Rückzug aus dem Weissen HausBericht: Trump erzählt seinen Vertrauten, dass Elon Musk bald zurücktritt
Elon Musk soll sich offenbar bald als oberster Sparkommissar der USA zurückziehen und sich wieder seinem Business-Imperium widmen. Überraschend wäre dies nicht.

Seit Monaten ist Elon Musk nahezu täglich zu sehen, sehr häufig in der Nähe von Donald Trump. Vor allem seit dessen Amtsantritt am 20. Januar, denn danach wurde der mutmasslich reichste Mensch der Welt zu seinem obersten Sparkommissar. Musk leitet das damals gegründete Department of Government Efficiency, die Abteilung für Regierungseffizienz, kurz Doge. Doch wenn die Meldung des Magazins «Politico» stimmt, dann soll sich Musk künftig deutlich weniger oft an der Seite des US-Präsidenten zeigen.
Aus Trumps engstem Zirkel habe man erfahren, «dass Musk bald gehen wird», gab das Portal am Mittwochnachmittag bekannt. Der US-Präsident sei nach wie vor zufrieden mit ihm, «aber beide Männer haben in den letzten Tagen entschieden, dass es für Musk bald an der Zeit sein wird, zu seinen Unternehmen zurückzukehren und eine unterstützende Rolle zu übernehmen». Demnach werde der Unternehmer seine offizielle Position in den kommenden Wochen aufgeben, derzeit ist er Sonderangestellter der Regierung.
Laut dem Bericht habe Trump bereits bei einer Kabinettssitzung am 24. März mitgeteilt, dass Musk aus der Verwaltung ausscheiden werde, zumindest offiziell. Formell überraschend wäre die Rückkehr in den Hauptberuf als Besitzer oder Teilhaber von Firmen wie X, Tesla und Spacex keineswegs, im Prinzip läuft die Teilzeit im Weissen Haus nach 130 Tagen aus. Allerdings hiess es noch Ende Februar, Musk sei da, um zu bleiben.
Musk, der Dauergast
Seitdem hat der südafrikanisch-kanadische US-Amerikaner seinen Auftrag fortgesetzt, massenweise Staatsbedienstete feuern und Behörden weitgehend auflösen zu lassen. Es traf erst die Hilfsorganisation USAID, später unter anderem das Bildungsministerium. Betroffene und ihre Angehörigen belastet das schwer, diesen Ärger bekommen auch Abgeordnete und Senatoren in ihren Wahlkreisen zu spüren. Ausserdem wuchs offenbar die Kritik bei Ministern, obwohl Musk auch immer wieder bei Regierungsversammlungen auftaucht, gerne mit Maga-Käppi, Make America Great Again.
Ansonsten ist er ausser im Weissen Haus häufig in Mar-a-Lago, wo Trump immer wieder übers Wochenende hinfliegt. Und zuletzt machte der Multimilliardär Werbung für einen republikanischen Juristen in Wisconsin und spendierte für dessen Wahlkampf je nach Rechnung 20 bis 25 Millionen Dollar – es gewann allerdings die von den Demokraten unterstützte Gegnerin Susan Crawford. Die liberale Richterin zieht in den Obersten Gerichtshof des Bundesstaates ein, obwohl Musk und Trump in einer Weise vor ihr gewarnt hatten, als stünde die Zukunft des Abendlandes auf dem Spiel.

Die Niederlage dürfte Musks Rolle in Kreisen der Republikaner nicht gestärkt haben. Besonders vergleichsweise gemässigte Parteimitglieder haben schon länger den Eindruck, dass es vor allem in den umkämpften Swing-States kontraproduktiv sein könnte, wenn Musk einerseits mit der Kettensäge herumfuchtelt und andererseits Millionenschecks verschenkt. Zwei davon verloste er in Wisconsin an Wähler, die seine Petition gegen «aktivistische Richter» unterzeichnet hatten, einen davon erwischte der Vorsitzende der College Republicans of Wisconsin.
Gleichzeitig ist und bleibt Musk auf diese Weise ein begehrter Wahlkämpfer, weil er halt unfassbar viel Geld und über sein Netzwerk X mit allein 218,6 Millionen Followern jede Menge Einfluss hat. Seine Verteidiger argumentieren nun laut «Politico», dass es einfach Zeit für einen Wechsel sei. Es gäbe, ohne noch grössere Schäden nicht mehr viel zu kürzen, wobei die radikale Fraktion den Kahlschlag gerne fortsetzen möchte.
Musk, der Dauer-Tweeter
Andere sagten, Musk sei «eine unberechenbare, unkontrollierbare Kraft» und tue sich schwer, seine Pläne mit den Kabinettsmitgliedern und Leuten wie Trumps Stabschefin Susie Wiles zu teilen. Immer wieder sorgen seine Kommentare auf X für Aufregung, das ist bei Trump auf Truth Social gleichwohl ähnlich. Wie er Institutionen zerlegen will, das teilt Musk gerne im Internet mit, was Bereichsleitern missfällt.
Das Chaos schien Trump bisher wenig zu stören, im Gegenteil. Er liess Musk vor dem Weissen Haus sogar seine Teslas ausstellen, wie ein Autoverkäufer. Oder wurde ihm Musk zu selbstständig, zu dominant, zu schwer zu steuern? Und jetzt? «Elon, ich möchte dir danken – ich weiss, dass du viel durchgemacht hast», sagte Trump kürzlich, sprach von Todesdrohungen und Vandalismus und nannte ihn «einen Patrioten» und «einen Freund von mir».
Ganz wird sich Musk nicht aus dem Dunstkreis von Trump wegbewegen
Am Montagabend erläuterte Trump dann, dass Musk irgendwann zu seinen Firmen zurückkehren wolle: «Er will es. Ich würde ihn so lange behalten, wie ich ihn behalten kann.» Musk selbst sagte vor einigen Tagen bei Fox News, dass er gehe, wenn sein Sonderstatus als Regierungsangestellter auslaufe, weil die Mission dann erfüllt sei. Man werde den grössten Teil der Arbeit, das Defizit um eine Billion Dollar zu reduzieren, erledigt haben.
Ganz aus der Umgebung von Trump wird Musk kaum verschwinden, das vermuten auch Quellen von «Politico». Die Regierungssprecherin Karoline Leavitt schreibt auf X, der Scoop sei Quatsch. «Elon Musk und Präsident Trump haben beide öffentlich erklärt, dass Elon aus dem öffentlichen Dienst als spezieller Regierungsangestellter ausscheiden wird, wenn seine unglaubliche Arbeit bei Doge beendet ist.» Trump war am Dienstag mit seinem «Liberation Day» beschäftigt, aber bei dieser Befreiung sollte es um Zölle gehen.
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