Basler MilliardenbauErste Einblicke in Roches neues Forschungszentrum
Der Pharmakonzern hat sein neues Herzstück eröffnet: Das Haus für Forschung und Entwicklung soll das modernste der Welt sein. Wir haben es uns angeschaut.
Fünf Jahre hat der Bau des neuen Forschungszentrums des Basler Pharmakonzerns Roche in Basel gedauert. Die Kosten: 1,2 Milliarden Franken. «Unser Ziel war, weltweit neue Standards für Forschungszentren zu setzen«, sagte Roche-Präsident Severin Schwan. «Bei aller Schweizer Bescheidenheit wage ich vorsichtig zu behaupten, dass uns das gelungen ist.»
Das Besondere: Die Labore sind durch Glasscheiben transparent abgegrenzt und gehen nahtlos in die Grossraumbüros über. Damit die Forschenden sich nicht damit aufhalten müssen, neue Reagenzien zu organisieren, müssen sie nur noch einen Knopf im Labor drücken, und diese werden automatisch bestellt. Ein weiteres Detail: Der Computerbildschirm schaltet sich von selbst frei, wenn die Angestellten in die Nähe ihres Gerätes kommen. Dafür tragen sie einen Badge am Handgelenk.
Das wichtigste jedoch ist, dass alle Forschenden von Roche nun in einem Gebäude sitzen, bislang waren sie über die ganze Stadt verteilt und konnten sich nur bedingt direkt austauschen.
1800 Forscherinnen und Forscher arbeiten im neuen Zentrum für Forschung und Frühe Entwicklung von Roche. Damit die Angestellten auch zwischen den einzelnen Abteilungen untereinander in Kontakt kommen, wurde die Kaffeemaschine strategisch platziert: «Wir überlassen es nicht dem Zufall, wo sich die Menschen treffen», betont Roche-Präsident Schwan. Für je drei zusammenhängende Stockwerke gibt es deshalb jeweils nur eine Holztheke mit Espressomaschinen.
Entworfen von den Basler Architekten Herzog & de Meuron
Miteinander verbunden sind je drei Stockwerke mit Wendeltreppen. Das Design ist Roches architektonische Signatur. Es findet sich schon in den ersten Gebäuden des Konzerns. Das neue Zentrum stammt – wie auch schon die beiden Roche-Türme – von den Basler Architekten Herzog & de Meuron. Die Treppe haben sie einem Vorbild des fr¨üheren Roche-Hausarchitekten Otto Rudolf Salvisberg nachempfunden.
«Es ist überall hell hier, und die Mitarbeitenden haben viel Vergnügen», befand Wirtschaftsminister Guy Parmelin. Er fügte einen kleinen Seitenhieb bei: «Aber jetzt braucht es auch Resultate.» Damit spielte er auf die jüngsten Forschungsflops von Roche an, unter anderem war das Alzheimer-Medikament gescheitert.
Roche-Chef Thomas Schinecker konterte und warnte vor einem Scheitern der Verhandlungen des Bundesrates mit der EU: «Wenn wir die besten Leute nicht mehr in die Schweiz holen können, müssen wir sie woanders einstellen.» Was Schinecker auch betonte: In den letzten zehn Jahren habe Roche insgesamt acht Milliarden Franken in der Schweiz investiert.
Das Gebäude solle auch «geistigen, ja vielleicht sogar spirituellen Bedürfnissen» dienen, sagte Roche-Präsident Severin Schwan. Neben lauschigen Plätzchen findet sich überall auch zeitgenössische Kunst. So etwa in den bunt abstrakt bedruckten Vorhängen. Auch das könne «zündende Ideen» auslösen, so Schwan.
Die digitale Wand zeigt einen abgefilmten Wald und verändert sich je nach Jahreszeit. Im Sommer fliegt ein Schmetterling zwischen den Bäumen, im Winter taucht ein Wildtier zwischen den Schneeästen auf.
Das Forschungszentrum besteht aus vier Hochhäusern. Sie befinden sich links neben dem höchsten Roche-Turm, der auf dem letzten Foto im Gegensatz zum vorderen Turm nur von der schmalen Seite zu sehen ist.
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