Boote im TrockenenWasserstände an Schweizer Seen sehr niedrig
Kein Regen und viel zu wenig Schmelzwasser: Am Bodensee ist sogar ein Hafen ausgetrocknet. Auch im April wird wenig Niederschlag erwartet.

Was tut sich am Bodensee?
Mehrere Schweizer Seen führen derzeit sehr wenig Wasser. Am Bodensee ist die Situation am deutlichsten: Am 1. April lag der Wasserstand 45 Zentimeter unter dem langjährigen Mittelwert.
Im westlichen Teil des Bodensees ist der Wasserstand wegen anhaltender Trockenheit extrem niedrig. Der Hafen von Mannenbach am Untersee rund zwölf Kilometer westlich von Konstanz sei ausgetrocknet, sagte der Abteilungsleiter Wasserbau im Umweltamt des Kantons Thurgau, Philemon Diggelmann.

Gemessen wurden am Standort Berlingen 394,55 Meter über Meer. Der Tiefenrekord für einen 1. April liegt mehr als 40 Jahre zurück: Am 1. April 1972 wurden 394,40 Meter gemessen. Das langjährige Mittel liegt dort bei gut 395 Metern.
Auch am oberen Teil des Bodensees, dem sogenannten Obersee, ist der Wasserstand sehr niedrig, aber nicht so niedrig wie im Untersee. Warum das so sei, darüber gebe es nur Vermutungen, sagt Diggelmann. Womöglich verhinderten Algen einen stärkeren Abfluss durch den Seerhein bei Konstanz, der Ober- und Untersee verbindet.
Wie ist die Situation am Zürichsee?
Am Zürichsee sank der Wasserstand seit Ende Januar kontinuierlich. Während der Pegel am 28. Januar bei 405,91 Metern über Meer lag, lag er Ende März mehr als 20 Zentimeter tiefer. In den letzten Tagen ist er geringfügig angestiegen – der Mittelwert liegt derzeit bei 405,78 Metern über Meer.

Die Daten zeigen, dass sich der Zürichsee im Schnitt ab Anfang März zu füllen beginnt. Dem Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) des Kantons Zürich zufolge sind derart tiefe Pegelstände zwischen Ende Februar und Anfang März nichts Besonderes. «Ende März ist dies aber eher selten», sagte Mediensprecherin Isabelle Rüegg letzte Woche zu dieser Redaktion.
Die Erklärung des Awel lautet, dass die Niederschläge im Einzugsgebiet des Zürichsees im Februar und im März deutlich unter dem langjährigen Mittel lagen. Zudem sei der Frühling bisher wärmer gewesen als üblicherweise in den letzten 30 Jahren, was zu einer aussergewöhnlich dünnen Schneedecke geführt habe. Somit fliesst weniger Schmelzwasser aus den Glarner Alpen in die Linth und damit auch in den Zürichsee.
Wie sieht es an anderen Seen aus?
Die Karte des Bundesamts für Umwelt (Bafu) zeigt viele rote Punkte. Will heissen: Die aktuellen Abflüsse und Wasserstände sind nördlich der Alpen fast überall «Tief» bis «Sehr tief».

Sehr tief ist der Wasserstand laut dem Bafu auch am Brienzersee. Hier liegt er zurzeit bei 563,30 Metern über Meer. Im Monatsmittel lag er im März bei 563,25. Der Mittelwert in den Jahren 1991 bis 2020 lag bei 563,46 – also 21 Zentimeter höher. Der tiefste Stand von 1944 ist aber noch lange nicht erreicht: Damals lag der Pegelstand bei 562,54 Metern über Meer. In der Zentralschweiz liegen die Wasserstände am Vierwaldstättersee im grünen Bereich. Anders sieht es etwa beim Zugersee aus. Hier liegt der Wasserstand derzeit bei 413,39 Metern über Meer. Im März lag der Mittelwert bei 413,43 Metern. Im Vergleich dazu lag das langjährige Mittel bei 413,50 Metern über Meer.
Südlich der Alpen sind die Wasserstände der Gewässer nicht tief, im Tessin ist jener des Lago Maggiore sogar sehr hoch. Während es in den letzten Wochen auf der Alpennordseite oft Föhnlagen gab, regnete es im Südkanton ausgiebig. Allerdings ist die Trockenheit auch hier angekommen: Im Tessin und in weiten Teilen des Kantons Graubünden gilt bereits erhebliche Waldbrandgefahr. Schwankungen bei den Wasserständen im Vergleich lassen sich auch dadurch erklären, dass die Zuflüsse vieler Seen reguliert werden.
Was sind die Gründe?
Ursache für den niedrigen Wasserpegel sind geringe Regenfälle und wenig Schmelzwasser aus den Alpen. Das liegt daran, dass auf den Bergen im Einzugsgebiet des Rheins, der in den Bodensee fliesst, weniger Schnee liegt als im langjährigen Mittel.

Was sagen die Prognosen?
Eine Änderung der Lage zeichnet sich in den nächsten Wochen nicht ab: Obwohl es am Wochenende einen Wetterumschwung gibt und es wieder kalt wird, dürfte es kaum regnen. Den aktuellen Berechnungen der Wettermodelle zufolge ist bis Mitte April so gut wie kein Niederschlag zu erwarten. Auch die Schmelzwassermenge dürfte sich nicht markant erhöhen. Die ausgeprägte Trockenheit, die vor allem in der Ostschweiz seit Februar herrscht, wird sich also weiter verschärfen.
Besteht Grund zur Sorge?
Die tiefen Pegelstände mögen auffällig sein, ein Grund zur Sorge besteht aber derzeit nicht. «Zurzeit ist die Situation unkritisch», sagte Philippe Gyarmati, Hydrologe beim Bafu, am Mittwoch zu SRF. Experten zufolge würden sich erst dann Probleme abzeichnen, wenn es auch ab der zweiten Aprilhälfte und im Mai zu wenig regnet. Dann nämlich werden die Voraussetzungen geschaffen, ob es im Sommer zu Dürren kommt, worunter vor allem die Landwirtschaft leiden würde.
Mit Material der Nachrichtenagentur DPA.
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