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Meinung

Wie viel Sicherheiten braucht die Bank?
UBS gegen Bund: So eine Kampagne hat die Schweiz noch nie gesehen

Eine Schalterhalle mit Hinweisschildern für UBS und Credit Suisse zeigt den Beginn der Fusion der beiden Banken in Basel am 13. Januar 2025.
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Die Kadenz nimmt zu. Seit einigen Tagen macht die UBS im In- und Ausland vermehrt Schlagzeilen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, dass die UBS mit dem Gedanken spiele, den Hauptsitz ins Ausland zu verlegen, wenn die Schweiz ihre Forderungen an die Grossbank nicht beschränkt. Auch wenn daran wenig dran sein dürfte. Wenige Tage später legte mit Reuters eine weitere Agentur nach: Die UBS bringe einen Kompromissvorschlag ins Spiel, um dem Bund entgegenzukommen.  

Wer dahinter eine bewusste Strategie vermutet, liegt wohl nicht falsch. Für die Bank stehen entscheidende Wochen an. Anfang Juni wird der Bund in Eckwerten bekannt geben, wie viel Kapital die Grossbank zusätzlich aufbauen muss, um für den Krisenfall gewappnet zu sein. Im Vordergrund steht die Frage, wie stark die ausländischen Tochtergesellschaften künftig kapitalisiert sein müssen. 

Was nach einem technischen Detail tönt, ist für die Grossbank ein entscheidender Punkt. Ihre Aktionäre fürchten, dass die Bank bei strengen Vorgaben, wie sie FDP-Finanzministerin Karin Keller-Sutter vorsieht, zwar für eine Krise besser gerüstet sein mag - dass sie aber gegenüber der internationalen Konkurrenz einen Nachteil bekommt. Dies, weil sie aufgrund der steigenden Kapitalkosten schlicht zu teuer wird und dadurch die Wertpapiere der UBS unattraktiv werden. 

Anzeichen für diesen Effekt zeigen sich bereits heute an der Börse: Während andere europäische und auch US-Bankaktien in den letzten Monaten deutlich zugelegt haben, fallen die UBS-Aktien ab. Die Investoren machen daher Druck auf die UBS-Chefs, und die Bank muss ihnen Antworten liefern – und zwar schnell.

Doch geht das nicht, denn der politische Prozess in der Schweiz ist langsam. Für die UBS ist das eine schwierige Ausgangslage. 

Wenn Lobbying als Erpressungsversuch wahrgenommen wird

Die Grossbank wirft daher alles in die Waagschale. Statt Bankchef Sergio Ermotti das maximal mögliche Salär von rund 20 Millionen Franken zuzusprechen, fällt es mit 14,9 Millionen Franken fast schon bescheiden aus. Im Bundeshaus heisst es, dass die Bank mit diesem Schachzug für gute Stimmung im Parlament sorgen und einer schädlichen Abzockerdebatte vorbeugen wollte, die sich wohl auch auf die Diskussion um das Kapital ausgewirkt hätte. Dass im März trotzdem noch eine Debatte um Bankerlöhne entbrannte, geht auf die unerwartete Zustimmung des Ständerats zu einem Vorstoss von Jakob Stark (SVP) für einen Lohndeckel bei 5 Millionen Franken zurück. 

Im Ausland hat die Grossbank ihr Powerplay weiter verstärkt. Offiziell hat die UBS die Drohung mit dem möglichen Wegzug bislang nicht ausgesprochen. Bankennahe Kreise haben das Thema aber gezielt in den Medien lanciert. Ergänzt wurde es kurz darauf mit dem Argument, dass die Schweizer Grossbank von einem Konkurrenten geschluckt werden könnte, wenn die Bank zu starke Auflagen erhält. 

Zudem liess das Unternehmen den folgenden Vorschlag in Umlauf bringen: Sollte die Schweiz Hand bieten und bei den Kapitalanforderungen zurückbuchstabieren, wäre die UBS kompromissbereit und würde das Wachstum der gemeinhin als riskant geltenden Investmentbank beschränken. 

Diese Botschaften mögen bei den ausländischen Aktionären gut ankommen. Für die UBS ist die Strategie aber riskant. Denn das massive Lobbying sorgt in der Schweiz für Ärger. Es wird teilweise gar als Erpressungsversuch wahrgenommen. 

Der Bund ist kein Promotor, er setzt die Regeln

Unter SVP-Bundesrat Ueli Maurer sah sich das Finanzdepartement als Dienstleister der Finanzbranche; und die Finanzmarktaufsicht wollte Maurer als Promotorin für den Finanzplatz positionieren. Unter Maurers Nachfolgerin Karin Keller-Sutter hat sich das geändert. Sie bleibt hart und betont immer wieder, dass die UBS mehr Kapital brauche, um für eine allfällige Krise gerüstet zu sein. 

Für die UBS ist das unangenehm. Sie möchte unbedingt schon im Frühstadium auf das Regelwerk einwirken. Doch geschrieben wird es vom Bund – nicht von der Finanzindustrie. Sie ist daher gut beraten, darauf zu warten, wie der Vorschlag des Bundesrats aussieht – und sich dann im Rahmen des politischen Prozesses wie alle Interessengruppen regulär einzubringen. 

Das ist richtig so. Denn durch die schiere Grösse der UBS ist die Schweiz ihr ausgeliefert – sie kann es sich schlicht nicht erlauben, einen schnellen Deal einzugehen.