Neue Studie zum RauchenEine einzelne Zigarette verkürzt das Leben um 20 Minuten
Laut einer neuen Studie kostet eine Schachtel Zigaretten im Schnitt rund sieben Stunden Lebenszeit – fast doppelt so viel wie bislang angenommen.
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Smoking Lounge in der Kronenhalle.
© Samuel Schalch"
Vielleicht haben Sie sich vorgenommen, im nächsten Jahr mit dem Rauchen aufzuhören. Eine Studie liefert nun neue Argumente: Rauchen soll nämlich noch schädlicher sein als bislang angenommen.
Forschende des University College London (UCL) fanden heraus, dass eine einzelne Zigarette das Leben eines Menschen im Durchschnitt um etwa 20 Minuten verkürzt. Eine typische Schachtel à 20 Zigaretten entzieht der rauchenden Person also fast sieben Stunden Lebenszeit.
Oder anders ausgedrückt: Ein Raucher, der eine halbe Packung pro Tag raucht und am 1. Januar mit dem Laster aufhört, hat bis zum 8. Januar bereits einen Tag seines Lebens «gespart». Wer das Nichtrauchen bis zum 5. Februar weiterzieht, erhöht die Lebenserwartung um eine Woche, bis zum 5. August sogar um einen ganzen Monat. In einem Jahr des Nichtrauchens kann so der Verlust von 50 Lebenstagen vermieden werden, so die Studie.
9500 Todesfälle in der Schweiz
«Die Menschen wissen im Allgemeinen, dass Rauchen schädlich ist, aber sie tendieren dazu, das Ausmass zu unterschätzen», sagte Dr. Sarah Jackson, eine leitende Wissenschaftlerin der UCL-Forschungsgruppe für Alkohol und Tabak, gegenüber der britischen Tageszeitung «The Guardian». Jackson schätzt: «Im Durchschnitt verlieren Raucher, die nicht aufhören, etwa ein Jahrzehnt ihres Lebens. Das sind zehn Jahre kostbarer Zeit, Lebensmomente und Meilensteine mit geliebten Menschen.»
Rauchen gehört zu den weltweit häufigsten vermeidbaren Krankheits- und Todesursachen. Bis zu zwei Drittel der Langzeitkonsumenten sterben. In der Schweiz verursacht der Tabakkonsum gemäss Bundesamt für Gesundheit jährlich 9500 Todesfälle. Das sind 26 Todesfälle pro Tag und 14 Prozent aller Todesfälle, wie das BAG vorrechnet. Die Kosten für die schweizerische Volkswirtschaft beziffert das BAG mit 3,9 Milliarden Franken – 3 Milliarden für medizinische Behandlungen und 0,9 Milliarden für den Erwerbsausfall.
Unterschied zwischen Mann und Frau
Die aktuelle Studie stützt sich auf Zahlen der British Doctors Study, einer Langzeitstudie, die bereits seit 1951 Daten zum Rauchen erhebt, und auf Zahlen der Million Women Study, die die Gesundheit der britischen Frauen seit 1996 erfasst. Bezahlt hat die Untersuchung das britische Gesundheitsministerium. Eine frühere Untersuchung im «British Medical Journal» aus dem Jahr 2000 ging noch davon aus, dass das Rauchen einer Zigarette die Lebenszeit um 11 Minuten verkürzt. Die jüngste Untersuchung kommt nun auf einen Wert von 20 Minuten – 17 Minuten für Männer und 22 Minuten für Frauen.
«Manche Menschen denken vielleicht, dass es ihnen nichts ausmacht, ein paar Lebensjahre zu verpassen, da das Alter oft durch chronische Krankheiten oder Behinderungen gekennzeichnet ist. Aber Rauchen verkürzt nicht die Zeit bei schlechter Gesundheit am Ende des Lebens», sagte Studienautorin Jackson dem «Guardian». Im Gegenteil: «Das Rauchen frisst vor allem die relativ gesunden Jahre in der Mitte des Lebens auf, indem es das Auftreten von Krankheiten vorverlegt.» Jackson fasst zusammen: «Das bedeutet, dass ein 60-jähriger Raucher typischerweise das Gesundheitsprofil eines 70-jährigen Nichtrauchers hat.»
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