0:2-Niederlage gegen FrankreichDiese Gegnerinnen waren für die Schweiz eine Nummer zu gross: Nun folgt der «Final»
Pia Sundhages Team bleibt in diesem Jahr ohne Sieg – jetzt braucht es gegen Island fast zwingend einen, um nicht abzusteigen in der Nations League.

Was war das für ein wunderbares Goal. Aus 20 Metern schlenzte Naomi Luyet den Ball gegen Frankreich unter die Lattenkante. Es war dies der Siegtreffer für die Schweizerinnen im Testspiel gegen Frankreich. Das alles ereignete sich Ende Oktober vergangenen Jahres.
Rund fünf Monate später treffen die beiden Teams schon wieder aufeinander. Diesmal in der Nations League. Luyet fehlt an diesem Abend in St. Gallen verletzt – und neben ihr auch ganz vieles im Spiel der Schweizerinnen, das für Jubelschreie sorgen würde.
Vielmehr offenbart das Heimteam grosse Löcher in der Defensive, viele Ballverluste im Aufbauspiel und Ideenlosigkeit vor dem gegnerischen Goal. Vor allem in der ersten Halbzeit zeigen die Französinnen immer wieder auf, woran es den Schweizerinnen mangelt: Schnelligkeit, Organisation, Wachsamkeit, Klasse.
Diese Schwächen werden von den Gästen dankend ausgenutzt, das Spiel 2:0 gewonnen und die Schweizerinnen müde zurückgelassen. Und dies, ohne dass die Französinnen auch nur annähernd über sich hinauswachsen müssen. Ja, sie können in der zweiten Halbzeit gar noch selbst abbauen, ohne ihren Sieg je gefährdet zu sehen.
Am offensichtlichsten werden die Schwächen des Teams von Trainerin Pia Sundhage – wie soll es auch anders sein – bei den beiden Gegentoren. Beim ersten (15. Minute) lässt Delphine Cascarino die Schweizer Abwehrspielerin Julia Stierli sehr steif aussehen, flankt ins Zentrum und findet da ihre freistehende Mitspielerin Sandy Baltimore.
«Kommunikationsfehler» führt zum zweiten Goal
Die Abwehr des Heimteams wird immer wieder von der Geschwindigkeit der Gegnerinnen überrascht, auch wenn diese gar nicht so überraschend kommt. Vor allem Stierli im Zentrum hat zu kämpfen, kommt immer wieder zu spät, doch sie fängt sich im Verlauf der Partie.
Bei Tor Nummer zwei (43.) wird dann bei weitem nicht nur die Abwehr überrascht, sondern gleich alle Schweizerinnen. Ein Freistoss aus rund dreissig Metern wird von den Französinnen kurz ausgeführt. Anstatt diesen zu blocken, befindet sich das Team um Captain Lia Wälti im eigenen Strafraum noch in der Diskussion, wer denn nun jetzt wen decken soll. «Kommunikationsfehler», nennt es später Noemi Ivelj. Selma Bacha dankt und haut den Ball aus rund dreissig Metern ins Goal. Dass dabei auch noch Goalie Elvira Herzog patzt, passt ins Bild.
Das Glück der Schweizerinnen liegt in dieser Partie vor allem daran, dass ihre Gegnerinnen in Durchgang zwei stark zurückfahren, beinahe den Ruhemodus aktivieren. Die Folge ist ein Spiel vor 11’011 Fans, das vor sich hinplätschert. Und Schweizerinnen, die sich ab und zu vor das gegnerische Tor trauen, doch in einer Form, dass Trainerin Pia Sundhage später sagen muss: «Wenn wir weiterhin so abschliessen, werden wir keine Tore schiessen.»
Waren diese Französinnen schlicht eine Nummer zu gross? «Ja, kann man so sagen», lautet die Antwort von Ramona Bachmann, die vom kommenden Spiel gegen Island am Dienstag von einem «Final» spricht. Dies, weil ihr Team da einen Sieg braucht – den ersten des Jahres – will es noch gute Chancen auf einen Verbleib in der Liga A der Nations League haben.
In vier Tagen braucht es damit ein anderes Gesicht des Teams, das von diesem Abend gegen Frankreich kaum etwas mitnehmen kann. Ausser müde Beine.

Schweiz
Frankreich
Wieder ein Ballverlust im Aufbau, diesmal von Wälti, das sieht man nicht alle Tage. Es lässt sich sagen: Die Französinnen machen hier gehörig Druck auf die ballführenden Spielerinnen, das wird ein unangenehmer Abend für die Schweizerinnen in der Defensive.
Im Gegenzug auch die Schweizerinnen erstmals im gegnerischen Strafraum, Schertenleib kommt von links in die Mitte, ihre Hereingabe findet aber keine Abnehmerinnen in der Mitte.
Aiaiai, das war ja mal ein Start. Sterli mit einem Mega-Bock im eigenen Strafraum, Baltimore kommt angerauscht und wird von Calligaris gerade noch ziemlich spektakulär gestoppt. Den folgenden Eckball fängt Herzog. Aber solche Aussetzer sollten sich die Schweizerinnen nicht zu viele erlauben.
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Die Partie läuft!
Über 10’000 sind übrigens im Stadion, das ist eine ziemliche Ansage und ein Zeichen dafür, dass das EM-Fieber die Schweiz so langsam, aber sicher erfasst. Kollege Brasser schickt dieses Bild aus St. Gallen, ich finde: wunderbare Kulisse!

Die Aufstellungen, Teil 2
Und hier haben wir die Elf von Sundhage. Wir fangen mal ganz hinten an, wo alles klar ist. Elvira Herzog ist die klare Nummer 1 der Schweiz und in der Abwehr gelten Luana Bühler, Julia Stierli und Viola Calligaris als gesetzt, genauso wie Noelle Maritz, der sichere Wert dieses Teams. Wobei: Neu dabei ist ja auch Laia Ballesté, die Frau von Espanyol Barcelona. Ob noch jemand zittern muss? Heute zumindest mal nicht.
Das Mittelfeld wird dirigiert von Lia Wälti, das ist klar, auch Smilla Vallotto scheint sich dort festgesetzt zu haben, und Meriame Terchoun ist dermassen flexibel, dass Sundhage sie auch ins Tor stellen könnte. Komplettiert wird das Fünfer-Mittelfeld von Noemi Ivelj von GC, die 18-Jährige ist die einzige aus der Startformation, die (noch) in der Schweiz tätig ist. Dass Sundhage sie hier gleich von Beginn an bringt, ist ein grosser Beweis dafür, was sie von ihr hält.
Vorne schliesslich spielen wenig überraschend Sydney Schertenleib und vielleicht etwas überraschender Seraina Piubel. Das heisst: Sowohl Ramona Bachmann als auch Ana-Maria Crnogorcevic starten heute auf der Bank. Genug Erfahrung ist aber mit Wälti und Maritz schon noch auf dem Platz.

Die Aufstellungen
Wir beginnen, ganz gastfreundlich, mit dem Team aus Frankreich. So stellt Trainer Laurent Bonadei heute Abend in St. Gallen auf. Und es lässt sich sagen: Das hat nicht mehr viel mit dem Team zu tun, das die Schweiz im Herbst bezwang, das ist ein Team, das praktisch in Bestbesetzung antritt.

Die Nations League
Nun, worum gehts heute Abend eigentlich? Ein einfaches Testspiel ist das nicht, was in St. Gallen vonstatten gehen wird. Die Partie gegen Frankreich ist die dritte der Nations-League-Kampagne. Zum Auftakt gab es für die Schweiz ein 0:0 gegen Island, dann in Norwegen ein 1:2. Es ist also definitiv Zeit für den ersten Sieg heute. Brisant übrigens: Auf Island und Norwegen trifft die Schweiz auch an der EM, die am 2. Juli beginnt. Die Gruppe komplettiert aber glücklicherweise nicht auch noch Frankreich, sondern Island.
Die Schweizerinnen
Und wenn wir schon bei Luyet sind: Die fehlt heute verletzt. Dabei sind dafür andere aufregende Spielerinnen, Sydney Schertenleib zum Beispiel oder Iman Beney. Und dann noch eine richtig schöne Geschichte, nach ihrem bereits zweiten Kreuzbandriss ist Svenja Fölmli vom SC Freiburg wieder dabei. Kollege Brasser, heute in St. Gallen im Einsatz, hat mir ihr gesprochen. Ich finde ja, eine Stürmerin wie sie fehlte diesem Kader eigentlich gerade noch. Mal schauen, ob sie zum Einsatz kommt.
Mit dabei natürlich auch die Altbewährten, Lia Wälti, Ana-Maria Crnogorcevic und Ramona Bachmann. Auch Letztere stellte sich unter der Woche den Fragen der Medien, es ging dabei auch um das Kind, das sie und ihre Partnerin Charlotte Baret im Mai erwarten. Was Bachmann erzählte, lesen Sie hier.
Es gibt aber auch prominente Abwesende vor diesen Spielen gegen Frankreich und Island (am Dienstag). Zum Beispiel fehlt Riola Xhemaili, die weiterhin keinen einfachen Stand hat in diesem Nationalteam, aber in Eindhoven fleissig Argumente für ein Aufgebot sammelt. Dann müssen auch Coumba Sow und Alisha Lehmann passen. Ob das bereits erste Anzeichen für Sundhages Kader für die EM sind?
Das gabs doch schon!
Wobei, ganz so gross wie bei den Männern ist das Nationalteam der Französinnen nicht, es liegt auf Rang 11 der Fifa-Weltrangliste, die Schweizerinnen sind auf Rang 23, also etwas schlechter klassiert. Das hinderte Sundhages Gruppe aber nicht daran, die Gegnerinnen im Herbst einem Testspiel zu bezwingen. Wir erinnern uns noch so gerne Naomi Luyets Traumtor zum 2:1.
Guten Abend …
… und herzlich willkommen! Was für eine Woche, jeden Abend werden wir hier mit Fussball versorgt. Denn heute, wo keine Super-League-Spiele stattfinden, ist Nations League angesagt, ist doch wunderbar. Auf dem Programm: Schweiz – Frankreich, das Team von Pia Sundhage trifft also auf einen Giganten des Weltfussballs, ja, das ist auch bei den Frauen so.
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