In Nähe des Flughafens ZürichEröffnung der ersten Action-Filiale der Schweiz zieht viel Kundschaft an
In einem Einkaufszentrum nahe am Flughafen Zürich hat der Discounter seinen schweizweit ersten Laden. Die Eröffnung lockte viele Kauffreudige nach Bachenbülach.

- Der niederländische Discounter Action eröffnet seine erste Schweizer Filiale in Bachenbülach.
- Dutzende Kundinnen warteten gespannt auf den Einlass ins neue Geschäft.
- Das Sortiment umfasst sechstausend Artikel, aber keine Frischware.
- Action plant weitere Filialen in Martigny, Winterthur, Olten sowie Delsberg.
Für den niederländischen Discounter Action ist es das dreizehnte Land, für die Schweiz ist es eine Premiere. Am Samstag öffnete die schweizweit erste Filiale in Bachenbülach nahe dem Flughafen Zürich erstmals. Die Nachbarschaft im Einkaufszentrum passt zum Image der niederländischen Ladenkette: Lidl, Otto’s, Denner und Migros Outlet.
Bereits um 8 Uhr haben sich erste Interessierte eingefunden, weil falsche Öffnungszeiten kursierten. Darunter das junge Paar Alicia und Christian. Die 19-Jährige, die selbst im Detailhandel arbeitet und in der Region wohnt, findet Eröffnungen cool. Insbesondere das Sortiment möchte sie studieren. Konkrete Einkaufspläne hat sie nicht.
Ein Vater ist mit seiner Tochter aus dem Furttal angereist. Es ist nicht das erste Mal, dass sie einen Action besuchen. Hinter den halb hochgezogenen Rollladen bekamen derweil die Angestellten ein letztes Briefing. Eine Viertelstunde vor der offiziellen Eröffnung um 9 Uhr warten mehrere Dutzend Kundinnen und Kunden auf Einlass. Dann ist das Band durchschnitten, und die Neugierigen oder Kauffreudigen überschreiten den Action-blauen Teppich.
Im Action müssen sich die Kunden erst einmal orientieren
Ein kleines Mädchen klammert sich verängstigt an ihren Vater. «Gell, es ist etwas viel los», versucht dieser zu beruhigen. Die meisten Kundinnen und Kunden stehen noch etwas verloren zwischen den Regalen. Ein System ist für Neulinge auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Osterschokolade reiht sich an Rasensamen, Hundewindeln an Leintücher.

Eine ältere Frau kennt Action aus Frankreich: «Aber hier muss auch ich mich erst neu orientieren.» Schwierig sollte das nicht sein, denn eine Maxime des Unternehmens lautet: «Madrid oder Bachenbülach – das Konzept bleibt das gleiche.» Ein Paar will sich überzeugen, ob die Reinigungsmittel hier wirklich so günstig sind wie versprochen.
Gekommen sind auch die drei Action-Fans Debby, Vanessa und Anna. Die drei jungen Frauen kennen und schätzen das Sortiment und die Preise des Discounters. Sie müssen nun nicht mehr nach Deutschland, um im Action einzukaufen. Eine halbe Stunde später verlassen sie mit Säcken bepackt den Laden. Mit dabei Leinwände, Decken, Nastücher, Solarlampen, Kerzen, ein faltbarer Wagen und mehr.

Es gibt auch Kundinnen und Kunden, welche die Filiale ohne Einkauf verlassen. Andere tragen einen oder gar zwei prall gefüllte Säcke mit sich. Morris aus Bachenbülach war zum ersten Mal in einer Action-Filiale. Er hat ein paar Haushaltsartikel und ein Pack Oreo gekauft. Seine Prognose: «Ich komme vermutlich wieder einmal.»
Frottiertuch, Finken und Batterien
Unter den ersten Kundinnen war auch eine Seniorin aus Niederhasli. Sie hat den Werbeprospekt studiert und wusste, was sie wollte: Frottiertuch, Finken und Batterien. Im Vorfeld warb ein Prospekt für die Eröffnung. «Kleine Preise, grosse Freude», verspricht der Flyer mit den Schleuderpreisen. Im Angebot der ersten Woche unter anderem: kabellose Kopfhörer für Fr. 4.99, ein Kilo Fischölkapseln für Fr. 9.99, ein Handspiegel für Fr. 1.99 oder Zuckerwatte im Beutel für 80 Rappen.

Zur Eröffnung besuchten auch Karin, Carmen und Melani aus Schaffhausen den neuen Laden. Alle drei sind in bester Stimmung. Und für keine der drei Frauen ist die Eröffnung eine Premiere. «Wir waren bereits in Deutschland und in den Niederlanden mit dabei, als Action-Filialen zum ersten Mal öffneten.» Sie haben unter anderem Sitzkissen und Putzmittel gekauft. «Irgendetwas kommt immer mit.»
Während in der Parkallee verglichen und gekauft wird und die Kundschaft am Eingang und vor der Kasse lange in der Schlange steht, empfangen Hajir Hajji, CEO von Action, und Robin Roy, General Manager Action Schweiz, im benachbarten Hotel die Medien.
Lastwagen kommen aus Deutschland
Auf die Frage, weshalb Bachenbülach als Standort gewählt wurde, antwortet Hajji: «Weil es der ideale Standort für die Lieferkette ist.» Beliefert werden sämtliche Schweizer Filialen von einem Verteilzentrum im südhessischen Biblis (D) per Lastwagen.
Einkaufen, so die CEO, soll man bei Action, «weil wir immer den tiefsten Preis bieten». Gegen den Vorwurf, das könnte auf Kosten der Nachhaltigkeit gehen, wehrt sich die CEO. Man wisse, dass die Kundschaft das nicht goutieren würde. Man beschäftige mehr Angestellte als andere Discounter, weil das Personal stets in der Lage sein soll, der Kundschaft zu helfen.

Wie in allen Filialen besteht das Sortiment aus rund 6000 Artikeln in 14 Kategorien. Der Grossteil wird ständig wechseln, nur ein Drittel gehört zum festen Sortiment. Jede Woche kommen 150 neue Produkte in die Filiale. Was man in den Regalen vergeblich sucht, ist Verderbliches – etwa Früchte, Gemüse, Fleisch oder Backwaren. Auch regional oder landestypisch ist beim Harddiscounter kein Thema. Was im restlichen Europa verschleudert werden kann, findet auch in der Schweiz Absatz, ist man überzeugt. Den Anteil an Schweizer Produkten bezeichnet Hajji als «sehr niedrig».
Eine Filiale pro Tag
Was für Bachenbülach ein Event ist, ist für den Discounter Action nicht mehr als Alltag. Wohl kein anderer Discounter ist so routiniert in der Neueröffnung von Filialen. Es begann mit der ersten im Jahr 1994. 2024 waren es europaweit 352 Stück. Und auch im laufenden Jahr soll es mindestens ein neuer Standort pro Tag werden. Gleichzeitig fasst der Discounter in immer mehr Ländern Fuss.
In der Schweiz geht es bereits am 24. April mit einer Filiale in Martigny VS weiter. Fünf Filialen sollen es dieses Jahr in der Schweiz werden. Derzeit sucht Action Personal für den Schweizer Sitz in Basel sowie für Winterthur, Olten, Delsberg und Matran.
Für Herbst ist der Markteintritt in Rumänien geplant. Und ab 2026 möchte Action Slowenien und Kroatien mit einem Filialnetz überziehen.
Wie schnell das gehen kann, zeigt das Beispiel Italien. Seit dem Markteintritt 2021 wurden dort 132 Standorte erschlossen, alleine 65 im vergangenen Jahr. Der Discounter will deshalb bis Ende 2026 fünf neue Verteilzentren bauen.
Die Umsatzentwicklung des Unternehmens zeigt steil nach oben. Im Jahr 2024 wurde eine Steigerung von 22 Prozent auf 13,8 Milliarden Euro verzeichnet.
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