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Mehr Arbeit, weniger Studium
Die Generation Z ist faul? Von wegen!

Frau mit langem Haar, trägt eine bunte Bluse mit geometrischen Mustern, steht vor einem blauen Garagentor.
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In Kürze:
  • Studierende investieren immer mehr Zeit in die Erwerbstätigkeit.
  • Der Trend zeigt sich seit 2005, hat sich in den letzten vier Jahren aber noch verstärkt.
  • Hier erzählen drei Studierende, wieso sie neben dem Studium arbeiten.

Neue Daten des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen, dass Studierende weniger Zeit für ihr Studium aufwenden und dafür mehr für Erwerbstätigkeiten, also sogenannte Studentenjobs.

Insgesamt investierten Studierende im vergangenen Jahr durchschnittlich etwas mehr als 51 Stunden pro Woche in ihr Studium sowie in andere Arbeitstätigkeiten, was im Vergleich zum Jahr 2020 einem Rückgang von genau 54 Minuten entspricht. Ihrer akademischen Ausbildung haben die Studierenden dabei wöchentlich rund zwei Stunden weniger Zeit gewidmet als vier Jahre zuvor. Dafür haben sie wöchentlich 42 Minuten mehr Zeit für Nebenjobs verwendet.

Auf Anfrage teilt das Bundesamt für Statistik mit, die Vergleichswerte aus dem Jahr 2020 würden sich auf eine typische Woche vor der Verhängung des Lockdown Mitte März beziehen.

Höhere Pensen in Nebenjobs

Laut BFS übten 2024 rund drei Viertel der Studierenden neben dem Studium eine Erwerbstätigkeit aus, die meisten von ihnen mit einem Beschäftigungsgrad von höchstens 40 Prozent. Der Anteil jener, die mehr als 40 Prozent arbeiten, ist aber ebenfalls gestiegen, je nach Hochschule zwischen 3 und 7 Prozent. Die Tendenz, dem Geldverdienen mehr und dem Studium weniger Zeit zu widmen, ist bereits seit 2005 festzustellen. Sie hat sich in den letzten vier Jahren jedoch deutlich verstärkt.

Das ist auch dem Verband der Studierenden der Universität Zürich (VSUZH) aufgefallen. Auf Anfrage schreibt dessen Vorstand: «Der VSUZH beobachtet, dass Studierende zunehmend gezwungen sind, neben dem Studium mehr zu arbeiten.» Als Gründe vermutet der Vorstand vor allem die Lebenshaltungskosten, die in den letzten Jahren spürbar gestiegen seien.

Und was sagen die Studierenden selbst?

Andri Cavegn (23) studiert Industrial Design und arbeitet als Velokurier

Person in schwarzer Jacke und Mütze steht auf einer städtischen Strasse mit geparktem Elektroroller im Hintergrund.

«Ich studiere Industrial Design an der Zürcher Hochschule der Künste und wohne in einer WG. Meine Eltern unterstützen mich finanziell nicht. Das erwarte ich aber auch nicht. Ich finde das easy.

Um mein Leben zu finanzieren, arbeite ich nebenbei als Velokurier, etwa 30 Prozent. So verdiene ich circa 1000 Franken im Monat. Zusammen mit den 300 Franken Kinderzulagen reicht das knapp. Ich habe ein günstiges Zimmer und verzichte auf das ÖV-Fahren, um Kosten zu sparen.

Ich muss sagen, ich arbeite sehr gerne. Es ist eine gute Abwechslung zum Studium. So mache ich am Abend noch ein bisschen Sport. Kurz vor Abgaben merke ich die Doppelbelastung aber schon. Anstatt abends noch fürs Studium zu arbeiten, muss ich dann Velo fahren.»

Sofie David (23) studiert Journalismus und arbeitet nebenbei für ein Online-Stadtmagazin

Frau mit langem Haar in rotem gestreiften Pullover steht mit einem Fahrrad vor einer Fahrradstation bei Sonnenuntergang.

«Der Medienbranche geht es nicht gut – und ich bin auf dem Weg, Journalistin zu werden. Deshalb hatte ich Zukunftsängste. Ich hatte das Gefühl, nicht weiterzukommen. Ich wollte nicht mehr im Studium rumdümpeln und nebenbei in der Gastronomie arbeiten.

Also entschied ich mich nach dem ersten Studienjahr Journalismus an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften dazu, Teilzeit weiterzustudieren. Nebenbei wollte ich einen Job finden, in dem ich das Gelernte direkt umsetzen kann.

Es ging aber eine Weile, bis ich so einen Job fand. Schliesslich arbeitete ich dann 60 Prozent bei einem Online-Stadtmagazin und verdiente so rund 2500 Franken im Monat. Daneben unterstützten mich meine Eltern. Momentan mache ich am selben Arbeitsort ein Praktikum. Das ist in meinem Studiengang obligatorisch.

Ich glaube, dass ich durch diesen Nebenjob mehr von meinem Studium profitiere. Gleichzeitig knüpfe ich so auch schon Kontakte in der Medienbranche. Und nicht zuletzt bietet mir dieses Modell mehr Flexibilität. Nur studieren ist nichts für mich.»

Françoise Rouilly (25) studiert Französisch und Geschichte und arbeitet als Lehrerin

Lächelnde Frau mit langen, welligen blonden Haaren sitzt vor einem Fenster, das warmes Licht abstrahlt.

«Ich habe gerade meinen Master in Französisch und Geschichte an der Universität Zürich abgeschlossen. Jetzt absolviere ich noch das Lehrdiplom, um am Gymnasium unterrichten zu können.

Nach der Matura habe ich direkt mit dem Studium begonnen und seit da nebenbei immer etwa 20 Prozent in Nebenjobs gearbeitet. Aus finanziellen Gründen hätte ich das nicht gemusst, meine Eltern haben mich unterstützt. Aber die Arbeit war ein guter Ausgleich. Nur studieren reichte mir nicht. Denn an der Uni arbeitet man oft für sich allein. Im Job bekommt man mehr Bestätigung.

Zuerst hatte ich einen Job in der Gastronomie, dann in einem Büro. In den letzten zwei Jahren des Studiums hat sich dann die Möglichkeit ergeben, schon an Schulen zu unterrichten. Das war super, weil ich so schon früh Erfahrungen sammeln konnte – und auch um herauszufinden, ob ich wirklich Lehrerin werden will. Weil mir das Unterrichten so Spass gemacht hat, habe ich das Nebenjob-Pensum erhöht.»