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Schluss mit Frühlingswärme
Schnee und Bise am Wochenende: Der Winter kehrt zurück

Ein elektrischer Rasenmäher mäht einen verschneiten Rasen in Uetendorf am 18. April 2024. Schnee liegt bis in die Niederungen.
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In Kürze:
  • Ein Wetterwechsel bringt ab Wochenmitte Abkühlung und Neuschnee.
  • Der Wintereinbruch im März ist laut Experten nichts Ungewöhnliches.
  • Eine plötzliche Stratosphärenerwärmung erhöht danach die Wahrscheinlichkeit für Kältephasen bis in den April hinein.

Im Verlauf dieser Woche bahnt sich ein Wetterwechsel an, der spätestens am Wochenende in einer vorübergehenden Rückkehr des Winters gipfeln dürfte. «Es ist durchaus möglich, dass am Sonntagmorgen im Flachland hier und dort eine dünne Schneedecke liegt», sagt dazu Thomas Kleiber, Meteorologe bei Meteo Schweiz. Auch die Temperaturen sinken im Vergleich zur Vorwoche markant. Ab Freitag liegen die Höchstwerte noch um 6 Grad, in der Nacht um null Grad.

In den höheren Lagen stellen sich sehr winterliche Bedingungen ein. Gemäss den aktuellen Prognosen ist in den Voralpen und Alpen oberhalb von etwa 1000 Meter zwischen Donnerstag und Sonntag wiederholt mit Neuschnee zu rechnen, wobei gebietsweise durchaus Summen von bis zu 15 Zentimeter pro Tag möglich sind. Die insgesamt magere Schneebilanz des Winters wird damit nochmals etwas aufgebessert.

Winterwetter im März nicht ungewöhnlich

Wer also angesichts der milden Temperaturen in den letzten Tagen bereits mit dem Gedanken gespielt hat, das Gemüsebeet auf dem Balkon anzupflanzen oder die Sommerpneus aufzuziehen, sollte damit noch zuwarten. Grundsätzlich ist es ohnehin empfehlenswert, damit frühestens Anfang Mai zu beginnen. Denn wie Meteo-Schweiz-Klimatologe Stephan Bader sagt: «Mit Kaltlufteinbrüchen, die Frostnächte bringen, muss in unseren Breiten bis Mitte Mai gerechnet werden.»

Auch Schnee ist im März nicht ungewöhnlich. Daten von Meteo Schweiz zeigen sogar, dass in der Ostschweiz in der ersten Märzwoche statistisch häufiger Schnee fällt als im letzten Februardrittel. Diese Zunahme der Neuschnee-Ereignisse kulminiert um den 6. März herum. Dabei besteht kein wesentlicher Unterschied zwischen dem Flachland und den Berglagen.

Das zeigt eindrücklich, dass sich die Natur nicht unbedingt an den von den Meteorologen und Klimatologen definierten Frühlingsbeginn am 1. März hält. Der erste Frühlingsmonat weist in vielerlei Hinsicht – zum Beispiel beim grossräumigen Strömungsmuster oder der Eigenschaften der Luftmasse – noch eher winterlichen Charakter auf.

Der nun anstehende «Rückfall» auf winterliche Verhältnisse sollte also niemanden überraschen.

Die Umstellung erfolgt dabei nicht auf einen Schlag, sondern eher schrittweise. Am Mittwoch liegt der Alpenraum noch in einer südwestlichen Höhenströmung. Noch einmal werden für die Jahreszeit eher milde Luftmassen herangeführt. Diese stammen streng genommen noch aus dem «Dunstkreis» eines Tiefdruckgebiets, das sich zu Beginn der Woche über Nordspanien eindrehte.

Dieses Tief wird aber ab Wochenmitte zunehmend bedeutungslos für unser Wetter. Stattdessen etabliert sich ein kräftiges Hochdruckgebiet über dem Nordatlantik. Dieses führt zu einer klassischen Blockadesituation. Das bedeutet: Die Zufuhr von milder Atlantikluft aus Westen wird unterbunden.

Dafür wird der Weg frei für Kaltluft aus Skandinavien. Diese bricht am Mittwoch an der Flanke des Hochs südwärts aus. Ab Donnerstag formiert sich daraus über Mitteleuropa ein eigenständiger Höhentrog. Das ist ein mit hochreichend kalter Luft angefülltes Tiefdruckgebiet.

Gemäss aktueller Kartenlage dehnt sich dieser Höhentrog in der Folge langsam über die Schweiz aus und zieht dann am Wochenende Richtung Norditalien. Die Höhenströmung auf der Alpennordseite dreht dadurch zuerst auf nördliche, dann auf nordöstliche Richtung. Es kommt Bise auf.

Windgeschwindigkeitskarte Europas bei 850 hPa mit Farbskala von 10 bis 100 m/s, zeigt Windströmungen und Intensität in grün, gelb und blau.

Nun sind solche Bisenlagen nicht unbedingt dafür bekannt, dass sie viel Niederschlag bringen. Die heranströmende Luft ist meistens kontinentaler Herkunft – das heisst, sie ist zwar kalt, aber eher trocken.

Bei der nun anstehenden Wetterlage wird die Bise aber in erster Linie durch das Tief über Norditalien verursacht («Schwarze Bise»). So ist mehr Feuchtigkeit mit im Spiel. Es entsteht eine Gegenstromlage. Das heisst, das in den oberen Luftschichten aus Süden feuchtere Luft über die Alpen strömt, die auf die kältere Luft auf der Alpennordseite aufgleitet. Das löst Niederschlag aus. Dieser Prozess führt dazu, dass es am Wochenende auch in tieferen Lagen schneien kann.

Der «Spuk» wird jedoch nicht lange andauern. Einerseits hält sich Märzschnee wegen der Kraft der Frühlingssonne selten lange. Gemäss Thomas Kleiber etabliert sich zudem bereits zu Beginn der kommenden Woche wieder ein Hochdruckgebiet über Mitteleuropa. Die Luft trocknet ab – und wird wieder milder.

Nochmals Winterrückfall wegen Stratosphärenerwärmung?

Allerdings – und das ist die schlechte Nachricht für alle, die sich nach Frühling sehnen – könnte der Winter danach durchaus nochmals mit ungewohnter Stärke zurückkommen. Dafür spricht das, was derzeit in den höheren Luftschichten über der Nordhalbkugel geschieht. Dort findet nämlich eine sogenannte plötzliche Stratosphärenerwärmung statt.

Das bedeutet, dass die Temperatur im Bereich der unteren Stratosphäre direkt über dem Polarkreis (in etwa 30 Kilometer Höhe) markant ansteigt, und zwar bis etwa minus 10 Grad. In den mittleren Breiten, namentlich über West- und Mitteleuropa, ist es in dieser Höhe gleichzeitig etwa 60 Grad kälter. Zusätzlich ist eine sogenannte Zonalwindumkehr im Gang. Das heisst, dass die vorherrschende Windrichtung in der Höhe von West auf Ost dreht.

Dies kann sich mit einer Verzögerung von einigen Wochen auch auf die Verhältnisse in den tieferen atmosphärischen Schichten auswirken. Tendenziell werden dadurch Wetterlagen begünstigt, die ein Vordringen kalter Kontinentalluft aus dem Osten nach Mitteleuropa ermöglichen, also eher winterlich anmutende Verhältnisse bringen.

Es wäre also nicht überraschend, wenn der Winter zwischen Ende März und Mitte April nochmals kräftig in unseren Breiten anklopfen würde. Allerdings – und darauf können alle hoffen, die sich nach Wärme sehnen – muss das nicht zwingend so kommen.

Farbige Wetterkarte zeigt Temperaturmuster in der Atmosphäre mit kalten und warmen Zonen, einschliesslich Isolinien für Temperaturverteilung.