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Newsticker zum Krieg in Nahost
Atombehörde alarmiert: Iran fährt Uran-Produktion deutlich hoch
Hamas will Leichen von vier Geiseln übergeben
Trauerzug für Bibas-Familie in Israel hat begonnen

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Alle Artikel zu Nahost: News und Hintergründe in der Übersicht

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Atombehörde alarmiert: Iran fährt Uran-Produktion deutlich hoch

Der Iran hat die Herstellung von beinahe atomwaffentauglichem Uran in den vergangenen Monaten stark beschleunigt – trotz vorangegangener Gespräche über eine Begrenzung der Produktion. Das berichtet die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien.

Die iranischen Vorräte an Uran mit einem Reinheitsgrad von 60 Prozent sind seit Ende Oktober um gut 91 Kilogramm auf rund 275 Kilogramm angestiegen, hiess es in dem nicht-öffentlichen IAEA-Bericht, welcher der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

IAEA-Direktor Rafael Mariano Grossi spricht am 19. Februar 2025 in Okuma, Fukushima, nach Inspektion der Lagerstätte für kontaminierte Erde mit Medienvertretern.

IAEA-Chef Rafael Grossi wies in dem Bericht darauf hin, dass der Iran der einzige Staat ohne Atomwaffen sei, der solches Material herstelle. Die «signifikant gestiegene Produktion und Anhäufung» von 60-prozentigem Uran «gibt Anlass zu ernster Sorge», schrieb er in dem Dokument, das nächste Woche in einer Sitzung des IAEA-Gouverneursrates debattiert wird.

Mitte November hatte Grossi in Teheran über eine mögliche Selbstbeschränkung bei der Herstellung dieses Materials verhandelt, damit die Menge nicht noch weiter ansteigt. Dafür hatte der Iran auch schon erste technische Vorkehrungen getroffen.

Doch nach einer Iran-kritischen IAEA-Resolution entschied sich Teheran, die Produktion zu beschleunigen.

Für Atomsprengkopf müsste Niveau erhöht werden

Für einen Atomsprengkopf wären laut Fachleuten etwa 50 Kilogramm dieses Materials nötig. Zuvor müsste es jedoch noch auf ein Niveau von 90 Prozent angereichert werden. Offiziell beharrt der Iran darauf, kein Atomarsenal anzustreben.

In seiner ersten Amtszeit hatte US-Präsident Donald Trump den Ausstieg der Vereinigten Staaten aus dem Atompakt von 2015 verkündet, mit dem das iranische Nuklearprogramm stark eingeschränkt worden war. Seitdem hat Teheran schrittweise die Anreicherung wieder hochgefahren.

Trump hat Anfang Februar für ein neues «nukleares Friedensabkommen» mit dem Iran geworben. (DPA)

Gruppe in Gaza kündigt Übergabe einer Geisel-Leiche an

Eine bewaffnete Gruppe im Gazastreifen will nach eigenen Angaben am Donnerstag eine israelische Leiche übergeben.

Die mit der Hamas verbündeten al-Nasser-Salah-al-Din-Brigaden erklärten, es handle sich um die sterblichen Überreste eines 50 Jahre alten Mannes. Die Übergabe seiner Leiche ist israelischen Medien zufolge im Rahmen der ersten Phase des Abkommens zwischen Israel und der Hamas vorgesehen.

Zuvor hatte die Hamas mitgeteilt, es sei eine Einigung über die ins Stocken geratene erste Phase des Waffenruhe-Abkommens erzielt worden. Die geplante Entlassung palästinensischer Häftlinge aus israelischen Gefängnissen, die Israel vor einigen Tagen ausgesetzt hat, solle zeitgleich mit der Übergabe von Leichen israelischer Geiseln erfolgen, teilte die Hamas mit. Betroffen sind insgesamt 602 palästinensische Häftlinge. Sie hätten ursprünglich am Samstag im Austausch für sechs israelische Geiseln freikommen sollen.

Israelische Medien hatten zunächst berichtet, vier Leichen israelischer Geiseln sollten am heutigen Mittwoch übergeben werden. Aus Kreisen der Hamas im Gazastreifen hiess es, dies solle nun in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag erfolgen. Laut dem Waffenruhe-Abkommen war vorgesehen, dass die vier Leichen am Donnerstag im Rahmen der ersten Phase des Deals an Israel übergeben werden. Die vier Leichen sind die letzten, die im Rahmen der ersten Phase des Abkommens übergeben werden sollen.

Aus Israel gab es zunächst keine offizielle Bestätigung für eine Einigung mit der Hamas. (DPA)

Hamas will Leichen von vier Geiseln übergeben

Im Gazastreifen steht die Übergabe der Leichen von vier israelischen Geiseln der Hamas an. Im Gegenzug werde Israel Hunderte palästinensische Häftlinge freilassen, teilte die militant-islamistische Palästinenserorganisation mit. Hamas-Sprecher Abdul Latif al-Kanu hatte der Nachrichtenagentur AP am Mittwoch bestätigt, dass die Leichen der vier Israelis am heutigen Donnerstag übergeben werden sollen.

In wenigen Tagen läuft die erste Phase der Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas aus. Verhandlungen über die zweite Phase haben noch nicht begonnen. Israel hatte die Freilassung von etwa 600 Häftlingen seit Samstag hinausgezögert, um gegen die grausame Behandlung von Geiseln bei deren Freilassung zu protestieren. Die Hamas bezeichnete dies als schweren Verstoss gegen das Waffenruhe-Abkommen. Bis zur Freilassung der Häftlinge seien keine Gespräche über die zweite Phase möglich.

Trauerzug für Bibas-Familie in Israel hat begonnen

Menschen säumen die Strasse und schwenken israelische Flaggen, während der Trauerzug der Familien Bibas in Rishon LeZion, Israel, passiert.

In Israel hat der öffentliche Trauerzug für die in Geiselhaft der islamistischen Hamas getötete Schiri Bibas und ihre beiden kleinen Söhne begonnen. Zehntausende Menschen säumten die Route, berichtete die israelische Nachrichtenseite «ynet». Augenzeugen zufolge brachten viele Menschen im Gedenken an die beiden kleinen rothaarigen Jungen orangefarbenen Luftballons mit. Schiri Bibas und ihre Söhne Kfir und Ariel hatten auch die deutsche Staatsangehörigkeit.

Die «Times of Israel» berichtete, die Särge sollten aus einer Stadt im Grossraum Tel Aviv abgeholt und in den Süden des Landes transportiert werden. Die für den Vormittag geplante Beisetzung wird in der Nähe des Heimatortes der Familie Nir Oz in Südisrael und auf Wunsch der Familie im privaten Kreis stattfinden. Die Trauerreden sollen aber live übertragen werden.

Die Leiche der Mutter war am Freitag von der Hamas überstellt worden, einen Tag nach den sterblichen Überresten ihrer Kinder. In einem Sarg, den die Hamas zuvor an das Rote Kreuz übergeben hatte, befand sich die Leiche einer anderen, unbekannten Frau.

Nach einer forensischen Untersuchung der Leichen der Kinder teilte die israelische Armee mit, die beiden kleinen Jungs seien im November 2023 von ihren Entführern brutal ermordet worden. Nach Darstellung der Hamas wurden sie dagegen bei einem israelischen Luftangriff getötet. Kfir war zum Zeitpunkt seiner Entführung und seines Todes noch ein Baby, sein Bruder Ariel vier Jahre alt.

Die Inszenierung bei der Übergabe der Leichen durch die Hamas löste international Empörung aus. Die Hamas hatte die Särge auf einer Bühne aufgebahrt, zahlreiche jubelnde Schaulustige und Dutzende vermummte Islamisten versammelten sich am Übergabeort, während laute Musik spielte. (DPA)

Hamas: Einigung im Streit über Fortsetzung des Gaza-Deals

Israel und die Hamas haben nach Angaben der Islamistenorganisation eine Einigung über die ins Stocken geratene erste Phase des Waffenruhe-Abkommens erzielt. Die geplante Entlassung palästinensischer Häftlinge aus israelischen Gefängnissen, die Israel vor einigen Tagen ausgesetzt hat, soll zeitgleich mit der Übergabe von Leichen israelischer Geiseln erfolgen, teilte die Hamas mit. Wann der Austausch stattfinden soll, liess die Terrororganisation offen. Eine offizielle Bestätigung aus Israel dafür gab es zunächst nicht.

Israel hatte in der Nacht zu Sonntag mitgeteilt, die im Waffenruhe-Abkommen vorgesehene Entlassung palästinensischer Häftlinge werde ausgesetzt. Erst müsse die islamistische Terrororganisation versichern, mit den demütigenden Zeremonien bei der Freilassung der israelischen Geiseln aufzuhören, hiess es zur Begründung. Betroffen sind 602 palästinensische Häftlinge. Sie hätten am Samstag im Austausch für sechs israelische Geiseln freikommen sollen. (DPA)

Israel greift wieder Ziele in Syrien und im Libanon an

Die israelische Luftwaffe hat wieder Ziele im benachbarten Syrien sowie im Libanon angegriffen. Südlich der syrischen Hauptstadt Damaskus, wo Kampfflugzeuge und Explosionen zu hören waren, kam es Augenzeugen zufolge zu mindestens fünf Luftangriffen auf militärische Ziele. Ein Vertreter der südlichen Provinz Daraa sagte, auch dort hätten Israels Kampfflugzeuge mehrere Militäranlagen der syrischen Armee angegriffen.

Nach dem Sturz der Regierung von Machthaber Baschar al-Assad im Dezember hatte Israel in Hunderten Angriffen die militärischen Fähigkeiten der Assad-Regierung weitgehend zerstört. Seit Jahresbeginn griff Israel der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 16 Mal auf syrischem Gebiet an. Unter anderem seien Waffenlager und militärische Kommandozentren zerstört worden.

Das israelische Militär äusserte sich zunächst nicht zu den Angriffen. (DPA)

«Mein Herz ist in Gefangenschaft»: Ex-Geisel spricht vor Sicherheitsrat

Eine aus der Gefangenschaft der Hamas befreite Israelin hat vor dem UN-Sicherheitsrat die Freilassung aller Geiseln gefordert, die sich noch im Gazastreifen befinden. «Unser Leben kann ohne sie nicht weitergehen», sagte Noa Argamani, deren Partner Avinatan Or noch festgehalten wird, am Dienstag. Sie äusserte sich als erste ehemalige Hamas-Geisel im Gazastreifen vor dem UNO-Gremium in New York. Sie will erwirken, dass alle weiteren Phasen unter dem aktuellen Waffenruheabkommen stattfinden, damit die Opfer freikommen. Die erste Phase endet am Samstag, Verhandlungen über die nächste Phase haben noch nicht angefangen.

«Die Geiseln befinden sich in der Hölle», sagte Argamani. Sie beschrieb, wie es sei, sich im Stich gelassen zu fühlen, wenn andere Gefangene freigelassen würden. Argamani und drei weitere Geiseln waren im Juni von israelischen Truppen gerettet worden. Israel vermute, dass 24 von 63 Geiseln im Gazastreifen noch am Leben seien, sagte sie. «Ohne sofortige Massnahmen werden viele weitere unschuldige Menschen getötet werden, darunter mein Partner Avinatan Or. Bis Avinatan zurückkehrt, ist mein Herz in Gefangenschaft.» (DPA)

Noa Argamani wird bei der CPAC-Konferenz in Oxon Hill, Maryland, anerkannt, während Redner und Teilnehmer applaudieren.

Israelischer Oppositionschef: Ägypten sollte Gazastreifen regieren

Der israelische Oppositionschef Jair Lapid hat sich dafür ausgesprochen, dass Ägypten nach dem Ende des Gaza-Kriegs den Gazastreifen regiert und wiederaufbaut. Im Gegenzug würden Golfstaaten und die internationale Gemeinschaft Ägypten im Umgang mit dessen Wirtschaftskrise helfen, sagte Lapid am Dienstag. Dabei würden sie ausländische Schulden im Umfang von Milliarden von Dollar begleichen.

Schlägt vor, dass Ägypten im Gazastreifen für Ordnung sorgt: der israelische Oppositionsführer Yair Lapid bei einer Rede in der Knesset.

Ägypten könnte eine Friedenstruppe mit Unterstützung von Verbündeten aus der Region anführen, sagte Lapid weiter. Diese würde acht Jahre oder womöglich bis zu 15 Jahre lang den Gazastreifen als entmilitarisiertes Gebiet regieren, sagte er. «Während dieser Zeit werden die Bedingungen für eine eigene Regierung in Gaza geschaffen», sagte der Oppositionschef in einer Rede vor der Denkfabrik Foundation for Defense of Democracies mit Sitz in Washington.

Ägypten kommentierte Lapids Angaben zunächst nicht. Kairo tritt dafür ein, dass Pläne für die Nachkriegszeit im Gazastreifen mit einer künftigen Gründung eines palästinensischen Staats verbunden sind. Die Regierung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu lehnt das ab. Der Netanjahu-Kritiker Lapid hat sich in der Vergangenheit für eine Zweistaatenlösung im Nahost-Konflikt ausgesprochen. (DPA)

Mossad-Chef: Pager-Explosionen waren Wendepunkt im Krieg mit der Hisbollah

Der Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad hat einen ausgefeilten Angriff auf die Hisbollah als Wendepunkt im Krieg mit der libanesischen Schiitenmiliz beschrieben. Im September hatte Israel im Libanon und in Syrien Tausende Funkempfänger, sogenannte Pager, und Walkie-Talkies explodieren lassen, die von Mitgliedern der Hisbollah genutzt wurden.

Der Angriff habe Israel Auftrieb gegeben und der Hisbollah einen schweren Schlag versetzt, sagte Mossad-Chef David Barnea. Es sei «ein Wendepunkt des Kriegs» gewesen, sagte er, als ihm eine Auszeichnung der Tel Aviver Denkfabrik Institute for National Security Studies überreicht wurde.

Operation begann vor über einem Jahrzehnt

Die fast gleichzeitigen Detonationen ereigneten sich in zwei Wellen. Mindestens zwölf Menschen wurden getötet, darunter auch zwei kleine Kinder. Tausende weitere Menschen wurden verletzt.

Barnea sagte weiter, die ersten 500 mit Sprengsätzen ausgestatteten Pager seien wenige Wochen vor Beginn des Gaza-Kriegs am 7. Oktober 2023 im Libanon eingetroffen. Man habe jedoch abgewartet, bis mehr Geräte in Benutzung waren. Die Operation mit Walkie-Talkies, die mit Sprengsätzen bestückt waren, habe bereits vor mehr als einem Jahrzehnt begonnen, die Pager-Operation im Jahr 2022. (DPA)

Hamas wirft Israel Gefährdung der Gaza-Waffenruhe vor

Die militant-islamistische Palästinenserorganisation Hamas hat wenige Tage vor Auslaufen der ersten Phase der Waffenruhe vor einem Wiederaufflammen der Kämpfe im Gazastreifen gewarnt. Israel verletze die Übereinkunft schwerwiegend, weil es die Freilassung von etwa 600 palästinensischen Häftlingen verzögere, sagte Hamas-Vertreter Bassem Naim. Das bringe «das Abkommen in Gefahr, zusammenzubrechen, was möglicherweise zu einer Wiederaufnahme des Krieges führen könnte».

Das Waffenruheabkommen sieht den schrittweisen Austausch von Geiseln der Hamas gegen vielfache Zahl palästinensischer Häftlinge in israelischen Gefängnissen vor. Israel hat die für das Wochenende vorgesehene Freilassung von rund 600 Gefangenen angehalten, weil die Hamas ihre Geiseln vor der Freilassung in einer martialischen Inszenierung zur Schau gestellt hat.

Die erste Phase des Abkommens endet am Samstag. Die Verhandlungen über eine zweite Phase hätten schon vor Wochen beginnen sollen. Die USA streben mittlerweile an, die erste Phase der Waffenruhe zu verlängern, um Zeit für Verhandlungen über die zweite zu gewinnen. Doch Naim deutete an, die Hamas werde die Gespräche erst beginnen, wenn Israel die Häftlinge freigegeben habe. Die Hamas habe sich «voll und ganz an alle Bestimmungen des Abkommens gehalten». (DPA)

Regierungschef im Libanon: Nur staatliche Truppen sollten Waffen besitzen

Der neue libanesische Ministerpräsident Nauaf Salam hat in seiner Regierungserklärung betont, dass im Kriegsfall ausschliesslich die offiziellen Streitkräfte das Land verteidigen sollten. Der Libanon habe das Recht, sich im Falle einer Aggression zu verteidigen, und nur der Staat habe das Recht, Waffen zu besitzen, sagte Salam am Dienstag. Die Regierung ergreife bereits Massnahmen, um von Israel besetztes Land nur durch ihre Streitkräfte zu befreien.

Salam wurde vergangenen Monat nach einem verheerenden Krieg zwischen Israel und der Hisbollah, bei dem mehr als 4000 Menschen getötet wurden, mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. Die militant-islamistische Hisbollah lehnte eine Abgabe ihrer Waffen in den vergangenen Jahrzehnten stets ab und erklärte, sie seien notwendig, um den Libanon gegen Israel zu verteidigen. Zuletzt wurden jedoch die Forderungen an die Hisbollah lauter, die Waffen niederzulegen. (DPA)

Grosse Anteilnahme bei Beisetzung von getöteter Geisel in Israel

Hunderte von Israelis haben einer getöteten Geisel das letzte Geleit gegeben. Ein Fahnenzug kam nach Mittag am Kibbuz Nir Oz an, dem Ort der Beisetzung von Oded Lifschitz. Er war im Alter von 83 Jahren während des Massakers der islamistischen Hamas und anderer extremistischer Gruppierungen am 7. Oktober 2023 aus dem Ort am Rande des Gazastreifens entführt worden.

Seine sterblichen Überreste wurden vergangene Woche im Rahmen einer Waffenruhe mit der Hamas aus dem Gazastreifen nach Israel überführt. Laut einer forensischen Untersuchung wurde Lifschitz kurz nach seiner Entführung von den Kidnappern ermordet.

Am Mittwoch sollen die ebenfalls getöteten Geiseln Schiri Bibas und ihre beiden kleinen Söhne Kfir und Ariel beigesetzt werden. Videoaufnahmen der verängstigen Mutter und ihrer beiden rothaarigen Söhne, die bei der Entführung entstanden, waren um die Welt gegangen. Sie wurden zu Symbolen für das beispiellose Massaker, das den Gaza-Krieg ausgelöst hatte, in dem Zehntausende Palästinenser getötet wurden. (DPA)

WHO: US-Millionen fehlen für Evakuierung Schwerkranker aus Gaza

Durch das Einfrieren amerikanischer Hilfsgelder fehlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Gazastreifen 46 Millionen Dollar (44 Mrd Euro). Das Geld sei unter anderem vorgesehen gewesen für die Evakuierung schwer kranker Kinder oder den Wiederaufbau schwer beschädigter Spitälerr, sagte Rik Peeperkorn, WHO-Koordinator für die von Israel besetzten Gebiete.

Der WHO-Vertreter für die besetzten palästinensischen Gebiete, Richard Peeperkorn, während der Eröffnung der 77. Weltgesundheitsversammlung in Genf am 27. Mai 2024.

Er sprach per Videolink aus Gaza mit Reportern in Genf. Noch könnten die Operationen mit Geld anderer Geber finanziert werden. Die WHO hoffe aber, dass das Geld wieder freigegeben werde.

Polio-Impfkampagne läuft gut

Die neue Polio-Impfkampagne laufe gut, sagte Peeperkorn. In den vergangenen Tagen seien 92 Prozent der 591’000 Kinder unter zehn Jahren, die geimpft werden sollen, erreicht worden. Die Kampagne war nötig, weil nach zwei Impfrunden im vergangenen Herbst trotzdem noch Polioviren im Abwasser gefunden wurden. Rund 7000 Kinder hätten wegen der Kriegssituation damals nicht erreicht werden können.

Seit dem 1. Februar wurden nach Angaben von Peeperkorn 889 schwer kranke Patienten aus dem Gazastreifen gebracht, unter ihnen 335 Kinder. Es warteten aber Tausende weitere auf Hilfe, die sie dort nicht bekommen können. Er appellierte an Israel, wie vor dem Krieg wieder Verlegungen in Spitäler nach Ost-Jerusalem oder in das besetzte Westjordanland zu ermöglichen.

Neues Feldlazarett

Unterdessen hat das Palästinensische Rote Kreuz ein Feldlazarett mit 54 Betten in Gaza-Stadt eröffnet. Die ersten Patienten seien schon in den frühen Morgenstunden angekommen, teilte die Föderation der Rotkreuzgesellschaften (IFCR) in Genf mit. Dort könnten Neugeborene versorgt werden, und es verfüge über eine Intensivstation sowie zwei Operationssäle. (DPA)

Uno-Organisation: Hungersnot in Gaza vorerst abgewendet

Das Welternährungsprogramm (WFP) hat eigenen Angaben zufolge im Zuge einer Waffenruhe im Gaza-Krieg seine Nahrungsmittelhilfe verdoppelt. «Eine Hungersnot ist vorerst abgewendet, auch wenn die Lage angespannt bleibt», sagte der Deutschland-Chef der Uno-Organisation, Martin Frick.

Das WFP habe seit Beginn der Waffenruhe am 19. Januar mehr als 30’000 Tonnen Lebensmittel in den Gazastreifen geliefert, hiess es in einer Erklärung der Organisation. Der Durchschnitt in der zweiten Jahreshälfte 2024 lag demnach bei rund 12’500 Tonnen pro Monat. «Die Waffenruhe hat uns erlaubt, unsere Hilfe zu verdoppeln», so Frick.

Menschen in einem zerstörten Quartier von Gaza-Stadt: Das Welternährungsprogramm hat eigenen Angaben zufolge seine Nahrungsmittelhilfe verdoppelt.

Die Organisation hat demnach seit Inkrafttreten der Waffenruhe-Vereinbarung zwischen Israel und der Hamas rund eine Million Menschen etwa mit Lebensmitteln, warmen Mahlzeiten und frischem Brot versorgt. In dem Küstenstreifen leben mehr als zwei Millionen Menschen.

Das WFP brachte eigenen Angaben zufolge auch erstmals seit 80 Tagen wieder Nahrungsmittel in den Norden des Gazastreifens. Der sei zwischen Oktober und Dezember 2024 von der Versorgung abgeschnitten gewesen. Hilfsorganisationen hatten während des Kriegs eindringlich vor einer Hungersnot besonders im Norden des Küstengebiets gewarnt. (DPA)

Hamas pocht auf Freilassung von palästinensischen Häftlingen

Die Fortsetzung der Gespräche über die Waffenruhe-Vereinbarung im Gaza-Krieg hängt aus Sicht der islamistischen Hamas von der Freilassung palästinensischer Häftlinge durch Israel ab. «Die Vermittler müssen sicherstellen, dass der Feind die Bedingungen der Vereinbarung einhält», erklärte Basim Naim, Mitglied des Politbüros der Hamas.

Israel hatte in der Nacht zu Sonntag mitgeteilt, die im Waffenruhe-Abkommen vorgesehene Entlassung palästinensischer Häftlinge werde ausgesetzt. Erst müsse die islamistische Terrororganisation versichern, mit den demütigenden Zeremonien bei der Freilassung der israelischen Geiseln aufzuhören, hiess es zur Begründung. Betroffen sind 602 palästinensische Häftlinge. Sie hätten am Samstag im Austausch für sechs israelische Geiseln freikommen sollen. (DPA)

Hamas erwägt Aussetzung der Gespräche mit Israel

Nach dem Stopp der Freilassung palästinensischer Häftlinge durch Israel erwägt die Hamas offenbar die Aussetzung der indirekten Gespräche mit Israel. Die Verhandlungen über Vermittler könnten nicht weitergehen, solange Israel die 602 palästinensischen Häftlinge nicht im Austausch für die am Samstag von der Hamas übergebenen sechs israelischen Geiseln freilasse, schrieb Hamas-Funktionär Mahmud Mardawi auf Telegram. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Hamas-Kreisen erfuhr, wurde aber noch keine Entscheidung getroffen. Man spreche sich mit den Vermittlern ab, hiess es.

Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu hatte in der Nacht zu Sonntag mitgeteilt, die im Waffenruhe-Abkommen vorgesehene Entlassung palästinensischer Häftlinge werde ausgesetzt. Erst müsse die islamistische Terrororganisation versichern, mit den demütigenden Zeremonien bei der Freilassung der israelischen Geiseln aufzuhören, hiess es zur Begründung.

Die Entscheidung könne zum Rückzug Israels aus dem Waffenruhe-Abkommen führen, schrieb die Zeitung «Times of Israel». Noch befinden sich nach israelischen Angaben 63 Geiseln in der Gewalt von Islamisten im Gazastreifen, von denen jedoch nur noch 27 am Leben sein sollen.

Der US-Sondergesandte für den Nahen Osten, Steve Witkoff, kündigte unterdessen an, er werde voraussichtlich am Mittwoch in den Nahen Osten reisen. Er habe Termine in Israel, Ägypten, Katar, den Vereinigten Arabischen Emirate und in Saudi-Arabien. Er arbeite daran, eine Verlängerung der ersten Phase der Waffenruhe im Gazastreifen und die nächste Runde der Gespräche zwischen Israel und der Hamas auszuhandeln, sagte er dem US-Sender CNN.

Netanyahu: Hamas wird Gaza nicht beherrschen

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bekräftigt seine Entschlossenheit, die islamistische Hamas im Gazastreifen vollständig zu zerschlagen. «Die Hamas wird den Gazastreifen nicht beherrschen. Der Gazastreifen wird entmilitarisiert, und die Kampftruppen werden aufgelöst», sagte er der Zeitung «Times of Israel» zufolge bei einer Feier für Militäroffiziere. Der Sieg über die Hamas könne in Verhandlungen erzielt werden, sagte Netanyahu und fügte hinzu: «Er kann auch auf andere Weise erreicht werden.» Israel sei «jederzeit bereit, zu intensiven Kampfhandlungen zurückzukehren. Die Einsatzpläne sind fertig», sagte er.

Israels Armee kündigte an, die «operative Einsatzbereitschaft in der Umgebung des Gazastreifens zu erhöhen». Der US-Sondergesandte für den Nahen Osten, Steve Witkoff, kündigte unterdessen an, voraussichtlich am Mittwoch in den Nahen Osten zu reisen. Er arbeite daran, eine Verlängerung der ersten Phase der Waffenruhe in Gaza und die nächste Runde der indirekten Gespräche zwischen Israel und der Hamas auszuhandeln, sagte er dem US-Sender CNN.

In einem weiteren Interview mit dem US-Sender CBS sagte Witkoff, er rechne damit, dass es zur zweiten Phase des Waffenruhe-Abkommens kommen werde. Diese nächste Phase soll zu einem endgültigen Ende des Krieges sowie zur Freilassung der noch verbliebenen Geiseln führen. Die Hamas aber müsse gehen, sagte Witkoff. Auf die Frage, ob die Hamas den Gazastreifen physisch verlassen müsse, sagte er: «Physisch.» Und auf die Frage, wer die Hamas denn aufnehmen würde, antwortete der US-Sondergesandte: «Der Teufel steckt im Detail». Man habe «einige Ideen, und das wird Teil der Verhandlungen sein.» (DPA)

Witkoff über Trumps Gaza-Pläne: «Teufel steckt im Detail»

Der US-Sondergesandte für den Nahen Osten, Steve Witkoff, lässt die Rückkehr der Palästinenser in den Gazastreifen im Zusammenhang mit den Umsiedlungsplänen von US-Präsident Donald Trump offen. Der Teufel stecke im Detail, sagte Witkoff im US-Fernsehen auf eine entsprechende Nachfrage. «Ich bin mir nicht sicher, ob irgendjemand ein Problem mit der Rückkehr von Menschen hat.» Er betonte erneut, dass der Wiederaufbau des zerstörten Küstenstreifens mehr als 15 Jahre dauern werde. Bisherige Annahmen von etwa fünf Jahren seien fehlgeleitet.

Der Wiederaufbau des Gazastreifens könnte nach jüngsten UNO-Schätzungen rund 53 Milliarden US-Dollar kosten, davon 20 Milliarden Dollar allein in den ersten drei Jahren. Trump hatte vorgeschlagen, die rund zwei Millionen palästinensischen Bewohner und Bewohnerinnen des Küstenstreifens in arabische Staaten umzusiedeln. Das stiess international auf heftige Kritik. Eine Zwangsumsiedlung würde gegen das Völkerrecht verstossen. Trump hatte den Palästinensern auch das Recht auf eine Rückkehr in den Gazastreifen abgesprochen.

Witkoff kündigte an, in den kommenden Tagen in den Nahen Osten zu reisen. Er werde wahrscheinlich am Mittwochabend abreisen, sagte er. Er habe Termine in Israel, Ägypten, Katar, den Vereinigten Arabischen Emirate und in Saudiarabien. (DPA)

Israel provoziert bei Nasrallah-Beisetzung mit Kampfjet­überflug

Die israelische Armee hat am Tag der offiziellen Beisetzung von Hizbollah-Chef Hassan Nasrallah Videos des tödlichen Bombenangriffs auf seinen Bunker veröffentlicht. Bei dem massiven Luftangriff in einem Vorort der libanesischen Hauptstadt Beirut waren am 27. September auch weitere Führungsmitglieder der vom Iran unterstützten Schiiten-Miliz getötet worden.

Tausende Trauernde begleiten den Trauerzug mit den Särgen der getöteten Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah und Hashem Safieddine in Beirut am 23. Februar 2025.

Auch während der Trauerfeier waren dpa-Reporterinnen zufolge tieffliegende israelische Kampfjets und Drohnen zu sehen und zu hören. Die Menge im Stadion in Beirut forderte den «Tod Israels». Israels Verteidigungsminister Israel Katz teilte mit, die Kampfflugzeuge über Beirut sollten eine klare Botschaft übermitteln. «Ihr werdet euch auf Beerdigungen spezialisieren – und wir auf Siege.»

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Vor, während und nach der Zeremonie, an der rund 50.000 Menschen teilnahmen, griffen israelische Kampfjets auch wieder trotz der Waffenruhe Ziele im Libanon an. Militärposten mit Raketenabschussrampen und Waffen hätten eine unmittelbare Bedrohung dargestellt, hiess es zur Begründung.

Israel und die Hizbollah hatten sich mehr als ein Jahr gegenseitig massiv beschossen, bevor Ende November eine seither weitgehend eingehaltene Waffenruhe vereinbart wurde. (DPA)

Angehörige berichten von Misshandlungen der Gaza-Geiseln

Die sechs am Samstag von der islamistischen Hamas freigelassenen Israelis wurden in der Gefangenschaft nach Angaben ihrer Angehörigen gequält und misshandelt. Vier der Freigelassenen – Tal Schoham, Omer Schem-Tov, Omer Wenkert und Elija Cohen – waren seit ihrer Entführung am 7. Oktober 2023 mehr als 500 Tage im Gazastreifen festgehalten worden. Einige von ihnen seien an Händen und Füssen gefesselt und teilweise angekettet gewesen, hätten Hunger gelitten und zum Teil allein in feuchten Tunneln in völliger Dunkelheit über Monate ausharren müssen, berichtete die Zeitung «Times of Israel» unter Berufung auf die Familien.

Die zwei weiteren Geiseln Avera Mengistu und Hischam al-Sajid litten seit langem unter psychischen Erkrankungen. Sie waren schon 2014 und 2015 auf eigene Faust in den Gazastreifen gelangt und seitdem dort festgehalten worden. Ihre Familien berichteten, dass sie nach der Freilassung kaum noch ansprechbar gewesen seien. Al-Sajid sei offenbar die meiste Zeit allein gewesen. «Er sieht aus, als wäre er zehn Jahre in einem Folterlager gewesen. Wir hätten nie gedacht, dass die Hamas so grausam sein könnte, sie haben etwas Abscheuliches getan. Er ist emotional und kognitiv zerstört», sagte sein Vater dem Sender Kan.

Wenkert und Schoham hätten berichtet, sie seien kurz vor der Freilassung mit besserer Verpflegung aufgepäppelt worden, schrieb die «Times of Israel». Dennoch habe Wenkert 30 Kilogramm Gewicht verloren. (DPA)

SDA/AFP/DPA/red