Kommentar zu den Facebook FilesJetzt ist klar: Soziale Medien sind eine weltweite Bedrohung
Facebook präsentiert sich oft als harmlose Spielerei. Doch interne Papiere zeigen, dass das soziale Netzwerk für zahllose Menschen eine Gefahr ist. Die Politik muss dringend handeln.
Die Lektüre der Facebook Files hinterlässt ein Gefühl der Bedrohung. Eine durchschnittliche Schweizer Nutzerin, die ihren Freunden folgt und ab und zu ein schönes Foto postet, hat eine vollkommen harmlose Vorstellung von Facebook und der Tochterfirma Instagram. Man weiss zwar, dass die Algorithmen jedem etwas anderes zeigen. Aber man hat doch das Gefühl, die ganze Sache sei eher eine Spielerei.
Und dann liest man diese Studien aus dem Innern von Facebook, die fein säuberlich ausbreiten, was andere weltweit in ihren Apps sehen: Hass, Gewalt, Desinformation, gefährliche Seiten, die junge Menschen in Essstörungen treiben.
Die Sorge kommt dabei nicht primär von den teils fürchterlichen Posts in diesen Studien. Sie hat zwei tiefer liegende Gründe.
«Hektisch versuchen die Facebook-Ingenieure, die Geister zu bannen, und werden dabei von Krise zu Krise getrieben.»
Zum einen das Verhalten der Ingenieure von Facebook, die versuchen, diese hässliche Flut irgendwie aufzuhalten. Die Facebook Files hinterlassen den Eindruck, dass sie sich zwar redlich bemühen, aber handeln wie die Zauberlehrlinge. Hektisch versuchen sie, die Geister zu bannen, und werden dabei von Krise zu Krise getrieben. Sobald die Situation in Myanmar verbessert wurde, breitete sich der Hass in Äthiopien aus. Und so geht das weiter.
Doch richtig unheimlich wird es, wenn man sich vorstellt, dass Facebook für Abermillionen von Menschen auf der Welt praktisch die einzige Informationsquelle ist. Für viele kommt die Plattform vorinstalliert auf jedem neuen Handy. Sie ist dann schlicht «das Internet».
Und genau hier liegt das Problem. Viele westliche Nutzer informieren sich derzeit noch in privaten und öffentlich-rechtlichen Medien und können so Gerüchte aus Social Media überprüfen. Sie spüren keine Abhängigkeit von den Plattformen. Aber viele andere informieren sich nur über Social Media. Für sie sind Hass und Desinformation eine echte Gefahr. Deshalb muss die Politik hier mit aller Härte eingreifen.
Warum zum Beispiel die Betreiber der sozialen Medien nicht haftbar machen für das, was sie verbreiten, wie bei jedem traditionellen Medium? Dann würden der Hass und die Falschinformationen wohl zum ersten Mal wirklich von den Seiten verschwinden.
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