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Krieg in Nahost
Was bisher über die Pager-Explosionen im Libanon bekannt ist

epa11610034 An ambulance arrives at the American University of Beirut Medical Center (AUBMC) after an incident involving Hezbollah members’ wireless devices in Beirut,  Lebanon, 17 September 2024. According to Lebanon’s state news agency, several ‘wireless communication devices (pagers) were detonated using advanced technology.’ Hundreds of people with various injuries have been arriving at Lebanese hospitals, according to the Lebanese Public Health Emergency Operations Center of the Ministry of Public Health.  EPA/WAEL HAMZEH
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Diesmal piepste oder vibrierte es nicht nur, es knallte. Im Libanon explodierten am Dienstag kleine Pager, mit denen die Kämpfer der Hizbollah untereinander kommunizieren. Manche in der Hosentasche, manche in den Händen der Opfer. Neun Tote sollen es bisher laut Gesundheitsministerium sein, am Abend war noch von acht die Rede, darunter sei ein kleines Mädchen. 2750 Verletzte zählten die Behörden bis zum Abend, darunter nach libanesischen Angaben auch Zivilisten. Mindestens 200 Menschen seien in einem kritischen Zustand.

Noch am Dienstagabend beschuldigte die Hizbollah Israel, hinter der offenbar koordinierten Aktion zu stecken. Die Terrormiliz drohte dem Land via Telegram, es werde Vergeltung, eine «gerechte Strafe», für diese «sündige Aktion» erfahren. Israels Armee kommentierte den massiven Angriff zunächst nicht – und schwieg entsprechend auch zu der Frage, ob sie selbst oder israelische Geheimdienste dahinterstecken. Die Vereinten Nationen seien besorgt, dass der Konflikt eskalieren könnte, wie ein Sprecher am Abend sagte. Israelische Medien berichteten am Dienstagabend, dass Militär und Regierung sich zum Risiko eines Angriffs der Hizbollah berieten.

A Lebanese Red Cross volunteer collects blood donations for those who were injured by their exploded handheld pagers, Tuesday, Sept. 17, 2024, at a Red Cross center in the southern port city of Sidon, Lebanon. (AP Photo/Mohammed Zaatari)

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von etwa 1000 explodierten Pagern, sie sollen innerhalb kurzer Zeit im ganzen Land detoniert sein. Medienberichten zufolge traf es auch hochrangige Hizbollah-Vertreter. Auch der Pager des iranischen Botschafters in Beirut soll explodiert sein. Vor allem in Dahieh, wie die südlichen Vororte Beiruts genannt werden, waren am Dienstag stundenlang Krankenwagen unterwegs, die die Verletzten in Spitäler brachten. Auf sozialen Netzwerken kursierten schnell Videos und Fotos, die sowohl die kleinen Explosionen zeigen als auch Verletzte, die am Boden liegen oder in Krankenhäusern auf Behandlung warten.

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Die Hizbollah selbst sprach von der grössten «Sicherheitspanne», die der Terrorgruppe seit dem Beginn des Krieges in Gaza widerfahren sei. Die Explosionen ereigneten sich einen Tag, nachdem Israels Verteidigungsminister Yoav Gallant davon gesprochen hatte, dass «militärische Aktionen» notwendig seien, damit etwa 60’000 Israelis in den an den Libanon grenzenden Norden des Landes zurückkehren könnten, den sie aufgrund der Angriffe der Hizbollah seit dem 7. Oktober verlassen mussten.

Netanyahu hat die Kriegsziele aktualisiert

Die schiitische Terrormiliz feuert seitdem fast täglich mit Drohnen und Raketen auf das Grenzgebiet – nach ihren offiziellen Verlautbarungen aus Solidarität mit der Hamas im Gazastreifen. Die ist eigentlich Israels hauptsächlicher Gegner in diesem Krieg, doch der Konflikt droht schon seit längerem auch im Norden Israels zu eskalieren. Auch Israels Premierminister Benjamin Netanyahu hatte am Montag mitgeteilt, «die sichere Rückkehr» der Bewohner Nordisraels in ihre Häuser sei nunmehr Teil der aktualisierten Kriegsziele. Darin hatten Beobachter die Andeutung gesehen, dass es nun zu Militäraktionen gegen die Hizbollah kommen könnte.

Die Hizbollah wiederum hat in den vergangenen Jahren immer mehr in die eigene Sicherheit investiert, um sich vor israelischen Angriffen zu schützen. Ihr Führer Hassan Nasrallah lebt wahrscheinlich in den Bunkern eines riesigen Tunnelsystems, das jenes der Hamas bei weitem übertrifft. Ein Handy soll er nicht besitzen, wie andere Hizbollah und Hamas-Führer die Nutzung der Mobilfunknetze für zu gefährlich halten. Seit dem Beginn des Gazakrieges waren ihre Kader angewiesen, ganz auf sie zu verzichten.

Pager erst kürzlich bei Hizbollah eingetroffen

Pager dagegen lassen sich nicht orten. Sie waren in den Neunzigerjahren in Mode gekommen, auf den kleinen Geräten wurde per Funktechnik eine Nummer angezeigt, die man über Festnetz zurückrufen sollte. Die neueren mobilen Geräte erlauben es auch, Nachrichten zu verschicken, mit manchen kann man auch antworten.

Weil das System relativ anonym ist, nutzen es auch Verbrecher wie etwa Rauschgiftdealer – und Terroristen. Hunderte Hizbollah-Kämpfer sollen mit solchen Geräten ausgestattet sein. Nun ist es möglicherweise israelischen Experten gelungen, in das Pager-Netzwerk der Hizbollah einzudringen. Die Eindringlinge kannten also die Nummern der Pager und konnten sie gezielt zur Explosion bringen. Eine mögliche Variante, wie das technisch funktioniert haben könnte, ist, dass es gelang, eine Nachricht so zu manipulieren, dass der Akku des Pagers durch Überlastung zu heiss wurde und in der Folge explodierte.

Eine andere Erklärung wäre, dass man schon im Vorfeld manipulierte Geräte mit einer kleinen Sprengladung eingeschleust hat, die mit einer speziellen Nachricht zur Explosion gebracht werden konnten.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen im Libanon hat die Hizbollah erst kürzlich neue Pager geliefert bekommen. US-amerikanische Medien berichten, die Firma Gold Apollo in Taiwan habe mehr als 3000 Pager verschickt, diese seien an einem bisher unbekannten Punkt der Lieferkette mit wenigen Gramm Sprengstoff versehen worden. Um 15.30 Uhr am Dienstag sollen Tausende Pager im Libanon und einige in Syrien eine Nachricht der Hizbollah-Führung angezeigt und einige Sekunden gepiepst haben. Dann explodierten sie.