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Neuanlauf für höhere Berufsbildung
«Professional Bachelor» kommt nochmals auf den Tisch

Gäbe es auch in der Schweiz den Titel «Professional Bachelor» hätte er zusätzliche Karrierechancen: Ein Automatiker in Ausbildung bei der Firma Komax in Dierikon LU.  
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Diplomierte Schweizer Berufsleute sollen doch noch den Titel «Professional Bachelor» und «Professional Master» erwerben können: Zehn Tage nach der Abfuhr im Ständerat hat am Donnerstag eine breite Allianz von links bis rechts einen Neuanlauf zur Aufwertung der viel gepriesenen höheren Berufsbildung unternommen. Nationalräte und Nationalrätinnen aus sämtlichen sechs Fraktionen verlangen in gleichlautenden Motionen, dass die schweizerischen Titel den ausländischen angepasst werden.

Die Initialzündung gab Jürg Grossen. Der Berner Nationalrat und Präsident der Grünliberalen Partei kennt die Materie, bildet er doch in seiner Elektroplanungsfirma seit bald 30 Jahren Lernende aus, und zahlreiche Mitarbeitende machen berufsbegleitend höhere Berufsausbildungen. «Als Unternehmer sind mir Titel zwar nicht das Wichtigste», sagt er. Doch es gehe nicht an, dass die Chancen und das Ansehen der Schweizer Berufsleute zunehmend geschmälert würden – nicht nur im Ausland, sondern «je länger, je mehr auch im Inland», wie Grossen beobachtet.

«Drastische Auswirkungen» nicht nur für Schweizer Berufsleute

Denn auch hierzulande würden immer häufiger Berufsleute mit einem Bachelor- oder Masterabschluss gesucht. Für die Absolventinnen und Absolventen der hiesigen höheren Berufsbildung habe es «drastische Auswirkungen», dass nach Deutschland auch Österreich den «Professional Bachelor» eingeführt habe. Nicht nur für sie: Das österreichische Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung nennt die Titel eine Massnahme gegen den Fachkräftemangel.

«Da besteht akuter Handlungsbedarf», pflichtet der St. Galler SVP-Nationalrat Mike Egger bei, von dem einer der Vorstösse stammt. Er kennt beide Seiten: Nach einer Berufslehre als Fleischfachmann bildete er sich zuerst zum technischen Kaufmann mit eidgenössischem Fähigkeitsausweis weiter, danach zum Betriebswirtschafter HF.

Mit einem «Professional Bachelor»-Titel wäre das Diplom im Ausland mehr wert und die Freude noch grösser: Erfolgreiche Diplomanden an der Höheren Fachschule für Tourismus in Thun.

Vorläufiger Abschluss war ein Studium an einer Fachhochschule, für das er den Executive MBA erhielt, also den Master of Business Administration. «Wenn wir alle davon sprechen, wie wichtig die duale Berufsbildung sei, dann sollten wir sie auch endlich wertschätzen», sagt Egger.

Obwohl sie mehr Zeit investieren, haben sie weniger Chancen

Als Inhaber einer Elektroinstallationsfirma habe er Mitarbeitende, die viel Zeit in ihre Weiterbildung investiert hätten, sagt ein weiterer Motionär, der freisinnige Aargauer Matthias Jauslin. Dieser Aufwand sei mit jenem für ein Bachelorstudium durchaus vergleichbar. Ohne mit dem im Ausland vergleichbaren Titel seien diese Berufsleute dennoch benachteiligt: «Wenn sie sich bei staatsnahen Betrieben oder bei einem internationalen Konzern bewerben, haben sie ohne Bachelorabschluss nicht die gleichen Chancen.»

«Oft ist es auch eine Frage des Lohns», gibt die Freiburger Mitte-Nationalrätin Christine Bulliard-Marbach zu bedenken. Von ihr stammt die vierte Motion. Der Basler Sozialdemokrat Mustafa Atici und der Neuenburger Grüne Fabien Fivaz schliessen den parteipolitisch wie regional breit abgestützten Vorstossreigen ab.

Urheber der Bachelor-Motion hält sich zurück

Nicht dazu gehört diesmal der Berner SP-Nationalrat Matthias Aebischer, dessen beinahe identische Motion der Ständerat am Montag vergangener Woche abschmetterte. Das kam insofern überraschend, als die vorberatende Kommission ohne Gegenstimme Annahme beantragt hatte.

Die Hochschulen haben seinen Vorstoss für einen «Professional Bachelor» abgeschossen – jetzt freut sich Matthias Aebischer, dass eine überparteiliche Allianz die Idee aufgreift. 

Aebischer hat den Entscheid bis heute nicht verdaut: «Dass die Fachhochschulen und die Universitäten via Kantone alle Hebel in Bewegung setzten, meine Motion abzuschiessen, zeugt von schlechtem Stil. Es ging wohl primär um Eigeninteressen und nicht um eine Gesamtsicht.» Und dass er froh sei, dass seine Idee über alle Parteigrenzen hinweg weitergetragen worden sei.

Womit der Druck auf das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) steigt. Dieses sollte bis Ende Jahr entscheiden, welche Titel es ab 1. Januar 2024 einführen will. «Das SBFI wird nicht riskieren, wieder mit einem ‹Advanced Federal Diploma of Higher Education› an den Start zu gehen – einem Titel, den niemand versteht», hofft Aebischer.

Denn damit würde die Mehrheit im Ständerat kippen. Und dem «Professional Bachelor made in Switzerland» stünde nichts mehr im Weg.