ein Symbol wird sich am Markt nicht durchsetzen
Das wahre Problem der E-Autos liegt ohnehin anderswo: Ihre moralische Überhöhung hat lange überdeckt, dass sie schlicht nicht massenkompatibel sind. Subventionen für den Kauf der teuren Autos führten zum Irrsinn, dass vermögende Tesla-Kunden Geld vom Staat erhielten. Der Schaden ist angerichtet: Wenn Menschen falsche Versprechen entlarven, reagieren sie mit einem anhaltenden Vertrauensverlust. Auch BYD wird diesen zu spüren bekommen.
Ein Auto kostet mehr als ein Trinkröhrli oder ein Plastiksäckli. Wer eines kauft, will zuerst ein verlässliches Fortbewegungsmittel, bevor er damit eventuell noch die Welt rettet. Solange ein Produkt vor allem Symbol bleibt, wird es sich am Markt nicht durchsetzen.
Zuerst kommt das Essen, dann die Moral: Wer weiss das besser als China? Vielleicht sind das Land und seine Vorzeigemarke BYD ja geradezu prädestiniert, den E-Autos zum Durchbruch zu verhelfen.
Fehler gefunden?Jetzt melden.