Erste NachwahlbefragungenAuch dank der Latinos ist Donald Trump der Sieger
Kamala Harris schnitt bei der lateinamerikanischen Wählerschaft schlechter ab als erwartet.
- Donald Trump hat fast alle Swing-States für sich entschieden.
- Kamala Harris schnitt schlechter bei Latinos und jungen Wählerinnen und Wählern ab.
- Die Wirtschaft war das Hauptthema der Wahl für viele Wählende.
Laut den ersten Nachwahlbefragungen der grossen amerikanischen Medienunternehmen hat Harris in praktisch allen Bevölkerungsgruppen schlechter abgeschnitten als Joe Biden vor vier Jahren. Darunter vor allem auch bei den Hispanics und den Jungen.
Die Latinos und Latinas hätte sie aber gebraucht, um zum Beispiel Arizona zu gewinnen. Dort ist erst etwas mehr als die Hälfte aller Stimmen ausgezählt. Doch Trump wird den Swing-State laut Hochrechnungen der «New York Times» deutlich gewinnen.
Das kommt überraschend, hat Trump doch im Wahlkampf stark gegen Migrantinnen und Migranten aus Lateinamerika Stimmung gemacht. Sie würden «das Blut unseres Landes vergiften», sagte er etwa. Millionen Latinos und Latinas stimmten offenbar trotzdem für Trump.
Das trifft auch auf Arizona zu, wo die lateinamerikanische Bevölkerung gut ein Drittel der Wählerschaft ausmacht. Doch während 2020 rund zwei Drittel von diesen für Biden stimmten, konnte Harris laut Nachwahlbefragung nun nur noch knapp etwas mehr als die Hälfte von ihnen hinter sich vereinen.
Das zeigte sich auch im Gespräch mit Wählerinnen mit lateinamerikanischen Wurzeln am Wahltag in Arizona. Eine Mehrheit sagte, dass sie für Harris gestimmt habe. Die beiden jungen Frauen Andrea Ferro und Brandy Torres sorgen sich zum Beispiel um das Recht auf Abtreibung, sollte Trump gewinnen.
Doch Harris’ Engagement in der Abtreibungsfrage dürfte auch einige Latinas abgeschreckt haben, besonders die Religiösen, wie zum Beispiel Angelica, die ihren Nachnamen nicht nennen mochte. Für sie war das der Hauptgrund, ihre Stimme Trump zu geben.
Doch das Hauptthema dieser Wahl dürfte die Wirtschaft gewesen sein. Und da haben wohl viele ihre jetzige finanzielle Situation mit derjenigen verglichen, als Trump noch Präsident war. Bei der Wahl vor vier Jahren hatte Alfonso Tovar zum Beispiel noch als Wahlmitarbeiter geholfen. Dieses Jahr war ihm das nicht mehr möglich: «Ich kann mir die Tage nicht freinehmen. Ich muss gerade mein Geschäft in mein eigenes Haus verlegen, weil ich mir die Geschäftsräume nicht mehr leisten kann», sagte Tovar vor dem Wahllokal in Arizona. Er hatte unter anderem deshalb für Trump gestimmt. «Gleich am ersten Tag, als es möglich war.»
Harris schneidet jedoch nicht nur bei den Latinos schlechter ab als Biden damals, sondern auch bei den Jungen. Biden holte damals 60 Prozent der Stimmen der 18- bis 29-Jährigen, Harris laut den ersten Schätzungen nur 55 Prozent. Trumps Strategie, mithilfe von Influencern und Podcastern auf junge Männer zu zielen, dürfte aufgegangen sein.
So erzählte ein demokratischer Aktivist, der am Tag vor der Wahl noch versuchte, potenzielle Wähler für Harris zu begeistern, leicht verzweifelt, dass er auf dem Campus der Universität von Arizona «nicht einen einzigen Mann» gefunden habe, der nicht für Trump stimmen wollte.
Bis Arizona vollständig ausgezählt ist, dürfte es noch eine Weile dauern. Der Staat ist berüchtigt dafür, mehrere Tage, wenn nicht sogar Wochen zu benötigen, bis ein offizielles Resultat feststeht. Doch voraussichtlich wird das dann kaum jemanden interessieren. Denn Donald Trump ist nicht mehr auf den Südstaat angewiesen, um wieder ins Weisse Haus einzuziehen.
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