Ihr Browser ist veraltet. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser auf die neueste Version, oder wechseln Sie auf einen anderen Browser wie ChromeSafariFirefox oder Edge um Sicherheitslücken zu vermeiden und eine bestmögliche Performance zu gewährleisten.

Zum Hauptinhalt springen

Hilfe bei Bruxismus
Dank einer Zahnschiene sind die Kopfschmerzen weg

Ramona Kappeler spaziert am Ufer des Zugersees. Sie trägt einen grünen Mantel und lächelt.
Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.
BotTalk
In Kürze:
  • Ramona Kappeler litt unter starken Kopfschmerzen, verursacht durch nächtliches Zähneknirschen.
  • Unbewusstes Zähneknirschen kann durch Stress und andere Faktoren ausgelöst werden.
  • Eine individuell angepasste Zahnschiene kann helfen, die Beschwerden zu lindern.
  • Auch Physiotherapie oder Entspannungstechniken können helfen.

Sechs Jahre lang litt Ramona Kappeler unter wiederkehrenden, starken Kopfschmerzen – mindestens einmal im Monat traten migräneartige Attacken auf. «Die Schmerzen waren so intensiv, dass ich sie nur mit Massagen oder Chiropraktik lindern konnte», erinnert sich die schulische Heilpädagogin aus Zug. Die Behandlungen halfen kurzfristig, aber nach spätestens einem Monat kehrten die Kopfschmerzen zurück.

In besonders schweren Phasen griff die heute 40-Jährige zu Schmerzmitteln wie Ibuprofen, um die Attacken zu überstehen. «Ich behandelte mich selbst, da mein Lebenspartner ebenfalls unter Migräne leidet, und ich dachte, es wäre eine ähnliche Problematik.»

Die Ursache für ihre Beschwerden wurde dann mehr oder weniger durch Zufall entdeckt. Den entscheidenden Hinweis bekam sie von ihrer Zahnärztin bei einer Routineuntersuchung: «Sie sagte mir, dass meine Zähne auffällig abgeschliffen seien und ich vermutlich nachts mit den Zähnen knirsche.» Als sie ihren Partner darauf ansprach, bestätigte er den Verdacht: Auch ihm war aufgefallen, dass Ramona im Schlaf stark die Zähne aufeinanderbiss und dabei Geräusche machte.

Ramona Kappeler ist kein Einzelfall: Schätzungen zufolge leidet rund ein Drittel der Bevölkerung unter Bruxismus, also unbewusstem Zähneknirschen. «Bei den Betroffenen sind deutliche Abrasionen, also Schlifffacetten auf den Kauflächen, zu erkennen», erklärt Nina van Sprundel, Zahnärztin in Baar. Viele Patienten klagen zudem morgens über Kiefer- und Kopfschmerzen sowie Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich. «Durch das Knirschen oder das unbewusste Pressen wirken enorme physikalische Kräfte auf die Zähne und das Kiefergelenk», so Van Sprundel. «Diese Spannung setzt sich bis in die gesamte Kopf- und Nackenmuskulatur fort und kann Kopfschmerzen auslösen.» In schweren Fällen können sogar Zahnfrakturen oder Knack- und Reibegeräusche im Kiefergelenk auftreten.

Stress als Hauptauslöser

Bruxismus hat vielfältige Ursachen – sowohl psychische als auch physische. Besonders oft ist Stress der Auslöser: Unbewusste Anspannung und emotionale Belastung führen dazu, dass Betroffene vor allem nachts mit den Zähnen mahlen oder pressen. Auch eine Fehlstellung des Kiefers, sogenannte Malokklusionen, kann das Knirschen begünstigen, wenn der Biss nicht harmonisch schliesst. Weitere Risikofaktoren sind Schlafstörungen, Alkoholkonsum, übermässiger Koffeingenuss sowie bestimmte Medikamente, die das zentrale Nervensystem beeinflussen. In einigen Fällen spielt auch eine genetische Veranlagung eine Rolle.

Bei Ramona Kappeler war vermutlich Stress der Hauptauslöser. «Ich habe schnell gemerkt, dass meine Kopfschmerzen mit stressigen Situationen zusammenhängen», erzählt sie. Trotzdem blieb sie im Job – auch wenn die Schmerzen an manchen Tagen kaum auszuhalten waren. «Ich konnte es mir nicht erlauben, einfach nach Hause zu gehen», sagt sie. In ihrem Beruf als Schulische Heilpädagogin müsse sie präsent sein, vor allem für ihre Schüler. «Viel Lärm, viele Menschen, die Unterstützung brauchen – das hat alles noch verstärkt.» Schmerzmittel wurden für sie zur Routine. «Dann habe ich eben ein zweites Ibuprofen genommen – und weitergemacht.»

Werden – wie bei Ramona Kappeler – Anzeichen wie Zahnabrieb oder muskuläre Verspannungen erkannt, kann eine Zahnschiene helfen, die Kopfschmerzen zu lindern. Zur Diagnose führt der Zahnarzt eine sogenannte myofunktionelle Anamnese durch. «Wir untersuchen die Mundöffnung, das Kiefergelenk, die Muskulatur und die Zähne», erklärt Nina van Sprundel. «Wenn der Patient an bestimmten Stellen Druckschmerzen verspürt, ist das ein weiterer Hinweis auf eine Überlastung oder Fehlfunktion.»

Die Betroffenen tragen nachts die Zahnschiene. Sie sei nach Ansicht der Zahnärztin die wirksamste Methode, um Bruxismus entgegenzuwirken: «Die Schiene verhindert den direkten Zahnkontakt und hält den Gelenkspalt offen. Dadurch wird das Kiefergelenk entlastet, das Knirschen reduziert, und die Muskulatur entspannt sich.» So können Kopfschmerzen und Verspannungen deutlich abnehmen.

Physiotherapie für Kiefer, Nacken, Schulter

Neben der Zahnschiene können auch physiotherapeutische Massnahmen und gezielte Entspannungstechniken hilfreich sein. Durch Physiotherapie lassen sich muskuläre Dysbalancen im Kiefer-, Nacken- und Schulterbereich behandeln, wodurch Verspannungen gelöst und die Kieferbeweglichkeit verbessert werden kann. Zudem haben sich Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga als effektive Methoden erwiesen, um den Bruxismus zu reduzieren. «Da Stress ein häufiger Auslöser für das Zähneknirschen ist, können regelmässige Entspannungsübungen helfen, das unbewusste Pressen zu verringern», bestätigt Van Sprundel.

Dank moderner Technik ist die Anpassung einer Schiene heute unkompliziert. So sei ein herkömmlicher Gipsabdruck nicht mehr nötig. «Wir nutzen einen Intraoralscanner», sagt Van Sprundel. Das sei für den Patienten angenehmer, da kein Abdruckmaterial im Mund verwendet werden müsse. Der digitale Scan wird direkt ans Labor übermittelt, wo die Schiene präzise gedruckt wird. Falls eine neue angefertigt werden muss, kann sie einfach nachproduziert werden. Die Kosten belaufen sich auf rund 1000 Franken – eine Kostenübernahme durch die Krankenversicherung gibt es in der Regel nicht.

Zunächst ein Fremdkörper im Mund

Vor vier Monaten erhielt Ramona Kappeler ihre individuell angepasste Zahnschiene. «Anfangs war es ungewohnt, sie zu tragen. Es fühlte sich an wie ein Fremdkörper im Mund. Aber da ich schnell einschlafe, habe ich mich nach zwei bis drei Wochen daran gewöhnt.»

Seitdem sind ihre Kopfschmerzen verschwunden. «Eigentlich dachte ich, dass die Schiene nur meine Zähne schützt. Dass sie auch meine Kopfschmerzen eliminiert, ist eine angenehme Überraschung. Ich fühle mich erholter und fitter», sagt Kappeler.

Auch ihr Schlaf hat sich verbessert: «Ich wache viel erholter auf», berichtet sie. «Ich hätte nie gedacht, dass so eine kleine Veränderung einen so grossen Unterschied machen kann.»