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Neue Anwendung für Wegovy und Ozempic
Abnehm­spritzen könnten auch Alkohol­abhängigen helfen

Zwei Männer in einer Bar in Seattle, USA, trinken Schnapsgläser. Einer trägt einen weissen Hut und ein blaues T-Shirt, der andere ein ärmelloses schwarzes Shirt.
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Zahlreiche Personen nutzen die bekannte Abnehmspritze Wegovy oder das Diabetesmittel Ozempic. Dabei gab es immer wieder Beobachtungen, dass manche der Anwender weniger Verlangen nach Alkohol hatten. Jetzt haben Forschende diese Beobachtungen in einer Studie mit 48 Alkoholabhängigen genauer untersucht. Das Team aus den USA liefert damit erstmals klinische Hinweise, dass Semaglutid, der Wirkstoff in Wegovy und Ozempic, Alkoholkranken helfen könnte.

Die Forschenden haben weibliche Testpersonen ausgesucht, die mehr als 7, und Männer, die mehr als 14 alkoholische Getränke pro Woche zu sich nahmen. Hinzu kamen zwei oder mehr schwere Trinkepisoden pro Woche, wo die Frauen mehr als 4, die Männer mehr als 5 alkoholische Getränke hintereinander konsumierten. Die Hälfte der Gruppe bekam einmal wöchentlich über neun Wochen lang Semaglutid gespritzt, die andere Hälfte erhielt als Kontrollgruppe ein Placebo. Weder Forschende noch Testpersonen wussten, wer den Wirkstoff und wer eine Scheinsubstanz bekommen hatte.

Ein Standardtest war, dass die Versuchspersonen jeweils 50 Minuten vor ihrem bevorzugten alkoholischen Getränk sassen, und wenn sie es nicht anrührten, dafür Geld bekamen. In einem anderen Test konnten sie innerhalb von zwei Stunden so viele alkoholische Getränke zu sich nehmen, wie sie wollten.

Nebeneffekt: Weniger Zigaretten pro Tag

Das Ergebnis: Die Semaglutid-Behandlung wirkte sich zwar nicht auf die durchschnittliche Anzahl der alkoholischen Getränke pro Tag aus und auch nicht auf die Anzahl der Trinktage. Dennoch reduzierten sich die Getränkemengen deutlich an den Tagen, an denen die Testpersonen mit Semaglutid Alkohol tranken. Zudem konnten die behandelten Personen deutlich länger dem Verlangen nach Alkohol widerstehen als diejenigen in der Kontrollgruppe.

Einen Nebeneffekt fanden die Forschenden in einer Untergruppe von Raucherinnen und Rauchern. Diejenigen, die Semaglutid erhalten hatten, verzichteten eher auf Zigaretten als rauchende Personen in der Kontrollgruppe.

Semaglutid ist ein sogenanntes GLP1-Medikament, das ein Darmhormon imitiert. Noch ist unbekannt, wie die Substanz bei einer Suchterkrankung wirkt. Fachleute vermuten, dass GLP1-Medikamente auch einen Einfluss auf den Gehirnstoffwechsel haben könnten. Eine Theorie ist, dass die Wirkstoffe die Belohnungsmechanismen unterbrechen und so das Wohlbefinden reduzieren, das Konsumenten beim Alkoholtrinken oder Zigarettenrauchen empfinden.

Die Forschergruppe empfiehlt weitere grössere Studien, und zwar auch mit Personen, die schwerer abhängig sind und grössere Alkoholmengen konsumieren. Zudem hätten sie mit den wenigen Teilnehmenden in dieser Studie keine möglichen Nebenwirkungen untersuchen können.