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Algenblüte in grosser Höhe
Blutschnee in den Alpen – wie das Phänomen zu erklären ist

HANDOUT - Researchers sampling an algal bloom at Vanoise, France in June 2024.
Credit: Thomas Pauze


ACHTUNG: Frei nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Studie bei Nennung des Credits. Foto: Thomas Pauze
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In Kürze:
  • Blutschnee tritt häufig in den französischen Alpen, im Berner Oberland und im Wallis auf.
  • Die Grünalge Sanguina nivaloides färbt den Schnee im Frühjahr und Sommer rot.
  • Algenblüten entstehen auf Schneeflächen mit einer Schmelzdauer von mindestens 25 Tagen.
  • Klimawandel verlagert das Phänomen vermutlich in grössere Höhen mit weniger Fläche.

Grönland, Alaska, Antarktis: Der sogenannte Blutschnee wurde in verschiedenen Weltregionen nachgewiesen. Nun hat ein Forschungsteam das Vorkommen in den Alpen untersucht. Dabei ermittelte die Gruppe um Léon Roussel von der Universität Grenoble nicht nur die vorwiegend betroffenen Areale, sondern auch die Voraussetzungen für die Algenblüte, die den Schnee rot färbt.

Denn Algen gedeihen nicht nur in Seen, sondern auch in Schnee, wie die Gruppe in den «Proceedings» der US-amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften («PNAS») schreibt. Die Blüten können je nach Algenart verschiedene Farben bilden, etwa Rot, Braun oder Grün. In den Alpen geht das Phänomen demnach auf die Grünalge Sanguina nivaloides zurück, die im Frühjahr und Sommer rote Pigmente bildet.

Rote Schneealge auf dem Simplonpass.

Die Gruppe um Roussel ermittelte anhand von Satellitenbildern aus den fünf Jahren von 2018 bis 2022, wo Blutschnee in den Alpen hauptsächlich vorkommt. «Algenblüten sind in den Alpen ungleichmässig verteilt», schreibt sie. Häufig war das Phänomen demnach in den nördlichen französischen Alpen, im Berner Oberland und im Wallis sowie – in geringerem Ausmass – in Österreich im Ötztal und in den Hohen Tauern.

Lange Schneeschmelze als Voraussetzung

Überwiegend trat die Algenblüte in Höhen zwischen 1800 und 3000 Metern auf, tendenziell an nicht sehr steilen Süd- und Osthängen und jahreszeitlich im Juni häufiger als im Mai, Juli und August. Nur ein geringer Anteil – 5,5 Prozent – entfiel auf Gletscher. Zwar gab es deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Jahren, insgesamt scheinen die Algen aber relativ standorttreu zu sein.

Durch den Abgleich der Satellitenbilder mit meteorologischen Daten ermittelte das Team die Voraussetzungen für die Algenblüten: Wichtigste Bedingung ist demnach zum einen eine lange Dauer der Schneeschmelze von mindestens 25 Tagen, zum anderen das Vorhandensein von Wasser in der gesamten Schneesäule. Im Durchschnitt hatte die Schneeschmelze zu Beginn der registrierten Blüten 54 Tage gedauert, Wasser durchsickerte den Schnee im Mittel seit 49 Tagen.

Saharastaub liefert Nährstoffe

«Flüssiges Wasser im Schnee ist für die Algen aus zwei Gründen nötig», erläutert die Gruppe in «PNAS». «Erstens werden beim Schmelzen von Schnee Nährstoffe frei. Zweitens wird davon ausgegangen, dass Schneealgen-Arten während eines beweglichen Geissel-Zellstadiums in dem Wasser migrieren.» Wichtig scheint auch zu sein, dass der Boden nicht permanent gefroren ist – das passt zu der Beobachtung, dass Blutschnee in den Alpen oberhalb von 3000 Metern Höhe nur selten vorkommt.

Und es gibt einen weiteren Faktor: Staub aus der Sahara. Dieser Staub, der Nährstoffe wie Phosphor und Kalium enthält, sollte nicht zu wenig, aber auch nicht im Übermass vorhanden sein, vermutet die Gruppe. Denn zu viel Staub beschleunige die Schneeschmelze.

Dass der Klimawandel in den Alpen die Algenblüte verstärkt und dadurch vermehrt Schnee schmelzen könnte, glauben die Forscher nicht. Bei zunehmender Erderwärmung verlagere sich das Phänomen eher in grössere Höhen – wo aber wesentlich weniger Fläche zur Verfügung stehe.