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Eindeutig zweideutiger Influencer
Der König des «Foodporn» träumt von einem eigenen Restaurant in Zürich

Ein Koch in weisser Uniform mit verschränkten Armen hält ein Messer vor einem dunklen Hintergrund.
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In Kürze:
  • Cedrik Lorenzen ist ein «Foodporn»-Influencer mit über 14 Millionen Followern.
  • Trotz extrovertiertem Auftritt bezeichnet er sich selbst als introvertiert.
  • Der Influencer träumt von einem eigenen Restaurant in Zürich.

Egal, ob er eine Zitrone auspresst, Erdbeeren mit dem Stabmixer püriert oder eine Crème aus einem Spritzbeutel drückt – seine Videos sind eindeutig zweideutig. Mit kurzen Koch-Clips ist Cedrik Lorenzen in den sozialen Medien zu einem der bekanntesten Influencer avanciert.

Seine Nische: «Foodporn».

Will heissen: Der Schweiz-Australier gibt seine Kochkünste in nicht sehr jugendfreier Manier zum Besten. Er leckt sich genüsslich die Finger ab, lässt Säfte und Saucen lasziv über Zutaten tropfen – und manchmal steht er während eines Drehs plötzlich ohne Hemd da.

Den Massen gefällt das: Auf Instagram folgen Lorenzen 4,6 Millionen Menschen, auf Tiktok 5,8 Millionen, auf Facebook 2,7 Millionen und auf Youtube 1,5 Millionen. Macht total 14,6 Millionen.

Der 30-Jährige wuchs in der Schweiz auf und absolvierte nach einem Aufenthalt in Australien die Hotelfachschule in Lausanne. «Während meines Studiums an der Hotelfachschule fing ich an, Inhalte auf den sozialen Medien zu posten», erzählt er. «Um das Jahr 2020 gingen meine Inhalte erstmals viral.»

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Influencer zu sein, sei allerdings gar nicht unbedingt sein Ziel, sagt Lorenzen: «Ich will ein Restaurant eröffnen.» Die sozialen Medien wolle er als Sprungbrett nutzen, um Rezeptideen auszuprobieren und Aufmerksamkeit zu generieren.

Eigentlich ganz schüchtern

Trotz des überaus selbstbewussten Bilds, das er in den sozialen Medien abgibt, bezeichnet sich Cedrik Lorenzen als introvertiert: «Ich spreche im Gegensatz zu anderen ungern vor der Kamera.» Aber welches Zielpublikum hat er vor Augen, wenn er oben ohne kocht? Männer, Frauen? «Das spielt keine Rolle. Ursprünglich wollte ich im Gesundheits- und Fitnessbereich Fuss fassen und Sport- und Ernährungstipps geben.» Aber dann sei seine Leidenschaft für das Kochen stärker gewesen. Er sei schon immer gerne am Herd gestanden. Wenn er jemanden beeindrucken wolle, bereite er ein gutes Essen zu.

Sein Privatleben kommentiert Lorenzen nicht. Aus Sicherheits- und Datenschutzgründen ziehe er es vor, nicht zu verraten, wo er wohne. «Ich teile meine Videos und Rezepte. Das ist alles. Mein sonstiges Leben soll privat bleiben.» Man könne in den sozialen Medien schnell gecancelt werden, und dieses Risiko wolle er nicht eingehen.

Seine anzüglichen Videos stossen immer wieder auf Kritik – auch wenn sich die Anzüglichkeit vor allem in den Köpfen des Publikums abspielen. Lorenzen sagt dazu: «Es wurde mir schon oft vorgeworfen, keine kindergerechten Inhalte zu produzieren. Es ist aber nicht meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Kinder nicht auf meine Videos stossen, sondern die der Eltern.»

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Auch was sein Einkommen betrifft, hält sich der Influencer bedeckt. Er könne aber seinen Lebensunterhalt mit den gesponserten Inhalten und dem Verkauf von Merchandising-Produkten bestreiten.

«Eine Frau, die sich so präsentiert, wie ich es tue, wird beschimpft»

Ein Teil des weiblichen Publikums wirft Cedrik Lorenzen vor, grundlos bestimmte Gesten zu sexualisieren. «Meine Videos sind auch eine Möglichkeit, die Doppelmoral unserer Gesellschaft anzuprangern», sagt er dazu. «Mir ist bewusst, dass eine Frau, die sich in den sozialen Medien so präsentiert, wie ich es tue, beschimpft wird. Das finde ich total daneben. Respekt und Gleichstellung zwischen den Geschlechtern sind mir sehr wichtig.»

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Sein zukünftiges Lokal sieht Cedrik Lorenzen in Zürich: «Das ist die kompetitivste Stadt der Schweiz. Anderswo gibt es zu wenig Konkurrenz, das wäre zu einfach.» Und wie sieht sein kulinarisches Konzept aus? Momentan sei noch alles offen, sagt er.

Millionen Follower verfolgen seine Kochkünste in den sozialen Medien, doch wie viele Menschen konnten seine Gerichte schon in echt probieren? «Meine Küche bleibt noch ein Geschäftsgeheimnis», sagt er lachend. «Wenn ich mein erstes Restaurant eröffne, kann man sich selber überzeugen, ob meine Kochkünste echt sind oder nur auf dem Bildschirm funktionieren.»

Aus dem Französischen übersetzt von Marina Galli