Ihr Browser ist veraltet. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser auf die neueste Version, oder wechseln Sie auf einen anderen Browser wie ChromeSafariFirefox oder Edge um Sicherheitslücken zu vermeiden und eine bestmögliche Performance zu gewährleisten.

Zum Hauptinhalt springen

HCD-Raubein Brendan Lemieux
Er prügelt und beisst, doch diesmal trifft er den Falschen

Brendan Lemieux von HC Davos verlässt das Spielfeld, nachdem er im Playoff-Halbfinale gegen ZSC Lions in Zürich eine Spieldauer-Disziplinarstrafe erhalten hat.
Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.
BotTalk
In Kürze:
  • Nach einem Gerangel trifft HCD-Stürmer Lemieux versehentlich den Linienrichter mit der Faust.
  • Der Vorfall führt zu einer vorläufigen Sperre von mindestens einem Spiel.
  • In der NHL biss der Kanadier schon einmal seinem Gegner die Hand blutig.

Noch selten eilte einem neuen Ausländer in der Schweizer Liga ein solch schlechter Ruf voraus wie Brendan Lemieux. Als ihn der HC Davos im vergangenen Dezember verpflichtete, erntete der Rekordmeister Entrüstung.

«Er biss dem Gegner die Hand blutig – jetzt spielt das NHL-Raubein in Davos», titelte diese Redaktion über Lemieux. Es war eine Anspielung auf die Episode, als er in Diensten der Los Angeles Kings seinem Gegenspieler Brady Tkachuk bei einem Fight zweimal in die Hand gebissen hatte und von der NHL für fünf Spiele gesperrt worden war.

Tkachuk sagte damals: «Das war das Feigste, was ich je erlebt habe. Nicht einmal Kinder beissen. Du kannst jeden seiner Teamkameraden fragen: Niemand will mit ihm spielen. Er ist ein schlechter Kerl und ein schlechter Teamkollege. Es geht ihm immer nur um sich selbst.»

62 Faustkämpfe und 924 Strafminuten für Brendan Lemieux

In der NHL und in der AHL sammelte der 97-Kilo-Mann in 452 Spielen 924 Strafminuten. Er wird mit 62 Faustkämpfen gelistet. Die Gegenspieler von Lemieux auf Schweizer Eis würden sich also vorsehen müssen, dachte man. Und was passierte? Nichts.

Hier wird Inhalt angezeigt, der zusätzliche Cookies setzt.

An dieser Stelle finden Sie einen ergänzenden externen Inhalt. Falls Sie damit einverstanden sind, dass Cookies von externen Anbietern gesetzt und dadurch personenbezogene Daten an externe Anbieter übermittelt werden, können Sie alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen.

Der 29-Jährige hechelte dem Spiel meist hinterher und hatte vor allem mit sich selbst zu kämpfen. In den 15 Partien bis zum Playoff verzeichnete er keinen Skorerpunkt und blieb anständig. Zwischendurch schubste er mal einen Gegenspieler, wenn das Spiel unterbrochen war. Aber das war es dann auch schon.

Und dann kam am Donnerstag in der Swiss-Life-Arena die 38. Minute: Lemieux balgte sich ein bisschen mit ZSC-Stürmer Chris Baltisberger, Linesman Dominik Altmann eilte herbei und wollte die Streithähne trennen, als ihn der Kanadier mit der rechten Faust am Kinn traf und der Unparteiische aufs Eis sackte.

Hier wird Inhalt angezeigt, der zusätzliche Cookies setzt.

An dieser Stelle finden Sie einen ergänzenden externen Inhalt. Falls Sie damit einverstanden sind, dass Cookies von externen Anbietern gesetzt und dadurch personenbezogene Daten an externe Anbieter übermittelt werden, können Sie alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen.

Für einen, der Boxen gewohnt ist, war dieser Faustschlag reichlich ungeschickt. Lemieux wurde mit einer Spieldauerdisziplinarstrafe unter die Dusche geschickt und nun vorsorglich für ein Spiel gesperrt. Das heisst, er muss mindestens am Samstag in Spiel 4 in Davos zuschauen.

Und die Strafe könnte noch höher ausfallen. Denn der Unmut bei den Schiedsrichtern ist gross, da Lausannes Gavin Bayreuther straffrei davongekommen war, als er Linesman Dario Fuchs von hinten umgefahren hatte. Schiedsrichter zu attackieren, ist im Eishockey eigentlich ein No-go. Dachte man zumindest bis vor kurzem.

In den Katakomben der Swiss-Life-Arena sagte Lemieux zur Szene: «Es war ein Gerangel, wie es das oft gibt. Unglücklicherweise geriet der Linienrichter mit dem Kopf zwischen uns, und ich traf ihn. Nicht hart, aber hart genug und an einer heiklen Stelle.» Altmann kehrte nicht mehr aufs Eis zurück und wurde durch seinen Kollegen Dominik Schlegel ersetzt.

Er habe sich bei Altmann erkundigt, wie es ihm gehe, sagte Lemieux. «Er ist offenbar noch ein bisschen mitgenommen, was sehr bedauerlich ist. Solche Dinge passieren manchmal, aber natürlich möchte das niemand sehen. Die Schiedsrichter versuchen nur, ihren Job zu machen. Es war ein Missgeschick. Hätte ich probiert, ihn so zu treffen, wäre mir das nie gelungen. Aber ich kann es nicht mehr ändern. Ich hoffe, er ist okay.»

Brendan Lemieux vom HC Davos in gelbem Trikot beim Eishockeyspiel gegen die ZSC Lions. Im Hintergrund ein Spieler der Lions.

So schnell kann es gehen. Nach Spiel 2, in dem Lemieux beim HCD die nötige Portion Aggressivität hingebracht und beim 4:3-Sieg gefeiert worden war, schütteln nun wieder alle den Kopf über ihn.

«Ich wollte mich nicht prügeln, ich wollte ihn nur neutralisieren», sagte ZSC-Stürmer Baltisberger. «Dass er dann so seine Kontrolle verliert, ist Pech für den Ref. Glücklicherweise traf er nicht mich, aber dummerweise traf er den Linesman. Die Schiedsrichter sind Teil des Spiels, wir haben ein freundschaftliches Verhältnis zu ihnen. Tätlichkeiten an ihnen gehören sich einfach nicht.»

Chris Baltisberger sollte Brendan Lemieux neutralisieren

Nachdem der HCD am Dienstag den ZSC Lions mit seiner aggressiven Spielweise den Schneid abgekauft hatte, nahmen sich die Zürcher vor, physisch dagegenzuhalten. Coach Marco Bayer schickte immer wieder Baltisberger auf Eis, wenn Lemieux spielte. «Ich sah es als meine Verantwortung, den Davosern körperlich Paroli zu bieten», sagte Baltisberger. «Sie wollen uns als spielstarke Mannschaft aus dem Konzept bringen. Alles müssen wir uns nicht bieten lassen. Aber wir wissen auch: Eine solche Spielweise rächt sich früher oder später.»

HCD-Coach Josh Holden, der als Spieler selber kein Kind von Traurigkeit war, wollte die Aktion von Lemieux nicht rechtfertigen. Aber er sagte: «Es ist leicht, auf Lemieux herumzuhacken. Er versucht, seine Rolle hier zu finden. Es ist eine gute Liga. Wir haben schon gute NHL-Spieler erlebt, die sich nicht etablieren konnten. Er versucht, uns auf seine Weise zu helfen und im Grenzbereich zu spielen. Darum geht es im Playoff. Die Kunst ist es, die Linie nicht zu überschreiten.»

Aber es sei ein schmaler Grat, räumt Holden ein. «Die Liga hat sich in den letzten 10, 15 Jahren enorm entwickelt. Er ist alles noch viel schneller und härter geworden. Man hat viel weniger Zeit, Entscheidungen zu treffen. Ich würde mir wünschen, dass meine Jungs die Grenze nie überschreiten. Aber ein Eishockeyspiel ist ein permanenter Kampf um Positionen und um den Puck.»

Der HCD hat Lemieux verpflichtet, damit dieser im physischen Bereich Akzente setzt. So sagte General Manager Marc Gianola im «Eisbrecher»-Podcast zu Beginn des Playoff: «Wir stellten letztes Jahr im Playoff fest, dass bei uns das physische Element ein bisschen zu schwach ist, und suchten einen Spieler nach diesem Muster.» Den glaubte man in Lemieux gefunden zu haben. Man stattete ihn gleich mit einem Vertrag bis 2027 aus.

Plötzlich getrauten sich die ZSC Lions mehr

Bei dessen Ausschluss stand es am Donnerstag 2:1 für die ZSC Lions, am Ende siegten sie 5:1. Holden sieht einen Zusammenhang. «Als er nicht mehr dabei war, spielten die Zürcher plötzlich wieder härter und getrauten sich auch in den Spielunterbrüchen wieder mehr.» Mit anderen Worten: Sie war wieder mutiger, als ihnen nicht mehr die Faust von Lemieux drohte.

Angstmacher, Bösewicht oder Choleriker? An Brendan Lemieux scheiden sich die Geister. Aber eines scheint nach seinem fatalen Fehlschlag klar: Er ist kein besonders talentierter Boxer.