Meistgesuchte Hochstaplerin des FBIHat die bulgarische Mafia die «Crypto-Queen» ermordet?
Ruja Ignatowa hatte sich im Windschatten des Bitcoin-Booms Milliarden ertrogen. Dann ist sie verschwunden. Jetzt suggeriert ein Medienbericht: Ihr Security-Verantwortlicher war ein bulgarischer Mafiaboss.
Es sind auch solche Räuberpistolen, die Anleger und Investoren bei Kryptowährungen noch vorsichtig sein lassen: 2017 flog das ausgeklügelte Schneeballsystem von One Coin auf, Millionen von Menschen waren auf die falschen Versprechen von Gründerin Ruja Ignatowa hereingefallen. Sie hatten, angestachelt durch die ersten märchenhaften Erträge von frühen Bitcoin-Investoren, innert dreier Jahre über vier Milliarden Dollar in die neue Kryptowährung der bulgarischen Oxford-Absolventin gepumpt.

Doch die Regeln von One Coin waren nur zum Schein, im Hintergrund manipulierte die «Crypto-Queen» die Kurse nach Belieben. Dann, im September 2017, bestieg Ignatowa in Sofia einen Flieger nach Athen – und wurde zusammen mit dem Geld nie wieder gesehen. Später wurde bekannt, dass das FBI und der deutsche Geheimdienst kurz vor einem Zugriff standen. Die Hochstaplerin ist heute «FBI’s most wanted woman», Gerüchte um ihren Tod kursieren seit Jahren. Jetzt zeigt eine BBC-Recherche: Ihre Verbindungen zur organisierten Kriminalität waren wohl viel enger als gedacht.
Ein Mafiaboss als Security-Chef
Mehrere Quellen von verschiedenen Behörden bestätigen, dass es sich bei Ignatowas persönlichem Security-Chef wohl um Hristoforos Nikos Amanatidis, Spitzname «Taki», gehandelt haben soll. Taki gilt als Kopf einer bulgarischen Mafiaorganisation, ihm werden unter anderem Betrug, Mord und Drogenhandel im grossen Stil vorgeworfen. Er gilt als eng mit der Politik verstrickt, ein einheimischer Minister bezeichnet ihn im Bericht als «Geist».

Das deckt sich mit einer Aussage von Anwälten der US-Regierung aus dem Jahre 2019: «Wir haben Beweise dafür, dass ein sehr bedeutender, wenn nicht sogar der produktivste Drogenhändler aller Zeiten in Bulgarien eng mit One Coin verbunden war – er diente als [Ruja Ignatowas] persönlicher Wachmann.»
Es ist nicht klar, wann oder wie die Zusammenarbeit zwischen der Krypto-Hochstaplerin und dem Mafiaboss begann. Mehrere Quellen sprechen aber von einem engen Verhältnis, er soll der Pate ihrer Tochter gewesen sein. Europol-Ermittler gehen davon aus, dass Taki über Ignatowas Kryptowährung Hunderte Millionen Dollar gewaschen haben soll. Zudem gibt es Immobiliengeschäfte zwischen Briefkastenfirmen der beiden.
Schicksal von Ruja Ignatowa bleibt unklar
Auch ob und wie die Beziehung endete, ist unbekannt, weil beide verschwunden bleiben. Ein alarmierender Polizeibericht eines Informanten beschreibt aber, wie Takis Schwager betrunken einen Mord an Ruja Ignatowa beschreibt. Sie sei Ende 2018 auf Takis Befehl hin erschossen, zerstückelt und von einer Jacht ins Ionische Meer geworfen worden.
Dem widerspricht, dass die Behörden noch 2022 glaubten, Ignatowas Versteck in Griechenland gefunden zu haben. Doch der Zugriff sei «nicht erfolgreich» gewesen, wird aus dem Bericht zitiert. Ruja Ignatowa bleibt verschwunden und somit zumindest vorübergehend auch die meistgesuchte Hochstaplerin der Welt.
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