Riesenslalom in Sun ValleyMeillard siegt überlegen – und Odermatt beginnt auf einmal zu weinen
Loïc Meillard deklassiert die Konkurrenz am Weltcupfinal und feiert seinen siebten Sieg. Marco Odermatt äussert erst Kritik, wird dann Zweiter – und reagiert sehr emotional.

Eigentlich ist es ja zum Haareraufen für Loïc Meillard, an und für sich müsste er nun richtig hadern. Warum? Weil schon am Donnerstag alles vorbei sein wird.
Seit ein paar Wochen fährt Meillard besser denn je, ist Slalom-Weltmeister geworden und hat die letzten drei Technik-Rennen gewonnen. In Sun Valley triumphiert er im Riesenslalom in eindrücklicher Manier, er fährt gar in einer eigenen Liga. 95 Hundertstel nimmt er Teamkollege Marco Odermatt ab, der langjährigen Nummer 1 in dieser Sparte; der Norweger Henrik Kristoffersen liegt als Dritter schon 1,14 Sekunden zurück. Es ist der siebte Weltcupsieg für den 28-Jährigen, der nun tut, was er gemessen an seinen Qualitäten schon seit Jahren tun müsste: Er dominiert die Konkurrenz. Umso ärgerlicher ist es für ihn, dass die Saison zu Ende geht, gerade jetzt, wo er gehörig Fahrt aufgenommen hat. Wobei er noch Chancen besitzt, zum Abschluss die Disziplinenwertung im Slalom zu gewinnen. Sein Rückstand auf Kristoffersen beträgt 47 Punkte.
In einem schwierigen Rennen, das für reichlich Diskussionen und Kritik sorgt, spielt Meillard seine technischen Fähigkeiten aus. Bei über zehn Grad muss die Strecke gesalzt werden, zwei volle Lastwagen sind zu den Finalrennen hergebracht worden. Zudem ist vor allem im ersten Lauf die Kurssetzung äusserst gewöhnungsbedürftig. Die Torabstände sind gering, es dreht sehr stark, weshalb es an Tempo mangelt. Diverse Fahrer verwerfen die Hände und winken ab. Thomas Tumler (13.) etwa spricht gegenüber dem Schweizer Fernsehen von «schlechter Werbung für den Sport». Odermatt geht noch einen Schritt weiter und resümiert: «Mit solchen Läufen machen wir unseren Sport kaputt. Es ging so langsam um die Ecken, es hat ausgesehen, als ob wir nicht gut Ski fahren würden. Dabei sollten wir Spektakel bieten. Es müsste viel flüssiger gesteckt sein.»
Odermatts emotionales Interview
Nun ja, ein paar Stunden später ist Odermatts Laune weitaus besser. Mit der Riesenslalom-Kugel in der Hand kommt er mit einem Strahlen zu den SRF-Reportern, der abgefallene Druck ist ihm bald anzumerken. Während des Interviews reagiert er überaus emotional, muss dieses gar kurz unterbrechen, weil er zu weinen beginnt. «Es war eine unglaubliche Saison, ich bin richtig leer», erzählt er mit stockender Stimme. «Woche für Woche diese Leistungen zu bringen, das braucht unglaublich viel Energie. Man gibt jeden Tag so viel für den Sport, nicht nur ich, sondern das ganze Team, die Familie – alle hätten eine Kugel verdient.»
In der Reprise verbessert er sich vom sechsten auf den zweiten Rang, mit Laufbestzeit ist es ein würdiger Saisonabschluss. Was zu seinem optischen Auftritt passt: Das Finalrennen bestreitet Odermatt mit einem goldenen Spezialhelm, dieser besteht teilweise tatsächlich aus Blattgold. Das Schmuckstück ist ein Geschenk von Hauptsponsor Red Bull. So formidabel dieser Winter für ihn wieder gewesen ist mit dem Sieg im Gesamtweltcup und den Triumphen in der Abfahrts-, der Super-G- und der Riesenslalomwertung, so faszinierend ist der Blick aufs grosse Ganze: 174 Rennen ist der Nidwaldner mittlerweile gefahren im Weltcup, 88 davon hat er auf dem Podest beendet. Odermatt ist also der «Mister 50 Prozent». Tendenz steigend.
Loïc Meillard wiederum könnte in der kommenden Saison ein mehr als nur ernsthafter Gegner werden, auch im Kampf um die grosse Kristallkugel. «Ich kann derzeit fahren, wie ich es möchte, habe grosses Vertrauen, das hilft», bilanziert der Romand. Wenngleich er noch immer von Rückenbeschwerden geplagt wird, sieht es bei ihm dieser Tage aus, als wäre Skifahren das Leichteste der Welt.
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Der Ticker zum Nachlesen
Bei Odermatt fliessen die Tränen
Der Gesamtweltcup- und auch Riesenslalom-Disziplinensieger steht beim Interview und ihm kommen die Tränen. «Man gibt so viel für diesen Sport, jeden Tag», sagt Odermatt und muss kurz unterbrechen. Es sind Tränen des Glücks, aber wohl auch Tränen der Erschöpfung nach seinem 25. und letzten Rennen der Saison, die nun zu Ende ist. Eine solche Saison brauche «unglaublich viel Energie», sagt Odermatt, der sich gerade etwas leer fühlt.
Der nächste Doppelsieg!
Wow, was für eine eindrückliche Leistung von Loïc Meillard und Marco Odermatt. Doch vor allem Ersterer fährt im amerikanischen Sun Valley viel schneller als alle anderen. 0,95 Sekunden und mehr büssen die Konkurrenten auf den Sieger ein, der zum Ende der Saison so richtig in Hochform aufläuft. Odermatt krönt seine nächste grossartige Saison mit einem weiteren Podestplatz und der Norweger Henrik Kristoffersen wird Dritter.
1 – Loic Meillard
Der Schweizer, der führende nach dem ersten Lauf, ist gestartet. Und Meillard zeigt wieder wunderbare Schwünge, kaum ein Wackler in seiner Fahrt, wie auf Schienen fährt dieser Mann! Das muss der Sieg sein und es ist es!
2 – Lucas Pinheiro Braathen
Der Brasilianer kommt in diesem Lauf nicht richtig auf Touren, vor allem zu Beginn verliert er sehr viel Zeit, zum Schluss kann er noch einiges an Zeit aufholen, doch es reicht nur für Zwischenrang drei. Es kommt noch ein Fahrer.
3 – Henrik Kristoffersen
Der Norweger hat am Start 0,33 Sekunden Vorsprung auf Odermatt, doch dieser Vorsprung ist früh weg. Im Mittelabschnitt kann er aber wieder aufdrehen, ist sehr eng bei den Toren, bis es ihn dann aber kurz vor dem Ziel wieder ein wenig versetzt und so reicht es nur für Rang zwei. Odermatt steht damit auch heute auf dem Podest.
4 – Joan Verdu
Der Andorraner zeigt sehr früh eine starke Drehung, doch leider sind wir hier nicht beim Skiballet, sonst wäre das ein klarer Angriff aufs Podium. Doch in diesem Riesenslalom bedeutet dies leider das Out für Verdu.
5 – Stefan Brennsteiner
Der Österreicher kann in den letzten beiden Abschnitten viel Zeit auf Odermatt gutmachen, nachdem er zu Beginn viel Zeit verliert. Doch die Fehler am Anfang des Laufs verunmöglichen die zwischenzeitliche Führung, der Österreicher belegt Rang zwei.
6 – Marco Odermatt
Der letzte Lauf des grossen Dominators ist im Gange. Der Schweizer meistert diese Fahrt eindrücklich, bei den Toren, wo andere Fahrer grosse Probleme hatten, fährt er in eindrücklicher Manier vorbei. Erst baut er seinen Vorsprung aus, büsst dann etwas Zeit ein, doch er kommt mit Laufbestzeit ins Ziel. Das ist ein Angriff auf das Podest!
7 – Luca de Aliprandini
Der Italiener war im ersten Lauf gleich schnell wie Zubcic. Im Zweiten zeigt der Italiener mit seinem wilden Stil eine für ihn typisch unkonventionelle Fahrt, doch verliert kontinuierlich Zeit. Im Ziel sind es dann 16 Hundertstelsekunden auf Schwarz und damit nur der vierte Zwischenrang.
7 – Filip Zubcic
Der Kroate hat nun beinahe eine Sekunde Vorsprung auf den aktuell führenden Schwarz. Doch der Balken auf der rechten Seite des Bildschirm leuchtet früh ganz dunkelrot. Das soll heissen: Zubcic ist nicht gerade schnell. Und kurz vor dem Ziel folgt dann noch ein gröberer Fehler, im Ziel sind es dann beinahe eine Sekunde Rückstand.
9 – Thomas Tumler
So, nun geht es um die Podesränge. Der Schweizer hat etwas mehr als sechs Zehntelsekunden Rückstand auf Rang drei. Doch schon früh kommt Tumler von der Strecke ab, sein ganzer Vorsprung ist damit weg. Er versucht sich zurückzukämpfen, doch hängt an einem Tor an und verliert viel Zeit. Im Ziel ist es Zwischenrang sieben.
10 – Anton Grammel
Der einzige Deutsche in diesem Rennen hat ebenfalls Probleme kurz vor dem Doppeltor, wo so einige Athleten ihre Probleme hatten. Die Rillen im Schnee sind nun gut sichtbar, Grammel kann diesen Spuren nicht ganz folgen. Bei ihm zeigt es im Ziel den vierten Rang an.
11 – Patrick Feuerstein
Sein Cousin Lukas wurde am vergangenen Wochenende zum Siegfahrer, für Patrick Feuerstein scheint dies heute nicht ganz möglich zu sein. Schon früh verliert er seinen ganzen Vorsprung aus dem ersten Lauf und klassiert sich zum Schluss hinter den besten auf Zwischenrang 6.
12 – Zan Kranjec
Beim Doppeltor verliert der Slowene sehr viel Zeit, scheint beinahe mit den Stöcken angeben zu müssen, doch er kämpft sich etwas zurück in diesem Lauf und verliert zum Schluss nur 0,08 Sekunden auf Schwarz.
13 – Timon Haugan
Kopf an Kopf ist der Norweger mit dem führenden Schwarz. Zum Schluss versetzt es ihn ein klein wenig und so gelingt es ihm nicht die Führung zu übernehmen.
14 – Marco Schwarz
Der Österreicher kam in seiner Comebacksaison noch nicht ganz in Fahrt. Und auch heute scheint es im zweiten Lauf zuerst nicht ganz nach Wunsch zu funktionieren. Im ersten Abschnitt verliert er viel Zeit, doch dann kann er aufdrehen, ist zum Schluss sehr, sehr schnell und übernimmt damit die Führung.
15 – Sam Maes
Der Belgier stösst zur Truppe, die in diesem zweiten Lauf sehr schnell ausscheidet. Auch bei ihm ist nach wenigen Toren Schluss, er gerät von der Ideallinie ab und ist dann beim nächsten Tor zu spät und verpasst dieses.
16 – Leo Anguenot
Auf einen sehr befreienden Start folgt ein Fehler, der dem Franzosen zwar etwas Zeit kostet, doch ihn alles andere als aus dem Rhythmus bringt. Er fährt sehr engagiert, trifft die Linie beinahe ideal und kommt mit über sieben Zehntelsekunden Vorsprung ins Ziel.
17 – Raphael Haaser
Der Weltmeister rutscht ganz früh weg und fährt kurz darauf ein Tor um. Das Rennen ist für den Österreicher schneller vorbei, als ihm lieb sein mag.
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