Das grosse Geschäft mit den MegaclubsDiese US-Bank wollte die umstrittenen Fussball-Pläne finanzieren
Mit der US-Grossbank JP Morgan hatte die geplante europäische Super League eine der stärksten Investmentbanken an ihrer Seite. Wäre die Liga zustande gekommen, hätte sich das für die Bank ausbezahlt.
Jamie Dimon und seine Leute werden mit Kritik gerechnet haben für ihre Pläne, den reichsten Fussballvereinen Europas mit Milliarden beim Aufbau einer Superliga zu helfen. Dass der Gegenwind aber derart scharf ausfallen würde, dass die Pläne nach wenigen Tagen schon wieder über den Haufen geworfen werden – das hat der Chef der amerikanischen Grossbank JP Morgan vielleicht doch nicht vorhergesehen.
Nachdem das Vorhaben am Wochenende bekannt geworden war, dauerte es nicht lange, bis sich sogar Polit-Promis wie der britische Premier Boris Johnson oder Prinz William zu Wort meldeten und die Superliga ablehnten.
Was aber nicht nur Politiker, sondern vor allem Fans empört: Mithilfe von JP Morgan sollte die neue Super League der Champions League Konkurrenz machen. Und weil die Bank der neuen Liga die finanzielle Kraft gibt, könnte sie jährlich 4 Milliarden Franken an TV-Übertragungsrechten und Sponsoreneinnahmen realisieren, wie die «Financial Times» schreibt. Die reichen Clubs würden reicher, die armen ärmer; und auch sportlich bliebe man künftig unter sich – ähnlich wie im amerikanischen Profisport, aber eben ein Bruch mit den Traditionen in Europa.
Genau dafür aber stellte das US-Geldhaus nun Kredite in Höhe von mindestens 3,5 Milliarden Euro bereit, die als «Willkommensprämien» an die Clubs verteilt werden sollen. Sechs Teams aus England und jeweils drei aus Italien und Spanien haben sich angemeldet. Sie würden unter der Woche gegeneinander spielen und haben sich bereits vertraglich verpflichtet, einige Jahre Teil der Super League zu bleiben.
30 Milliarden Jahresgewinn
Viele Fans fragen sich seither: Bestimmen jetzt Finanzgiganten von der Wall Street, wie wir in Europa Fussball organisieren? Und was ist das eigentlich für eine Bank, die «den womöglich grössten Umbruch des europäischen Fussballs seit den 1950er-Jahren» finanzieren will, wie es die Nachrichtenagentur Bloomberg formuliert?
Tatsächlich hätte diese Finanzierung nicht jede beliebige Bank stemmen können. Und selbst ein Haus wie JP Morgan geht damit wohl grosse Risiken ein, vor allem was den Ruf anbelangt. «Das ist für Banken politisch extrem heiss», sagt ein Banker, der sich mit Fussball-Geschäften auskennt. Hätten britische, französische oder deutsche Geldhäuser das Geschäft finanziert, sie wären von den Fans, die vielfach identisch mit den Kunden sind, wohl in der Luft zerrissen worden. Laut hiesigen Branchenkennern sind Schweizer Geldhäuser wohl zu weit vom Fussball weg oder der Deal war für sie schlicht zu gross und zu riskant.
JP Morgan aber kann einiges aushalten als grösste Bank der USA. Selbst im Pandemie-Jahr erwirtschaftete JP Morgan fast 30 Milliarden Dollar Gewinn. Bei der UBS waren es 6,6 Milliarden Franken. Chef Jamie Dimon (65) führt die Investmentbank seit fünfzehn Jahren vergleichsweise erfolgreich, gilt als Doyen der Wall Street und ist über sein Aktienpaket an der Bank sogar Milliardär. Auch in der Pandemie folgte Dimon seinem Credo, die Bank-Bilanz so abzusichern wie eine Festung, legte 2020 mehr als zehn Milliarden Dollar als Risikovorsorge für faule Kredite zur Seite.
Geld ist für JP Morgan kein Problem
Das Geld für die Super League kann JP Morgan also leicht aufbringen, zumal solche Finanzierungen zum normalen Geschäft grosser Banken gehören, die dazu wiederum Anleihen am Kapitalmarkt begeben. Laut Medienberichten hat JP Morgan bei dem Fussball-Kredit zwei bis drei Prozent Zinsen jährlich vereinbart über eine Laufzeit von 23 Jahren.
Zudem sollten die Vereine wohl 264 Millionen Euro per annum tilgen. Unter dem Strich dürfte also etwas hängen bleiben bei der Bank. Zudem erhofft sich das Geldhaus vermutlich Beratungsmandate. Wie man auf JP Morgan kam, dazu gibt es keine Informationen. Dem Vernehmen nach gab es keinen sogenannten Pitch, also keinen Wettkampf verschiedener Banken um das Mandat, die Sache war offenbar exklusiv. JP Morgan selbst will sich nicht äussern.
Ob das Geschäftsmodell erfolgreich gewesen war, wird sich nun wohl nicht mehr zeigen: Die Betreiber der nationalen Ligen in England, Spanien und Italien sowie die Fussballverbände Uefa und Fifa drohten rasch mit rechtlichen Schritten bis hin zum Ausschluss der Vereine aus den heimischen Ligen. Die Uefa drohte sogar damit, Spieler, die in der Super League antreten, nicht als Nationalspieler zuzulassen. Als erstes knickten die englischen Clubs ein und zogen sich von der Superliga zurück.
«Man muss sich als Bank genau überlegen, ob man so etwas macht», sagt ein Manager einer anderen grossen US-Bank, der nicht genannt werden will. «So etwas verstösst eventuell gegen Prinzipien von Leistung und Fairness, und da müssen Sie prüfen: Passt das zu meinen eigenen Grundsätzen?»
Hinzu kommt: Der europäische Fussball ist anfällig für Korruption, ein Thema, bei dem insbesondere die US-Aufsichtsbehörden keinen Spass verstehen. «Bei so einem Geschäft», so formuliert es der Banker verklausuliert höflich, «hätte es in unseren Gremien wohl intensive Diskussionen gegeben.» Gut möglich, dass es die nach dem raschen Scheitern der Liga nun auch noch bei JP Morgan geben wird.
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