Vermittler schmierte Beamte Die heiklen Deals des Genfer Ölhändlers Gunvor in Ecuador
Das Geständnis eines Mitarbeiters könnte für die Schweizer Firma Folgen haben. Wie stark das betroffene Land unter solchen Geschäften leidet, zeigt ein neuer Bericht.
Es ist ein Geständnis, dass für Gunvor äusserst unangenehm ist – und noch Folgen haben könnte. Peter Johnson (Name geändert), Kanadier und ein ehemaliger freier Mitarbeiter des Genfer Rohstoffhändlers, hat kürzlich gegenüber der US-Justiz zugegeben, in Ecuador Amtsträger bestochen zu haben. Über 20 Millionen Dollar seien an Beamte geflossen, um mit dem staatlichen Ölkonzern Petroecuador ins Geschäft zu kommen. Dem Mann drohen nun in den USA 20 Jahre Gefängnis. «Ich weiss, dass, was ich getan habe, falsch war und illegal», sagte Johnson gegenüber der US-Justiz.
Ein Sprecher Gunvors erklärt: «Gunvor hat die Geschäftsbeziehung mit dem Vermittler aus Compliance-Gründen beendet, bevor wir über die Ermittlungen informiert wurden.» Der Rohstoffhändler verfolge einen Nulltoleranz-Ansatz. «Aus diesem Grund hat das Unternehmen auch den Einsatz von Vermittlern zur Geschäftsentwicklung gänzlich untersagt», so der Sprecher.
Was macht die Bundesanwaltschaft?
Offen ist aber, ob die Sache damit für Gunvor ausgestanden ist. Die US-Justiz ermittelt weiter, auch die ecuadorianischen Behörden nehmen die Sache unter die Lupe. Bei der Bundesanwaltschaft läuft derzeit kein Verfahren, so eine Sprecherin. Man darf gespannt sein, ob das so bleibt.
Erst vor zwei Jahren wurde Gunvor von der Bundesanwaltschaft zu einer Zahlung von rund 94 Millionen Franken verknurrt, 4 Millionen davon waren eine Busse. Damals ging es um Korruption rund um Erdölgeschäfte im Kongo und in der Elfenbeinküste.
Wie Staaten abhängig werden
Ein neuer Bericht der Nichtregierungsorganisation Public Eye zeigt nun, wie gravierend die Folgen solcher Geschäfte für die betroffenen Länder sind und wie sie sich in die Abhängigkeit einzelner Unternehmen begeben können. Ecuador – der damalige Premier Rafael Correa wurde nach seiner Amtszeit für Korruption verurteilt – musste sich dringend neue Einnahmequellen erschliessen und wandte sich ab dem Jahr 2009 China zu.
In den folgenden zehn Jahren habe das Land rund 20 Milliarden Dollar an Krediten aufgenommen. Die Rückzahlungen seien entweder durch Rohöllieferungen erfolgt, bei denen Ecuador einen Abschlag zum Weltmarktpreis hinnehmen musste, oder gegen Infrastrukturarbeiten, die von chinesischen Konzernen durchgeführt wurden, so der Bericht der NGO. Laut den Unterlagen der US-Behörden vermittelte Gunvor der staatlichen Ölgesellschaft Kredite im Umfang von 5,4 Milliarden Dollar.
Trotz seines Ölreichtums kam das Land nicht aus den Schulden. Im Gegenteil: Die Staatsverschuldung hat sich laut Daten der Weltbank zwischen 2009 und 2019 verfünffacht. Rund ein Viertel des Staatshaushalts wird für Rückzahlungen an die Gläubiger verwendet, rund 8 Prozent des Haushalts gibt der Staat für die Gesundheit aus.
Nicht nur sind dem Land aus der jahrelangen Erdölförderung massive Umweltschäden entstanden, von den Einnahmen aus den Ölvorkommen blieb kaum etwas im Land. Laut der US-Umweltorganisation Stand.earth wurden zwischen 2014 und 2020 die Einnahmen aus 87 Prozent der ecuadorianischen Ölproduktion zur Schuldentilgung verwendet.
Leichen im Keller
In Ecuador versucht man nun, den Schaden zu verringern und das für die Wirtschaft wichtige Ölgeschäft auf ein solideres Fundament zu stellen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters verlangt der staatliche Ölkonzern Petroecuador von drei wichtigen Abnehmern des Rohstoffs, dass sie belegen, nichts von den Schmiergeldzahlungen gewusst zu haben und nicht involviert gewesen zu sein. Ob das nun etwas nützt, sei dahingestellt.
In einem kürzlich publizierten Buch zum Rohstoffhandel liess sich Gunvor-Chef Torbjörn Törnqvist folgendermassen zitieren: «Es gibt viele Leichen, und viele, wahrscheinlich die meisten, werden nie an die Oberfläche kommen.» Wenn sie dann aber doch ans Tageslicht kommen, sorgen sie jedenfalls für reichlich Ärger.
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