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Wahlbarometer 2024
SVP steuert auf neues Allzeithoch zu

Parteipraesident Marcel Dettling an der Delegiertenversammlung der SVP Schweiz in der Sporthalle Schachen in Aarau am Samstag, 12. Oktober 2024. KEYSTONE/Walter Bieri )
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In Kürze:
  • Die SVP steigert ihren Wähleranteil laut Sotomo-Wahlbarometer auf 29,9 Prozent.
  • Trotz Erfolgen in Abstimmungen verlieren links-grüne Parteien an Wähleranteilen.
  • Albert Rösti wird als einflussreichstes Bundesratsmitglied wahrgenommen.

Die SVP wächst und wächst und wächst. Das zeigen nicht nur die Resultate der kantonalen Wahlen. Dies belegt jetzt auch das aktuelle Wahlbarometer des Umfrageinstituts Sotomo. Bereits bei den letzten Nationalratswahlen von 2023 vermochte sich die Volkspartei um gut 2 Prozentpunkte zu steigern – auf einen Wähleranteil von 27,9 Prozent. Nun legt sie nochmals zwei Prozentpunkte zu und kommt auf einen Rekordwert von 29,9 Prozent.

Kann sie dieses Resultat bei den nächsten Wahlen bestätigen oder gar noch steigern, erreicht sie ein Allzeithoch. Dann bricht die SVP ihren eigenen Rekord von 2015. Damals erzielte sie 29,4 Prozent – so viel wie noch keine andere Partei seit der Einführung der Proporzwahlen 1919.

Sotomo-Chef Michael Hermann erklärt den Erfolg der Volkspartei mit der konservativen Grundstimmung, die auch anderswo in Europa feststellbar ist. «Das Pendel schlägt noch weiter nach rechts aus», so Hermann. Im Vergleich zu den Wahlen 2023 ist die SVP die einzige Partei, die zuzulegen vermag. Die FDP und die Mitte bleiben stabil, während die SP, die Grünen und insbesondere die Grünliberalen Federn lassen müssen.

Dies steht im Kontrast zu einer Reihe von Abstimmungserfolgen, welche die links-grünen Parteien feiern konnten – zuletzt etwa bei der Ablehnung des Autobahnausbaus und der Mietvorlagen. Dies widerspiegelt sich weder im Wahlbarometer noch in den kantonalen Wahlen. Interessant ist auch, dass die FDP trotz ihres verschärften Kurses bislang nicht vom Rechtstrend profitieren konnte.

SVP-Präsident Marcel Dettling führt das gute Abschneiden seiner Partei auf die «gute Arbeit» zurück, die sie leiste. Diesen Weg wolle man weitergehen – etwa in Zuwanderungsfragen. Gegenwärtig sammle er Unterschriften für die Grenzschutzinitiative. «Da stehen die Leute fürs Unterschreiben sogar an, so etwas habe ich noch nie erlebt», so Dettling.

Seinen eigenen Beitrag zum Parteierfolg hält er für bescheiden. «Bei uns ist der Präsident nicht matchentscheidend. Und ich bin ja erst seit März im Amt», sagt Dettling. Dies scheint auch die SVP-Basis so zu sehen. Sie räumt jedenfalls ihrem Präsidenten weniger positiven Einfluss ein als die Sympathisanten anderer Parteien ihrem Präsidenten oder ihrer Präsidentin. Dettling wird aber auch nicht als Negativfaktor betrachtet. Viele SVP-Wählende haben zu ihm schlicht keine Meinung.

Einen besonders grossen und positiven Einfluss räumt die FDP-Basis Thierry Burkart ein. Dahinter folgen Gerhard Pfister (Mitte) und Lisa Mazzone (Grüne). Bei den Sozialdemokraten fällt auf, dass immerhin 5 Prozent ihre Parteispitze als kontraproduktiv wahrnehmen.

Für Michael Hermann ist klar, dass bei der SVP «die Themen viel wichtiger sind als die Köpfe». Dies sei schon immer so gewesen. Und die Themenkonjunktur spielt der Partei gegenwärtig in die Hände. Als grösste Herausforderung erachten die Befragten zwar immer noch die hohen Krankenkassenprämien. Sie gehören bei 50 Prozent zu den Top-3-Sorgen. Dahinter folgen aber gleich zwei Migrationsthemen: zum einen die Zuwanderung und die Personenfreizügigkeit, zum andern die Asylpolitik. Die Sorge ums Klima ist dagegen seit zwei Jahren markant im Sinken begriffen (von 43 auf 26 Prozent).

Frauen machen sich deutlich mehr Sorgen ums Klima als Männer. Dasselbe gilt für die Krankenkassenprämien und die soziale Sicherheit. Dafür nennen die Männer vermehrt die Zuwanderung und die Personenfreizügigkeit als Herausforderung.

Insgesamt hat Sotomo zwischen dem 28. Oktober und 11. November 4467 Stimmberechtigte online befragt. Der Stichprobenfehler beträgt plus/minus 1,5 Prozentpunkte. Die Teilnehmenden wurden auch nach dem Einfluss der Bundesratsmitglieder gefragt. Und gewonnen hat Albert Rösti (SVP). Ihm räumen 64 Prozent viel Einfluss ein, nur 6 Prozent wenig. Dahinter folgen Karin Keller-Sutter (FDP) und Viola Amherd (Mitte).

Am wenigsten Einfluss traut man Elisabeth Baume-Schneider (SP) zu. Auch ihr Parteikollege Beat Jans figuriert hinten. Aus Sicht der Bevölkerung haben die Sozialdemokraten also markant an Macht im Bundesrat verloren. Alain Berset hatte vor seinem Rücktritt noch den Spitzenplatz belegt. Und der Einfluss von Simonetta Sommaruga konnte ebenfalls nicht ersetzt werden.

Der Bundesrat wird daher heute als weiter rechts wahrgenommen, obwohl sich an der Sitzzahl nichts geändert hat. Für 39 Prozent der Befragten steht die Landesregierung aktuell «zu rechts» – für so viele wie noch nie seit 2019. Auf der anderen Seite halten 32 Prozent den Bundesrat für zu links.

Albert Rösti wird es mit einem Lächeln zur Kenntnis nehmen. Er gilt nicht nur als einflussreichster, sondern auch als beliebtester Bundesrat. 48 Prozent finden ihn sehr oder eher sympathisch. «Das widerspricht dem Bild vom Schreckgespenst, das zuweilen von ihm gezeichnet wird», so Michael Hermann. Hinter dem SVP-Bundesrat folgen Viola Amherd und Beat Jans. Die rote Laterne im Sympathie-Ranking fällt Ignazio Cassis zu.