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Nationalspielerin Ramona Bachmann
Angefeindet, weil sie ein Kind erwarten: Wie ein Paar dem Hass im Netz begegnet

Ramona Bachmann der Schweizer Nationalmannschaft jubelt über ihr Tor bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2023 im Spiel gegen die Philippinen im Dunedin-Stadion.
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In Kürze:
  • Die Nationalspielerin Ramona Bachmann erwartet mit Ehefrau Charlotte Baret Mitte Mai einen Sohn.
  • Das Paar entschied sich bewusst gegen eine Geburt in den USA.
  • Bachmanns Wunsch ist, dass der Junge während der Fussball-EM im Schweizer Teamquartier dabei ist.

Es sind aufregende Wochen für Ramona Bachmann, Tage voller freudiger Erwartungen. Vor kurzem kickte die Schweizer Nationalspielerin einen Fussball in die Luft, der zersprang und blauen Rauch freisetzte – «it’s a boy!» Ihre Mitspielerinnen jubelten.

Geschlecht also bekannt, der Name noch geheim. Mitte Mai ist der Geburtstermin, Bachmanns Ehefrau, die französische Tänzerin Charlotte Baret, trägt das Kind aus. Das Paar heiratete 2023 auf La Réunion, wo Baret ihre Wurzeln hat. Für die Samenspende reisten die zwei Frauen nach Spanien.

Nun sitzt Bachmann an einem Tisch in einem Hotel am Zürcher Stadtrand, das Schweizer Nationalteam lädt zum Pressetermin, weil am Freitag ein Spiel gegen Frankreich und am Dienstag darauf eines in Island ansteht, Nations League, es geht auch um eine gute Vorbereitung für die EM im Sommer.

Bachmann ist in diesem Team eine der erfahrensten Spielerinnen, 151 Länderspiele hat sie bestritten, 60 Tore geschossen, damit ist sie hinter Ana-Maria Crnogorcevic jeweils Zweitbeste in der Geschichte des Nationalteams. Sie reiste weit herum in ihrer Karriere, spielte in Schweden, den USA, für Wolfsburg, Chelsea und Paris St.-Germain. Seit kurzem ist sie wieder in den USA, gerade hat sie bei Houston Dash die Saison aufgenommen.

Die Zukunft? Wegen Trump wohl kaum in den USA

Baret lernte sie während ihrer Zeit in Paris kennen. Und dort wird der Junge auch auf die Welt kommen, er soll den französischen und den Schweizer Pass bekommen. Das Paar hat aber noch weitere Gründe für diese Wahl, auch politische. Viele Menschen, die der LGBTQ+-Community angehören, sind seit Donald Trumps Rückkehr verunsichert. «Zum anderen ist der Mutterschutz nicht gut, mit dem Gedanken, dass etwas passieren könnte während der Schwangerschaft, fühlte sich Charlotte in den USA nicht wohl», sagt Bachmann. 

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Bachmann hat in Houston einen Vertrag bis Dezember 2026. Weil es im Verein nicht immer ruhig war, strebte die Luzernerin bereits einen Wechsel auf Leihbasis an, nach guten Gesprächen mit dem neuen Trainer Fabrice Gautrat entschied sie sich für den Verbleib. Man muss aber nicht besonders fantasievoll sein, um zu verstehen, dass sie die Zukunft ihrer kleinen Familie nicht in den USA sieht. 

Bachmann ist eine Pionierin im Schweizer Fussball, sie gehört zu den wichtigsten Figuren in der Szene. Das hat sportliche Gründe, klar, Bachmann zog mit 17 von zu Hause weg, um in Schweden Profi zu werden, danach kamen die grossen Vereine und die vielen Länderspiele. Sie sprach in all der Zeit immer offen darüber, dass sie nicht heterosexuell ist. Vermeintliche Normen kümmern sie nicht, für viele Mädchen ist sie darum ein Vorbild. 

Liebe, Erziehung und Anwesenheit

Einige wenige, aber laute Reaktionen auf die Meldung, dass ihre Partnerin schwanger ist, zeigten ihr aber, dass sie sich auch heute noch mit allerlei Meinungen zu ihrer Person herumschlagen muss. Kommentarspalten von Onlinemedien waren negativ geprägt, Menschen schrieben ihren Hass ins Internet, ganz offensichtlich irritiert von der Vorstellung, dass zwei Frauen ein Kind grossziehen. Diese Kommentare sollen an dieser Stelle nicht wiedergegeben werden.

«Es ist falsch, diese Kommentare hinzunehmen», sagt Bachmann, «und es ist ignorant und falsch, was diese Leute schreiben.» Wichtig sei für sie und Baret, dass sie für ihre Werte einstehen würden, die zwei Frauen nehmen diesen Kampf, den sie nicht führen wollen, an. Das heisst: Sie begegnen dem Hass mit Bildern und Worten auf Instagram. «Als zwei Frauen, die ein Kind erwarten, wissen wir, dass wir die perfekte Familie bilden werden», schrieb Baret vor etwa drei Wochen. Was zähle, seien Liebe, Erziehung und Anwesenheit.

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Bachmann sagt: «Der Grund, warum wir das immer noch ansprechen müssen, ist, dass die Hasskommentare immer noch da sind.» Sie hätten auf Instagram eine Plattform, «die immer noch wächst, weil der Frauenfussball auf mehr Interesse stösst».

Der vorläufige Höhepunkt dieses Interesses wird, zumindest hierzulande, dann erreicht sein, wenn die Schweiz am 2. Juli auf Norwegen trifft. Bleibt sie fit, wird Bachmann dabei sein, sie ist wichtig, weil sie in der Offensive entscheidende Momente schafft und weil sie eine ist, die dieses Team mit all seinen aufregenden Talenten führen kann. 

Geht es nach ihr, wird ihr Sohn im EM-Quartier in Thun dabei sein. «Das ist mein Wunsch», sagt sie, Abklärungen laufen. «Ich glaube, das könnte im Team etwas auslösen, vielleicht kann er ja unser Glücksbringer werden.» Sicher nicht weit wäre dann das Gotti des Kleinen, es wird Mitspielerin Meriame Terchoun