Übernahme sorgt für UnsicherheitFührende Outdoor-App Komoot wechselt den Besitzer
Die italienische Softwarefirma Bending Spoons übernimmt eine der führenden Plattformen zur Routenplanung im Outdoorbereich. Die rund 150 Mitarbeiter von Komoot sind besorgt.

Was vor 15 Jahren als ambitioniertes Projekt von sechs Freunden aus Deutschland und Österreich entstand, zählt heute zu den führenden Routenplanern für Outdooraktivitäten in Europa – die Komoot-App. Nun wurde Komoot von dem Mailänder Unternehmen Bending Spoons übernommen.
Details zu den finanziellen Aspekten der Transaktion wurden nicht veröffentlicht. 45 Millionen Nutzer hat die Komoot-App laut eigenen Angaben, 23 Millionen davon im Ausland. Das Kundenpotenzial liege sogar noch höher, was wohl das Interesse bei Bending Spoons geweckt hatte.
Denn die italienische Softwarefirma hat in der Vergangenheit bereits mehrere bekannte Anwendungen übernommen – unter anderen Wetransfer, Issuu und Evernote – und nun sein Portfolio an populären Apps nochmals verbreitert.
Schock bei den Komoot-Angestellten
Die vergangenen Übernahmen von Bending Spoons liefen nicht geräuschlos und wurden oft begleitet von drastischen Umstrukturierungen. So waren etwa nach der Übernahme von Evernote im Januar 2023 bereits im Juli desselben Jahres fast alle Mitarbeiter entlassen worden, während die Operationen ins Hauptquartier von Bending Spoons in Mailand verlagert worden waren. Ähnlich lief es bei Wetransfer im letzten Jahr, wo 75 Prozent der Belegschaft entlassen wurden. Ganz übel traf es die Angestellten des US-App-Entwicklers Mosaic, wo – ebenfalls 2024 – die gesamte 330-köpfige Belegschaft vor die Türe gesetzt wurde.

Während Luca Ferrari, CEO und Mitgründer von Bending Spoons, auf die bisherigen Erfolge von Komoot hinweist und verkündet, dass mit den Technologien und dem Know-how seines Unternehmens die Komoot-Plattform weiter gestärkt werden könne, löste die Übernahme bei den rund 150 Komoot-Mitarbeitern Besorgnis aus.
Die Angestellten des 2010 gegründeten Unternehmens wurden laut einem Bericht der «Wirtschaftswoche» bei einem kurzfristig einberufenen Meeting über den Deal informiert. Zudem wurde ihnen mitgeteilt, dass es Kündigungen geben werde; Rückfragen waren indes nicht gestattet, was bei der Belegschaft Schockreaktionen ausgelöst haben soll, heisst es im Bericht weiter.
Trotz vieler kritischer Stimmen zeigt sich Komoot-Mitgründer Tobias Hallermann zuversichtlich. Besonders in den USA sehe das Unternehmen grosses Wachstumspotenzial, «am Ende wollen wir alle 100 Millionen Radfahrer und Wanderer erreichen», sagte er dem «Handelsblatt».
red/nag
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