USA-Podcast «Alles klar, Amerika?»Ein Lebenszeichen der Demokraten
Die Richterwahl im Swing-State Wisconsin war der erste Test für Donald Trump. Die Allmachtsfantasien des US-Präsidenten erhielten einen Dämpfer.
Eigentlich ging es nur um einen Sitz am Obersten Gerichtshof von Wisconsin. Normalerweise interessiert eine solche Wahl nicht weiter ausserhalb des US-Bundesstaats im Rostgürtel. Doch dieses Mal handelte es sich um die erste grössere Wahl in den USA seit dem Amtsantritt Donald Trumps. So wurde der Urnengang in Wisconsin zum Stimmungstest mit Blick auf Trumps erste Monate im Weissen Haus und die Rolle von Techmilliardär Elon Musk in der Regierung. Dabei setzte sich die liberale Richterin Susan Crawford, die den Demokraten nahesteht, überraschend klar gegen ihren konservativen Kontrahenten Brad Schimel durch.
Teuerster Wahlkampf um einen Richterposten
Die Wahl war das teuerste Gerichtsrennen in den USA, mit Ausgaben von fast 99 Millionen Dollar, wie das Brennan Center for Justice ermittelte. Allein Elon Musk soll 18 Millionen aufgeworfen haben. Trumps wichtigster Berater war am Sonntag nach Wisconsin gereist, um Schimel zu unterstützen. In Green Bay, Wisconsin, sagte er, von dieser Wahl hänge das «Schicksal der Menschheit» ab. Musk überreichte auf der Bühne zwei Wählern Checks im Wert von einer Million Dollar, die nach Angaben Musks eine Petition gegen «aktivistische Richter» unterzeichnet hatten.

Trump deutete am Montag an, warum seine Regierung der Wahl so grosse Bedeutung beimisst: Das Gericht kann über Gesetze im Zusammenhang mit Wahlen entscheiden und Streitigkeiten über künftige Wahlergebnisse beilegen. «Wisconsin ist politisch ein wichtiger Staat, und der Oberste Gerichtshof hat viel mit den Wahlen in Wisconsin zu tun», sagte Trump im Oval Office gemäss der Nachrichtenagentur AP. Wisconsin war in den vergangenen Präsidentschaftswahlen ein umkämpfter und entscheidender Swing-State. 2016 gewann hier Trump, 2020 Joe Biden, 2024 wieder Trump. «Wisconsin zu gewinnen, ist eine grosse Sache», sagte der US-Präsident.
Überraschend klarer Sieg
Nun hat das Lager des Präsidenten verloren, Susan Crawford gewann mit 10 Prozentpunkten Vorsprung. Auch im Vergleich mit der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris im November schnitt sie deutlich besser ab. Crawfords Sieg ist das erste Lebenszeichen der Demokraten seit langem.
Ist das mehr als ein symbolischer Erfolg? Findet die notorisch zerstrittene Partei nun ein Rezept für den Umgang mit Trump? Und was bedeutet das Wahlergebnis für den US-Präsidenten, dessen Zustimmungswerte eher sinken? Darüber unterhält sich Christof Münger, Leiter des Ressorts International, mit Fabian Fellmann, dem USA-Korrespondenten des «Tages-Anzeigers», in einer neuen Folge des Podcasts «Alles klar, Amerika?».
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