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Reaktionen zum TV-Duell
Höchste Alarmstufe bei den Demokraten nach Biden-Flop

President Joe Biden speaks during a presidential debate with Republican presidential candidate former President Donald Trump, Thursday, June 27, 2024, in Atlanta. (AP Photo/Gerald Herbert)
Joe Biden
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US-Präsident Joe Biden wirkte bei der TV-Debatte teils nervös und erschöpft. Für seine Berater schienen schlimme Befürchtungen wahrzuwerden. Mitunter schien er den Faden zu verlieren, gab mäandernde Antworten und war schlecht zu verstehen. Mit Fortschreiten des TV-Duells begann der Präsident, klarer zu sprechen. (Lesen Sie weiter: Biden vs. Trump – das TV-Duell in 6 Punkten)

«Ich denke, da gab es tatsächlich ein Schockgefühl darüber, wie er am Anfang der Debatte auftrat, darüber, wie seine Stimme klang», sagte David Axelrod, ein langjähriger Berater von Ex-Präsident Barack Obama, im CNN-Interview über Biden. «Er schien ein wenig desorientiert zu sein. Er wurde zwar stärker im Laufe der Debatte, aber zu diesem Zeitpunkt hatte, wie ich finde, schon Panik eingesetzt.»

Bidens «DEFCON1»-Moment: Höchste Alarmstufe

Führende Strategen der Partei erwarten nun eine interne Debatte über die Frage, ob der 81-jährige Präsident seine Kampagne fortsetzen sollte. Van Jones, ein bekannter Stratege der Demokraten, sagte bei CNN über Bidens Leistung: «Er hat sich überhaupt nicht gut geschlagen.» Auch Bidens Ex-Kommunikationschefin Kate Bedingfield sprach von einer «wirklich enttäuschenden» Performance des 81-Jährigen. Obamas früherer Wahlkampfmanager David Plouffe sprach im Sender MSNBC unter Verweis auf die höchste Alarmstufe beim US-Militär gar von einem «DEFCON1»-Moment für die Demokraten.

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US-Vizepräsidentin Kamala Harris hingegen verteidigte Biden. «Ja, da war ein holpriger Start, aber auch ein sehr starker Schluss», sagte Harris am Donnerstag beim Fernsehsender CNN. Man habe einen Präsidenten erlebt, der einen starken Kontrast zu seinem Konkurrenten gezeichnet habe, und Trump habe «wieder und wieder» gelogen. «Die Menschen können über den Stil diskutieren, aber am Ende muss diese Wahl von Substanz handeln», sagte Harris. Sie erlebe Biden seit dreieinhalb Jahren im Weissen Haus als Mann, der erfolgreiche Arbeit für das amerikanische Volk leiste, sagte die Vizepräsidentin.

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Wie die internationalen Medien reagieren

Das weltweite Medienecho war für Joe Biden durchzogen. So schreibt die BBC aus London: «Vor dem Donnerstagabend hatten viele Amerikaner ihre Sorgen über Joe Bidens Alter und Eignung fürs Amt geäussert. Zu sagen, dass diese Debatte diese Sorgen nicht gerade zum Schweigen brachte, wäre wohl eine der grössten Untertreibungen des Jahres.»

Und beim britischen «Guardian» heisst es: «Joe Biden, offensichtlich erkältet, murmelte sich durch die Debatte und konnte seine eigentlich elegant formulierten Sätze nicht treffsicher anbringen. Donald Trump, ein produktiver Verbreiter von Unwahrheiten, erzählte wiederholt Lügen und vermied es, auf schwierige Fragen zu antworten.»

«Le Monde» aus Frankreich schreibt: «Mit heiserer Stimme, stotternd und ohne die Sätze zu beenden, gelang es Joe Biden nicht, die Bedenken wegen seines Alters (81) zu zerstreuen. Der 78-jährige Donald Trump wirkte kämpferischer.»

Hochrangige Vertreter der Demokraten würden nun erwägen, zum Weissen Haus zu gehen und den Präsidenten öffentlich zu einem Rücktritt aus dem Rennen aufzufordern, sagte der CNN-Chefkorrespondent John King. «Die Debatte war ein Game-Changer», so King.

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Derweil rief der Gourverneur von Kalifornien Gavin Newsom die Demokraten dazu auf, sich für Biden einzusetzen. «Man wendet sich nicht von diesem Präsidenten ab aufgrund eines einzigen Auftritts. Welche Partei macht das?» Gegenüber MSNBC bestärkte Newsom, dass die Frage nach Bidens Rücktritt nicht hilfreich sei. «Biden hat geliefert, jetzt müssen wir für ihn liefern.»

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Aber gibt es überhaupt eine Option, Biden aus dem Rennen zu nehmen? Theoretisch ja. Ende August treffen sich die Demokraten zu einem Krönungsparteitag in Chicago – eigentlich um Biden offiziell als ihren Präsidentschaftskandidaten zu nominieren. Doch dort könnte die Partei noch kurzfristig umsatteln und einen neuen Kandidaten festlegen.

Biden müsste dafür allerdings aus freien Stücken aussteigen, denn er hat formal die Vorwahlen seiner Partei gewonnen, und an deren Ergebnisse sind die Delegierten beim Parteitag vorerst gebunden. Biden könnte aber etwa gesundheitliche oder familiäre Gründe geltend machen, um sich gesichtswahrend zurückzuziehen. Ob er dazu bereit wäre, ist fraglich.

Für Harris ist es zu spät

Das noch grössere Problem: Einen echten Plan B hat die Partei nicht. Sie hat es versäumt, einen Nachfolger aufzubauen. Das muss sich allen voran auch Biden zum Vorwurf machen lassen.

Die natürliche Nachfolge wäre Kamala Harris gewesen. Doch sie blieb in ihrem Vizepräsidentenamt bislang blass, ist kaum sichtbar und hat selbst mit miesen Beliebtheitswerten zu kämpfen. Da sie als erste Frau und erste Schwarze auf das Amt aufgerückt ist, wäre es aber schwierig gewesen, an ihr vorbei einen Ersatzkandidaten zu etablieren. Und nun ist es zu spät.

Auch wenn die Option des Biden-Exits theoretisch denkbar wäre, so wäre die Angelegenheit politisch wohl eher aussichtslos. Einen anderen Demokraten innerhalb von vier Monaten auf nationaler Bühne als Alternative für das Präsidentenamt zu etablieren, der ähnlich bekannt ist wie Trump, scheint kaum möglich.

DPA/AFP