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Kälterückfall am Wochenende
Ein Hoch über Skandinavien bringt zuerst Wärme, dann folgt die Polarluft

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In Kürze:
  • Ein Omegahoch über Skandinavien bringt der Schweiz frühlingshafte Temperaturen bis 20 Grad, dann folgt der markante Temperatursturz.
  • Ab Montag droht eine Phase mit Bodenfrost unter minus 4 Grad.
  • Die anhaltende Trockenheit verschärft die Waldbrandgefahr im Tessin und in Graubünden.

Die gute Nachricht zuerst: In den kommenden Tagen kommt die Schweiz in den Genuss von sonnigem und sehr mildem Wetter. Ab Mittwoch steigen die Tageshöchstwerte stetig an. Am Freitag und Samstag sind im Flachland voraussichtlich 18 bis knapp über 20 Grad zu erwarten.

Verantwortlich für dieses milde Frühlingswetter ist ein Hochdruckgebiet, das sich mit seinem Zentrum über Skandinavien einrichtet, dabei aber auch das Wetter in Mitteleuropa beeinflusst. Die Schweiz gerät dadurch in eine schwache südöstliche Höhenströmung. Die Temperatur kann so mit kräftiger Unterstützung der Frühlingssonne in die Höhe klettern.

Bei dem Druckgebilde, das ab Wochenmitte das Wetter über dem grössten Teil des europäischen Kontinentes dominieren wird, handelt es sich um ein klassisches Omegahoch. Der Name rührt daher, dass dieses Hoch von Tiefdruckgebieten flankiert wird, die im aktuellen Fall über Spanien und dem Balkan liegen. Das ganze Gebilde erinnert daher auf den Wetterkarten von der Form her an den griechischen Buchstaben Omega (Ω).

Omegahochs haben eine hohe Erhaltungsneigung und sind daher oft sehr hartnäckig. Sie können über mehrere Tage, manchmal sogar über Wochen bestehen bleiben. In den Sommermonaten sorgen sie regelmässig für ausgeprägte Hitze- und Trockenphasen.

Auch das aktuelle Omegahoch bildet da keine Ausnahme. Es dürfte bis über das kommende Wochenende hinaus wirksam bleiben.

Aber das Hoch – und damit kommen wir zur schlechten Nachricht – wird sich mit seinem Zentrum am Samstag voraussichtlich nach Westen auf das Nordmeer hinaus verlagern. Das europäische Wettermodell ECMWF etabliert den Kern des Hochs in seinen aktuellen Berechnungen irgendwo zwischen Island und Schottland.

Temperatursturz um mehr als 10 Grad

Diese Verlagerung des Omegas hat erhebliche Konsequenzen für die weitere Wetterentwicklung in der Schweiz.

Über Skandinavien liegt nämlich nach wie vor ein riesiges Reservoir an winterlich kalter Höhenluft. Durch die Verschiebung des Hochs entsteht über Mittel- und Osteuropa eine kräftige nördliche Höhenströmung. Die Polarluft über Skandinavien hat wegen des grossräumigen Strömungsmusters gar keine andere Möglichkeit, als an der Flanke des Hochs entlang nach Süden «auszubrechen».

Die kältesten Luftmassen werden mit ziemlicher Sicherheit nach Osteuropa strömen. Wie weit die Polarluft nach Westen vorankommen wird, ist gemäss Bernd Konantz, Meteorologe bei Meteo Schweiz, derzeit noch unsicher. Die Schweiz dürfte aber zumindest am Rande betroffen sein.

Von Samstag auf Sonntag kommt es voraussichtlich zu einem regelrechten Temperatursturz um mehr als 10 Grad. In der freien Atmosphäre auf 1500 Meter Höhe geht es innerhalb von 24 Stunden vom Frühling (mit 8 Grad) in den Winter (etwa minus 5 Grad).

Wetterkarte von Europa mit farblichen Temperaturzonen, die kältere Temperaturen im Norden und wärmere im Süden anzeigen.

Die Frühlingsstimmung erhält also einen kräftigen Dämpfer, die Temperatur geht auch im Flachland tagsüber auf Höchstwerte um 10 Grad zurück.

Noch stärker wirkt sich die einfliessende Kaltluft in den Nächten und am frühen Morgen aus. Läuft die Entwicklung so ab, wie es derzeit in den Wettermodellen angezeigt wird, droht etwa ab Montag nämlich eine mehrtägige Phase mit Bodenfrost.

Bodenfrost bedroht austreibende Vegetation

Bodenfrost bedeutet, dass die Temperatur in der Nähe des Erdbodens bis zum Gefrierpunkt oder tiefer sinkt. Um dies zu messen, sind praktisch alle Wetterstationen von Meteo Schweiz mit Temperatursensoren ausgestattet, die sich etwa fünf Zentimeter über dem Boden befinden.

Während sogenannter Strahlungsnächte, wenn also der Himmel klar ist und der Boden ungehindert auskühlen kann, liegt die Bodentemperatur wesentlich tiefer als die normale Lufttemperatur, die in zwei Metern Höhe gemessen wird. In der Regel ist es bodennah bis zu fünf Grad kälter. Je weniger Wolken den Himmel bedecken, desto grösser ist in der Regel der Temperaturunterschied.

Nimmt man diese Regel als Basis, muss angesichts der Wetterentwicklung etwa ab Montag im Schweizer Mittelland verbreitet mit strengem Bodenfrost unter minus 4 Grad gerechnet werden.

Für die Vegetation, die wegen des ausgesprochen milden Winters in den Tieflagen bereits mitten im Wachstumsschub steckt, ist das ungünstig. Markante Bodenfrostperioden sind vor allem in der Land- und Forstwirtschaft gefürchtet, weil dadurch erhebliche Schäden an Kulturen entstehen können.

Wie es auf Anfrage bei Agroscope, dem Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung, heisst, müssen die früh gepflanzten Gemüse- und Erdbeerkulturen während Frostphasen doppelt und dreifach mit Vliesen geschützt werden. Dies sei zwar mit zusätzlicher Arbeit verbunden, Kulturschäden könnten auf diese Weise aber gut verhindert werden.

Trockenheit verschärft sich weiter

Weil die mit dem Polarluftausbruch am Wochenende heranströmende Luft zwar für die Jahreszeit kalt, aber sehr trocken ist, dürfte dieser Wetterwechsel praktisch ohne Niederschläge vonstattengehen. Auch in den Folgetagen deuten sich gemäss den aktuellen Berechnungen der Wettermodelle keine flächendeckenden Niederschläge an.

Die ausgeprägte Trockenheit, die vor allem in der Ostschweiz seit Februar herrscht, wird sich also weiter verschärfen. Im Tessin und in weiten Teilen des Kantons Graubünden gilt wegen der fehlenden Niederschläge bereits erhebliche Waldbrandgefahr. Das bedeutet unter anderem, dass Feuer im Freien nur in bestehenden Feuerstellen entfacht werden dürfen.