Miniatur des AlltagsEin Spick fürs Einkaufen
Die Corona-bedingten Einschränkungen zwingen uns bisweilen, Dinge zu tun, die wir nicht mögen. Das kann durchaus seine positiven Seiten haben.
Jeder kennt sie: kleine Dinge im Alltag, die einem derart zuwider sind, dass man sie wenn immer möglich vermeidet. Meine persönlichen Top drei sind Fensterputzen, den Boden nass aufnehmen und Einkaufslisten schreiben. Folglich werden die Fenster bei mir einmal im Jahr geputzt, um den Boden kümmere ich mich so unregelmässig, dass ich hier nicht näher darauf eingehen möchte.
Auch das Einkaufen funktionierte bisher problemlos ohne vorbereiteten Zettel. Was ich an einem Tag vergass, konnte ja am Folgetag nachgekauft werden. Theoretisch ist das noch immer möglich, doch wegen des Coronavirus beinhaltete das «Einkaufserlebnis» nun auch meine viertmeistgehasste Tätigkeit im Überfluss, nämlich das Anstehen. Nicht nur an der Kasse, bereits vor dem Laden bilden sich zu bestimmten Zeiten lange Schlangen. Entsprechend sind meine sonst täglichen Abstecher zum Detailhändler auf idealerweise ein bis zwei pro Woche zusammengeschrumpft.
Damit diese Reduktion klappen kann, ist ein Einkaufszettel jedoch unabdingbar. Corona zwingt mich quasi zur Wahl zwischen Pest und Cholera. So setze ich mich am Abend vorher hin, um aufzuschreiben, was am Folgetag in den Einkaufskorb muss. «Das ist gut für die Disziplin», sage ich mir jeweils – als ob dieser Gedanke bei mir jemals etwas bewirkt hätte. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Im Laden dann krame ich mit den frisch desinfizierten Händen in der Tasche nach dem Zettel und stelle in der Hälfte der Fälle fest, dass er aller Wahrscheinlichkeit nach auf dem Küchentisch liegen geblieben ist. Wie ich aber gemerkt habe, verhält es sich mit der «Postiliste» ähnlich wie früher in der Schule mit den Spickzetteln: erstaunlich, was allein durch das Aufschreiben alles in Erinnerung bleibt.
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