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Meinung

Bizarre US-Ausweisungspraxis
Der Dummheit wird die Krone aufgesetzt

Schwarze Tätowierung einer Krone auf einer Schulter.
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Tattoos, das wissen wir alle, können einem ganz schön das Leben vermiesen. Bisher dachten wir dabei an den unter die Haut gebrannten Namen der einstigen grossen Liebe, die uns verlassen hat. Oder an dekorative chinesische Schriftzeichen, die nach Auskunft des Tätowierers für «Kraft» stehen – in Wahrheit aber, wie sich später herausstellt, «Mikrowelle» bedeuten. Oder ein einst lustiger Tintenfisch auf dem Bauch, der im Lauf der Jahre aufgrund der Gewichtszunahme immer mehr wie eine depressive Qualle aussieht – und einem jeden Sommer den Mut raubt, sich am Strand zu zeigen.

Doch es ist alles noch viel schlimmer. Aus der «New York Times» erfahren wir, dass in den USA neuerdings schon eine ins Fleisch gestochene Krone ausreicht, um die gesamte Existenz zu verlieren.

Ende März machte der Fall von Jerce Reyes Schlagzeilen. Die US-Einwanderungsbehörden liess den Venezolaner zurück in sein Heimatland schaffen. Grund: die Tätowierung auf seinem linken Unterarm. Die Krone sei der Beweis für die Zugehörigkeit zur venezolanischen Verbrecherbande Tren de Aragua. Blödsinn, erklärt Reyes’ Anwalt in den Medien, die Krone sei das Symbol für den Lieblingsfussballclub seines Mandanten, für Real Madrid.

Es nützte nichts. Einem zweiten lateinamerikanischen Emigranten wurde ebenfalls ein Kronen-Tattoo zum Verhängnis, wiederum interpretierten es die Einwanderungsbehörden als Zeichen einer Bandenzugehörigkeit. Dabei ist die Krone im zweiten Fall, so berichtet die «New York Times», eine Erinnerung an die verstorbene Grossmutter des Ausgewiesenen.

«Sie gehören zur Drogenmafia!»

Wo wird das enden? Reicht bald ein Blumentattoo für eine Ausschaffung («Das ist doch eindeutig Cannabis, wir kennen uns aus! Sie gehören zur Drogenmafia!»)? Oder ein Yin-Yang-Symbol («Sie sind ein getarnter Friedensaktivist! In geheimer Mission für Nordkorea unterwegs!»)? Und was, wenn das so beliebte Hirschgeweih-Tattoo den amerikanischen Landeswächter ins Auge sticht, als vermeintliches Erkennungszeichen einer kanadischen Geheimarmee, die die Annexion Nordamerikas plant?

Wer nun denkt, ich habe immer schon gewusst, man sollte sich nicht tätowieren lassen, wiegt sich wohl in falscher Sicherheit. Gerade das wird bald einmal ebenfalls verdächtigt sein: «Sie haben keine Tattoos? Ha! Wer so planvoll vorgeht, muss ganz besonders gefährlich sein!»