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Meinung

Politkolumne
Was macht erfolgreiche politische Leader aus?

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Im November entscheiden die USA nicht nur zwischen einer «woman of color» und einem weissen Mann, zwischen links und rechts, zwischen politischer Bilderbuchkarriere und einstigem Quereinsteiger, sondern auch zwischen zwei unterschiedlichen Charakterköpfen für das Präsidentschaftsamt.

Im Wesentlichen sind es drei Fähigkeiten, die erfolgreiches Regieren in etablierten Demokratien ausmachen: Erstens braucht es Führungsstärke («leadership»): die Fähigkeit, vorausschauend strategische Ziele festzulegen und andere Akteure wie das Parlament und das Volk mit Überzeugungskraft zu führen. Zweitens bedarf es einer kompetenten Ausstrahlung: jemand, der oder die fähig ist, fachübergreifendes Wissen zu verknüpfen, kritisch zu prüfen sowie in konkreten Zusammenhängen anzuwenden. Und drittens ist hohe soziale und emotionale Intelligenz vonnöten. Hier geht es darum, den politischen Feind und Freund gleichermassen verstehen zu können, auf sie zuzugehen und gemeinsam nach fairen Lösungen zu suchen.

Das Psychogramm präsidialer Macht

Mehr als 100 Historiker haben unter der Leitung der beiden Psychologen Steven J. Rubenzer und Thomas R. Faschingbauer die Persönlichkeitsprofile aller ehemaligen US-Präsidenten analysiert. Während etwa Bill Clinton einerseits für seine Wärme und Offenheit anderen gegenüber bekannt ist, zeichnet ihn andererseits auch eine geringe Gewissenhaftigkeit und wenig Selbstdisziplin aus. Dagegen ist Barack Obama für einen Politiker relativ introvertiert, emotional sehr ausgeglichen, gewissenhaft und mit starkem analytischem Intellekt gesegnet. Schliesslich kombiniert Joe Biden eine starke Geselligkeit mit einem hohen Grad an Extraversion und Kooperationsbereitschaft. Trotz aller Unterschiede fanden die Forschenden auffällige Gemeinsamkeiten über alle US-amerikanischen Präsidenten hinweg. Im Vergleich zum amerikanischen Volk sind sie deutlich extravertierter und gewissenhafter. Gleichzeitig sind sie aber meist fordernder im Umgang mit anderen.

Weiter zeigt sich: Aussergewöhnlich erfolgreiche US-Präsidenten sind erwiesenermassen besonders offen für neue Erfahrungen. Auch weisen sie ein hohes Durchsetzungsvermögen auf, verspüren viele positive Emotionen und legen eine grosse Selbstdisziplin an den Tag. 

Ähnliche Institutionen, ähnliche Spitzenpolitiker?

Wie sieht es nun in der Schweiz aus, der «sister republic» der Vereinigten Staaten, deren politisches System ursprünglich nach US-Vorbild erschaffen wurde? Steht der Charakter auch bei den Bundesräten in einem systematischen Zusammenhang mit ihrem Leistungsausweis? In der Tat besteht eine Tendenz, dass eine hohe Verträglichkeit positiv mit dem Anteil der Abstimmungserfolge korreliert. Umgekehrt gelingt es besorgten Landesvätern und -müttern, denen es eher unwohl in der Gegenwart anderer Menschen ist, offenbar schlechter, die Bevölkerung an der Urne von den Vorlagen ihres Departements zu überzeugen. Häufigere Niederlagen im direktdemokratischen Test sind die Folge.

Auch bei der Wahl ins Bundespräsidium, dem eigentlichen Karrierehöhepunkt hiesiger Magistraten, fällt der «Faktor Persönlichkeit» ins Gewicht. Je offener nämlich ein Bundesratsmitglied für neue Erfahrungen ist, umso höher ist seine Stimmenzahl bei der Erstwahl zum Primus inter pares. Bemerkenswerterweise ist Offenheit für neue Erfahrungen jene Persönlichkeitseigenschaft, die auch bei US-Präsidenten am stärksten mit ihrem Erfolg in Übereinstimmung steht. Dieses Persönlichkeitsmerkmal geht bei US-Präsidenten zudem stark mit intellektueller Brillanz einher.

Verfügen nun Harris oder Trump über die Charakterzüge für eine erfolgreiche Amtsführung im Weissen Haus? Urteilen Sie selbst, welche Wesenszüge besser zur nächsten US-Präsidentschaft passen: Während Kamala Harris gemäss der Persönlichkeitsanalyse von Experten als besonders durchsetzungsstark, charismatisch, ehrgeizig und kontaktfreudig gilt, ist Donald Trump ausserordentlich extravertiert, bemerkenswert unverträglich, impulsiv und sehr aggressiv. Zudem entsprechen sein starkes Streben, von anderen bewundert zu werden (Narzissmus), seine Tendenz, keine Reue zu zeigen und gefühllos zu sein (Psychopathie), ebenso wie sein manipulatives Wesen (Machiavellismus) nahezu idealtypisch den charakterlichen Eigenschaften, die eine sogenannte dunkle Persönlichkeit ausmachen.

Der Politologie-Professor Adrian Vatter und die promovierte Politologin Rahel Freiburghaus von der Universität Bern überprüfen gängige Annahmen zu politischen Themen im Licht der politikwissenschaftlichen Forschung.