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Maserati GT2 Stradale
Ein Rennwagen für die Autobahn

Blauer Maserati Supersportwagen fährt auf einer Rennstrecke bei Sonnenaufgang.
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Die Welt der Supersportwagen ist überschaubar geworden. Viele PS-Heroen dürfen von Amtes wegen nicht auf öffentliche Strassen. Doch es gibt Ausnahmen: In der Liste von Hypercars mit Strassenzulassung finden sich bekannte Namen wie der Bugatti Chiron Super Sport 300+, der Ferrari SF 90 Stradale oder der Lamborghini Huracán STO. Allen gemeinsam sind die horrenden Preise, die die massenhafte Vermehrung im öffentlichen Verkehr zum Glück verhindern. Obwohl der neue Maserati GT2 Stradale mit seinem Startpreis von rund 330’000 Franken vielleicht bei den Superreichen dieser Welt als Schnäppchen durchgehen und Begehrlichkeiten wecken dürfte.

Trotz Strassenzulassung beginnt die Testfahrt dennoch auf einem Racetrack. Beim Beschleunigen von der Boxengasse auf die Strecke hinaus ist der Umgang mit dem rechten der beiden Pedale entsprechend respektvoll. Die kleinste Berührung lässt den Dreiliter-V6-Motor mit Doppelturbo sanft vibrieren, sendet wohlig kraftvollen Sound in den Innenraum, erster Druck baut sich in den Schalen der Sportsitze auf. Es warten viele unzählige Kurven und Biegungen auf der gut fünf Kilometer langen privaten Rennstrecke in der bergigen Nähe von Ronda oberhalb von Malaga. Das also wird der Spielplatz der künftigen Besitzer des Maserati.

Eleganz trifft Rennsport

Der Stradale stammt zwar von einem echten Rennwagen ab, bietet aber schon auf den ersten Metern in seinem Innenleben wohnlich anmutenden Komfort und Luxus für all jene, die keine Sportfahrerschule absolviert haben und auch keine speziellen Fähigkeiten nachweisen müssen. Maserati weist dem Modell die Rolle eines Bindeglieds zwischen den zwei Wesensmerkmalen der Marke zu: Eleganz trifft Rennsport, der Neuling ist mit seinen 471 kW/640 PS der stärkste Verbrenner mit dem Dreizack, der auf öffentliche Strassen darf.

Nur der rein elektrisch angetriebene Maserati GranTurismo Folgore mit seinen drei E-Motoren, die zusammen 570 kW/775 PS liefern, läuft ihm dabei den Rang ab. Doch bis der typische Maserati-Kunde bereit ist, auf einen geräuschlosen Sportwagen umzuschwenken, muss der Papst wohl evangelisch werden.

Sportwagen mit grossem Heckflügel fährt auf einer Strasse, Bäume im Hintergrund bei Sonnenuntergang.

Das Erlebnis der Kurvenhatz hält, was die nüchternen Zahlen im Datenblatt versprechen. Die Lenkung ist leichtgängiger als vermutet, liefert aber dennoch die nötige Spurtreue, die Karbonbremsen vernichten zuverlässig vor dem Einlenken am Kurvenanfang die Power aus der Geraden. Wieder auf sicherem Geläuf fasziniert die Spurtkraft, die auf Gedenksekunden beim Gasgeben verzichtet. Der Sportler absolviert die Prüfung auf 100 km/h in 2,8 Sekunden. Auf das Austesten der versprochenen Spitze von 324 km/h haben wir mit Rücksicht auf fehlende Streckenkenntnis und drohenden Wertverlust durch fehlendes Talent eines Profis verzichtet.

Vertraute Normalität im Alltag

Bleibt die Erkenntnis, dass der GT2 auch als Stradale hält, was die Preisliste verspricht. Gerade dann, wenn die üblichen Rettungsanker der elektronischen Assistenten nicht ausgeschaltet werden. Denn auf der Landstrasse hinunter gen Costa del Sol bewegen wir uns dann im richtigen Leben eines Strassenautos, sorgen innerhalb der Verkehrsregeln für neugierige Blicke auf den Boliden.

Standesgemäss öffnen beim Parkstopp die Schmetterlingstüren gen Himmel, ermöglichen rückenschonendes Ein- und Aussteigen. Der Blick geht auf modernes Navi mit Apple-Carplay-Optik. Das schafft vertraute Normalität im Alltag. Die technische Feinarbeit der Aerodynamik und der Luftzufuhr dank Einströmung vom Bug und der seitlichen Kühl-Öffnungen oberhalb der Hinterachse kommt auf der Landstrasse weniger zum Tragen als irgendwann einmal auf der linken Spur einer deutschen Autobahn.

Innenansicht eines Autos mit einem Maserati-Logo auf dem Lenkrad, umgeben von modernen Bedienelementen und einem digitalen Display.

Vor der Rückgabe des Testwagens schleichen sich dann doch Anflüge eines schlechten Gewissens ins Gehirn. Sind solche Autos noch zeitgemäss, was steht noch mal im Pariser Klimaabkommen, was nützt die heimische Wärmepumpe, wenn so ein Renner pro 100 Kilometer 265 Gramm CO₂ in die Luft bläst? Da beruhigt es schon, dass nur 914 Stück des Maserati GT2 Stradale gebaut werden, die dann weltweit verteilt werden und vermutlich nur wenig Auslauf bekommen. Doch die Faszination des technischen Meisterstücks aus Italien ist unbestritten, es sei den Wohlhabenden auf der Sonnenseite des Lebens gegönnt.