Ihr Browser ist veraltet. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser auf die neueste Version, oder wechseln Sie auf einen anderen Browser wie ChromeSafariFirefox oder Edge um Sicherheitslücken zu vermeiden und eine bestmögliche Performance zu gewährleisten.

Zum Hauptinhalt springen

Experten zur Corona-Situation
Ackermann: «Wir haben keine Hinweise, dass die Massnahmen ausreichen»

Hier wird Inhalt angezeigt, der zusätzliche Cookies setzt.

An dieser Stelle finden Sie einen ergänzenden externen Inhalt. Falls Sie damit einverstanden sind, dass Cookies von externen Anbietern gesetzt und dadurch personenbezogene Daten an externe Anbieter übermittelt werden, können Sie alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Das BAG meldete am Freitag 9409 Neuansteckungen; 231 Personen mussten hospitalisiert werden. Zudem verzeichnete der Bund 70 neue Todesfälle.

  • Diverse Kantone haben ihre Massnahmen gegen das Virus verschärft.

  • Der Berner Regierungsrat fordert, dass der Bund erneut die ausserordentliche Lage ausruft.

  • Der Bundesrat hat am 28. Oktober neue Massnahmen beschlossen.

Zusammenfassung

Trotz einer Wachstums-Verlangsamung der neuen Covid-Infektion fordert der Expertenausschuss schärfere Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie. «Die Task Force hat keine wissenschaftlichen Hinweise, dass die Massnahmen ausreichen», sagte ihr Leiter, Martin Ackermann.

Die Schweiz befinde sich in einer riskanten Situation, weil unklar sei, ob die Reproduktionszahl unter eins sinke und eine infektiöse Person damit weniger als eine weitere Person anstecke. «Gelingt uns das nicht, würden in der Schweiz mehr Menschen in Kürze keine ausreichende medizinische Versorgung mehr erhalten», sagte Ackermann weiter. Er brachte die Schliessung von Bars, Restaurants und einem Teil der Geschäfte ins Spiel.

Frage: Was ist die Prognose der Task Force?

«Wenn der Anstieg so weitergeht, sind wir am 10. November an der Kapazitätsgrenze», sagt Martin Ackermann.

Mit dieser Frage ist die Medienkonferenz auch gleich beendet.

Frage: Gibt es die Gefahr einer möglichen Übertragung eines mutierten Virus durch Nerze?

«Wir kennen die Situation in Dänemark und beobachten sie», antwortet Stefan Kuster. Das Virus mutiere ständig. «Es ist noch zu früh, da Schlüsse ziehen zu können.»

Lesen Sie mehr zum Thema: Virusmutationen in dänischen Nerzen

Ein Mann hält einen Nerz in den Händen

Farge: Will die Westschweiz einen neuen Lockdown?

«Die Verantwortung liegt bei in den Kantonen», wiederholt Anne Lévy. «Der Unterschied zwischen den Situationen in den Kantonen bleibt hoch.»

«Das Massnahmenset der besonderen Lage ist noch nicht ausgeschöpft. Auch der Bundesrat dürfte in diesem Rahmen zum Beispiel Restaurants schliessen», ergänzt Michael Gerber, stellvertretender Leiter des Rechtsdienst des BAG. Bei der ersten Welle habe es noch kein Covid-Gesetz gegeben. «Es braucht deshalb keine aussergewöhnlich Lage mehr.»

Farge: Welchen Nutzen hatte die Reisequarantäne?

Gemäss einer SRF-Journalistin hat sich weniger als ein Prozent der Personen in Reisequarantäne tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert. Lévy vom BAG möchte diese Zahl jedoch nicht bestätigen. «Es ist immer eine Abwägung zwischen absoluter und relativer Wirksamkeit. Das BAG geht nach wie vor davon aus, dass die Reisequarantäne effektiv ist.»

Lesen Sie mehr zum Thema: Nutzlose Corona-Massnahme

Gepäckband am Flughafen

Frage: Wäre ein zweiter Lockdown für die Wirtschaft förderlich?

«Auf drei Ökonomen kommen vier Meinungen», sagt Oliver Schärli. «Es ist schwierig abzuwägen, welche Massnahmen mehr Nutzen als Kosten haben. Momentan gibt es da kein Richtig und kein Falsch.»

Frage: Wieso haben sich die Kantone beim Contact Tracing so verschätzt?

«Wir müssen uns in den Juni zurückversetzen. Da hatten wir wenige Fälle», verteidigt Thomas Steffen die Strategie des Bundes. «Hätte uns jemand gesagt, dass wir bald wieder 300 Fälle täglich haben, hätten wir wohl mit einem nächsten Lockdown gerechnet.» Weil dieser aber bis jetzt ausgeblieben ist, sei das Contact Tracing am Anschlag.

Frage: Was bedeutet es, wenn man mehr Anstrengungen unternehmen muss?

«Unsere Sichtweise ist die, dass wir nicht wissen, ob die Massnahmen ausreichen», erklärt Martin Ackermann. «Zuzuwarten ist aus unserer Sicht zu riskant. Man muss die Corona-Massnahmen als Gesamtes intensivieren.»

Frage: Was passiert, wenn das Personal auf den Intensivstationen an den Anschlag kommt?

Gemäss Thomas Steffen gibt es in den Spitälern sogenannte «Operationsstrassen». Diese habe man von 20 auf 16 gesenkt. «Dadurch steht mehr Personal zur Verfügung.» Zudem würden die Spitäler mit dem Anästhesie-Personal jonglieren. «Darum haben wir ziemlich viel Spielraum.»

Frage: Wie viele Schnelltests wurden bisher durchgeführt?

Stefan Kuster kann keine detaillierte Antwort zur Anzahl der durchgeführten Schnelltests geben. «Wir evaluieren, ob wir das zukünftig ausweisen werden», so Kuster.

Frage: Wann startet der erste Einsatz der Armee?

Ab Montag steht eine Kompanie in Genf im Einsatz, sagt Yvon Langel, Divisionär der Schweizer Armee. Der Einsatz sei vom Chef der Armee vor 45 Minuten bestätigt worden. «Das wird ein massgeschneiderter Einsatz sein.»

Frage: Vernachlässigt der Bund die psychologische Belastung der Menschen?

Gemäss Anne Lévy liegt ein Hauptfokus des Bundes auf der psychischen Gesundheit der Bevölkerung. «Wir beobachten die Lage genau. Momentan sehen aber wir keinen Anstieg an Einweisungen in psychiatrische Kliniken

Der Schlüssel liege auch im Verhalten der Bevölkerung, sagt Lévy. «Wenn wir die Pandemie im Griff haben, geht es uns automatisch besser.»

Frage: Müssen Restaurants bald schweizweit schliessen?

«Wir beobachten die Situation stündlich», sagt Anne Lévy. «Es liegt nach wie vor an den Kantonen, Massnahmen zu treffen.» Ausschliessen möchte die Direktorin des BAG jedoch nicht, dass auch der Bundesrat weitere Massnahmen treffen könnte.

Frage: Muss wieder der Bund übernehmen?

Der Berner Regierungsrat Christoph Ammann fordert heute in einem Interview, dass der Bund wieder die ausserordentliche Lage ausruft. Martin Ackermann möchte sich dazu jedoch nicht äussern. «Wir müssen unsere Anstrengungen erhöhen. Wie das umgesetzt wird, ist Sache der Politik», sagt der Chef der Covid-Taskforce.

Lesen Sie mehr zum Thema: Regierungsrat schlägt Alarm

Der Berner Wirtschaftsdirektor Christoph Ammann im Portrait

Frage: Hat der Bund die Lage im Griff oder nicht?

Nun können die anwesenden Journalisten den Experten und Amtschefs Fragen stellen. «Wir haben momentan keine Hinweise, dass wir die Trendwende erreicht haben», antwortet Martin Ackermann auf die erste Frage.

«Wir befinden uns in einer Phase der Unsicherheit», ergänzt Stefan Kuster. «Wir wissen nicht sicher, dass die verschärften Corona-Massnahmen des Bundesrats wirken.» Das Gegenteil sei aber auch nicht der Fall.

«Momentan fliessen 20 Millionen Franken täglich in die Kurzarbeit»

Als letzter Sprecher übernimmt Oliver Schärli, Leiter des Bereichs Arbeitsmarkt/Arbeitslosenversicherung des SECO das Wort. «Die Arbeitslosenversicherung versucht die wirtschaftlichen Folgen der Krise abzufedern», erklärt Schärli. «8,3 Milliarden Franken sind bereits in die Kurzarbeit geflossen, momentan sind es 20 Millionen Franken täglich.»

Laut Schärli gibt es aktuell 50'000 Menschen, die auf Stellensuche sind.

«Das System funktioniert gut»

Laut Steffen hat die Schweiz in Bezug auf die begrenze Anzahl der Betten auf den Intensivstationen gut reagiert. Es sei aber systemkritisch, eine Überlastung wäre extrem gefährlich. «Das System funktioniert aber gut», sagt Steffen.

Auch der Basler Kantonsarzt appelliert zum Schluss an die Bevölkerung, die Massnahmen einzuhalten.

Lesen Sie mehr zum Thema: Überlastete Spitäler

Natalie Rickli redet mit Alain Berset

«Es gibt asymptomatische Fälle, die gehen durch alle Lücken.»

Gemäss Thomas Steffen sind Kontakte im Privaten und in der Freizeit Orte, wo sich Personen schnell anstecken. «Der Klassiker: Bei der Arbeit gibt man sich Mühe – aber in der Mittagspause wirft man alle Vorsichtsmassnahmen über Bord», sagt Steffen. «Das ist schade.»

Steffen fordert besseres Contact Tracing. In Anbetracht der Schnelltests ist Steffen zuversichtlich. «Sie haben ein grosses Potential noch vor sich», sagt er.

Vor allem bei asymptomatischen Fällen würden diese Schnelltests viel erreichen. «Es gibt asymptomatische Fälle, die gehen durch alle Lücken.» Steffen erwähnt als Beispiel einen jungen Mann, der keine Symptome aufgewiesen hat, aber ein positives Testergebnis erhielt. «Wir dachen zunächst, dass das Ergebnis eher nicht stimmt», erklärt er. «Bei einer Nachuntersuchung war die Viruslast bei dem betroffenen Mann aber so hoch, wie wir es in den letzten Monaten nie gesehen haben.»

«Die erste Welle war eine Bergwanderung, jetzt sind wir mitten im Dschungel»

Nun spricht Thomas Steffen, Kantonsarzt Basel-Stadt, Vorstandsmitglied der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte. «Wir sind mitten in der zweiten Welle, da ist es schwierig die Steuerung aufrechterhalten zu können.»

Im Vergleich zur aktuellen Situation war die erste Welle laut Steffen zwar neu, aber dafür überschaubar. «Die erste Welle war eine Bergwanderung, jetzt sind wir mitten im Dschungel.»

Laut Steffen liegt es nun an der Bevölkerung, dass die Corona-Massnahmen weiterhin eingehalten werden. «Wir haben eine dynamische Zunahme der Neuinfektionen. Möglicherweise bremst diese jetzt ab. Wir wissen nicht ob das genügt, wir vermuten, dass es nicht reicht», hält Steffen fest. «Wir sind am puzzlen.»

«Die Armee wird den Kanton Genf im Kampf gegen das Coronavirus unterstützen»

Aktuell befinden sich 440 Corona-Patienten auf den Intensivstationen. hinzu kommen 400 weitere Patienten mit anderen Krankheiten. «Wir sind ziemlich voll. Die Reserve auf den Intensivstationen schmilzt. Wir haben noch 25 Prozent Reserve», sagt die Direktorin des BAG, Anne Lévy.

Die Rega übernimmt die Koordination der Verlegungen von Patienten zwischen den Spitälern. Gestern kam es bereits zu neun Verlegungen zwischen verschiedenen Spitälern, informiert Lévy.

Die Direktorin des BAG informiert auch darüber, ab welchem Zeitpunkt die Armee eingefordert werden kann. Es wurde dazu eigens ein Krisenstab eingeführt, den Lévy präsidiert. «Wir wolle sicherstellen, dass die Soldaten auch wirklich eingesetzt werden.»

Die Gesuche für eine Unterstützung der Armee, seien an die Kantone zurückgewiesen worden, um die Dringlichkeit eines Einsatzes erneut zu prüfen. Lediglich Genf konnte diese Prüfung bis heute Freitag erneut an den Bund weiterleiten. «Die Armee wird den Kanton Genf im Kampf gegen das Coronavirus unterstützten.»

Lesen Sie mehr zum Thema: Zweite Corona-Mobilmachung

Drei Soldaten im Corona-Hilfseinsatz