Krieg in der UkraineZwei Schweizer Banken drohen Opfer der US-Sanktionen zu werden
Die USA verhängen drastische Massnahmen gegen die russischen Banken Sberbank und VTB. Dies trifft auch ihre Niederlassungen in Zürich, Zug und Genf.
Es dauerte nicht lange, bis die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auch auf dem Schweizer Finanzplatz spürbar wurden. Am Donnerstag kündigten die USA «beispiellose» Sanktionen gegen zwei grosse russische Banken an. Im Visier: die Sberbank und die VTB.
Der Sberbank wird ab dem 26. März der Zugang zum Dollar verwehrt. Und der VTB ihre Vermögenswerte in den USA gesperrt. Und beide Banken werden laut dem US-Finanzministerium keine Zahlungen mehr über das US-Finanzsystem tätigen können.
US-Dollar als Waffe
Beide Institute haben Schweizer Tochtergesellschaften, die in der Finanzierung des Rohstoffhandels tätig sind. Ihre Geschäfte dürften durch die US-Sanktionen stark beeinträchtigt werden. Das Finanzministerium weist darauf hin, dass alle Unternehmen betroffen sind, die zu mehr als 50 Prozent im Besitz der russischen Muttergesellschaften sind – unabhängig davon, wo auf der Welt sich diese Unternehmen befinden.
Da der Rohstoffhandel überwiegend in US-Dollar abgewickelt wird, könnte es für diese Banken nach Inkrafttreten der Sanktionen nahezu unmöglich sein, Geschäfte zu tätigen. Laut Sarah Hunt, Sanktionsanwältin bei der Kanzlei Holman Fenwick Willan in Genf, werden die US-Massnahmen «erhebliche Auswirkungen auf den Welthandel und die Finanzierung des Handels in der ganzen Welt haben». Also auch in der Schweiz, dem Zentrum der globalen Rohstoffindustrie.
VTB Capital kontert mit «Aktionsplan»
Die Zürcher Tochter der Sberbank soll laut einer telefonisch kontaktierten Mitarbeiterin rund 100 Personen beschäftigen. Die VTB wiederum hat mehrere Finanzgesellschaften in Genf, Zug und Baar. Ein Manager der VTB erklärt, dass die Genfer Präsenz nur in der Beratung der Muttergesellschaft tätig sei. Aber die VTB Capital Trading in Zug finanziere den Handel mit Rohstoffen.
In einer Erklärung gibt die VTB Capital an, sie habe einen Aktionsplan zur «Minimierung der negativen Folgen» der Sanktionen ausgearbeitet und sei entschlossen, «die Zusammenarbeit mit unseren Kunden und Partnern im Einklang mit dem Gesetz fortzusetzen». Details nannte das Unternehmen nicht.
Zum jetzigen Zeitpunkt hat die Schweiz aufgrund ihrer Neutralität beschlossen, keine direkten Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Sie wird lediglich Massnahmen anwenden, die verhindern sollen, dass die Schweiz zur Umgehung der diese Woche verhängten EU-Sanktionen gegen russische Politiker genutzt wird. Das wird jedoch nicht verhindern, dass die US-Sanktionen ihre Wirkung auf Schweizer Unternehmen entfalten, die den Dollar verwenden. Wie der US-Finanzminister John Connally schon 1971 sagte: «Der Dollar ist unsere Währung, aber er ist euer Problem.»
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