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Der US-Präsident hält Hof
Starmer besucht Trump – und hat ein Goodie dabei

Britischer Premierminister Keir Starmer spricht bei einem Empfang im britischen Botschafterresidenz in Washington, DC, vor einem Bild von Königin Elizabeth I. und neben der britischen und amerikanischen Flagge.
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In Kürze:
  • Keir Starmer reiste nach Washington, um Sicherheitsgarantien für die Ukraine zu verhandeln.
  • Starmer glaubt, nur amerikanischer Rückhalt könne Russland von neuen Angriffen abhalten.
  • Er vermied Kritik an Trump, trotz dessen überraschenden Schwenks und Telefonaten mit Russland.
  • Als Zeichen des guten Willens plant Starmer eine Erhöhung des britischen Militäretats.

Für Sir Keir Starmer war es ein Besuch, dem er recht bang entgegensehen musste. Daheim in London wurde der Trip des britischen Premiers zum grossen Verbündeten einhellig als «der schwierigste seit dem Zweiten Weltkrieg» eingestuft – als eine Zusammenkunft, die nicht nur für Starmers eigene Amtszeit entscheidend sein würde, sondern auch für die Zukunft des Vereinigten Königreichs, der Ukraine und Europas von grösster Bedeutung war.

Im Flugzeug nach Washington hatte Sir Keir vor mitreisenden Reportern eine Meinung vertreten, die in deutlichem Gegensatz zu jüngsten Äusserungen des US-Präsidenten stand. Donald Trump hatte erklärt, für Sicherheitsgarantien in Sachen Ukraine seien die Europäer zuständig und nicht die USA.

Ohne die USA geht es nicht in der Ukraine

Dagegen bestand Starmer darauf, dass nur amerikanischer Rückhalt für jegliche in der Ukraine stationierten europäischen Friedenstruppen den russischen Präsidenten Wladimir Putin von erneuten Angriffen auf die Ukraine abhalten könne: «Ein Waffenstillstand ohne einen solchen Backstop durch Washington würde Putin einfach die Chance geben, abzuwarten und es dann wieder zu versuchen.»

Angereist war Starmer in der Hoffnung, in dieser zentralen Frage aller Skepsis seiner Berater zum Trotz Gehör bei Trump zu finden – einen Tag bevor der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski mit dem gleichen Verlangen nach Sicherheitsgarantien angereist kam.

Zuvor hatte bereits der französische Staatspräsident Emmanuel Macron Trump vor einer «Kapitulation» der Ukraine gewarnt. Starmer seinerseits hatte nie Zweifel daran gelassen, dass für ihn Putin, in Missachtung der UNO-Charta, «der alleinige Aggressor» im Krieg um die Ukraine war: «Russland kann diesen Konflikt morgen beenden, indem es sich zurückzieht und seine Aggression stoppt.»

Sicherheitsgipfel in London mit Selenski

In London wie anderswo in Europa hatten Trumps gegensätzliche Äusserungen, seine überraschenden Telefonate mit Putin und sein demonstratives Abrücken von Europa einen Schock ausgelöst. In Sorge um den Nato-Zusammenhalt hat Starmer die grösseren europäischen Nachbarn ebenso wie Selenski für diesen Sonntag zu einem Sicherheitsgipfel nach London eingeladen.

Indessen vermied der Brite in den letzten Wochen jede Kritik an Trump. Weder rügte er den US-Präsidenten für dessen Beschimpfung Selenskis als «Diktator», noch ging er darauf ein, dass Trump sich Grönland einverleiben, den Panamakanal «zurückholen», Guantánamo mit Flüchtlingen füllen und Kanada zum 51. US-Staat machen möchte. Letzterer Plan verblüffte die Briten umso mehr, als König Charles III. auch Kanadas Staatsoberhaupt ist.

Starmer bemühte sich nach Kräften, Positives über Trump zu sagen. Er unterstrich wiederholt Trumps «Friedensliebe» und bescheinigte ihm, dass er mit seiner Initiative zur Ukraine die globale Debatte «zum Besseren hingewendet» und eine «echte Gelegenheit» zur Lösung des Problems geschaffen habe.

Auch wo er Meinungen vertrat, die von jenen Trumps abwichen, war Starmer entschlossen, Trump nicht zu provozieren. Während britische Kommentatoren von einer «Gratwanderung» Starmers sprachen, betrachtete dieser seine Reise nach Washington als einen «Brückenschlag» in die Neue Welt hinüber. Wiewohl Trump ihn wochenlang hatte warten lassen, weil er andere Gäste bevorzugte, bestand Starmer darauf, dass es die «besondere Beziehung» seines Landes zu den USA, die historische «special relationship», weiterhin gab.

Um guten Willen zu beweisen, hatte der Premier erklärt, er werde den britischen Militäretat binnen zwei Jahren von 2,3 Prozent des Nationaleinkommens auf 2,5 Prozent erhöhen. Eine geplante Vereinbarung mit Mauritius über die Chagos-Inseln soll gestrichen werden, falls Washington Einwände dagegen erhebt. Auch auf die Interessen der US-Techgiganten will man, soweit möglich, Rücksicht nehmen – nur schon, um zu vermeiden, dass Elon Musk wieder zum Sturz des «Tyrannen» Starmer aufruft.

Trump hat eine Schwäche für die Royals

Bei seinem Gespräch mit Trump am Donnerstag wollte Starmer seinen Gastgeber insbesondere auch von der bereits angekündigten drastischen Erhöhung der US-Einfuhrzölle abbringen. In der Hoffnung, wegen relativ ausgeglichener Handelsbilanzen den auf die EU gemünzten Strafzöllen Trumps zu entkommen, verweist Grossbritannien in diesem Punkt darauf, dass das Vereinigte Königreich der EU nicht mehr angehört.

Um Trump freundlich zu stimmen, überbrachte Starmer bei seinem Besuch ausserdem die Einladung zu einem zweiten Staatsbesuch in Grossbritannien mit allen Ehren und jeder Menge höfischen Zeremoniells. Bekannt ist, dass Trump eine Schwäche für die Royals hat. Unter anderem soll ihm angeboten werden, von König Charles und Königin Camilla im schottischen Schlösschen Balmoral bewirtet und untergebracht zu werden und von dort zu einem seiner schottischen Golfplätze zu reisen für einen entspannten Tag.