Wegen PandemiedefizitHorgner Altersheime verlangen von Oberrieden eine Viertelmillion
Nicht nur Horgen, sondern auch Oberrieden soll die Stiftung Amalie Widmer finanziell unterstützen. Die Stimmberechtigten entscheiden.

45 Mitarbeitende hatte die Stiftung Amalie Widmer im April 2021 entlassen. Grund für diesen Entscheid waren leer stehende Betten während der Corona-Pandemie, die die Stiftung monatlich bis zu einer halben Million Franken kosteten. Doch diese Massnahme reichte nicht: Die Stiftung, die drei Alterseinrichtungen in Horgen betreibt, benötigt aufgrund eines Pandemie-Defizits Geld von den Gemeinden.
Mit rund 240’000 Franken soll sich auch die Gemeinde Oberrieden an den Fixkosten für die Jahre 2020 und 2021 beteiligen. Darüber wird an der Gemeindeversammlung vom 7. Dezember abgestimmt.
Vertragsunterzeichnung verzögert
Doch weshalb wendet sich die Horgner Stiftung Amalie Widmer an Oberrieden? Oberrieden ist die Gemeinde mit der ältesten Bevölkerung im Kanton, dennoch hat sie keine eigene Alterseinrichtung. Die Bevölkerung wird durch die Stiftung Amalie Widmer sowie das Serata in Thalwil und Haus Tabea in Horgen versorgt. Reto Wildeisen (FDP), Oberriedens Gesellschaftsvorsteher, erklärt: «Deshalb war es für den Gemeinderat klar, dass die Stiftung finanziell unterstützt werden muss.»
Die Stiftung beruft sich dabei auf eine vereinbarte, aber noch nicht unterzeichnete Leistungsvereinbarung zwischen der Gemeinde Oberrieden und der Stiftung. Die alte Leistungsvereinbarung wurde 2017 gekündigt, um sie gleichzeitig mit der Gemeinde Horgen zu erneuern. Gemäss der Stiftung Amalie Widmer wurde dabei mit den Gemeinden Horgen und Oberrieden vereinbart, dass die Leistungsvereinbarung auch über die Kündigungsfrist weiterhin bestehen bleibt, bis die erneuerte Vereinbarung in Kraft tritt. Beide Versionen halten fest, dass im Falle einer Epidemie die Gemeinde Beiträge übernimmt, um die Aufrechterhaltung des Betriebs sicherzustellen.
Horgen hatte die aktualisierte Version bereits Anfang 2021 unterzeichnet. Die Unterschrift in der Gemeinde Oberrieden steht noch aus. Reto Wildeisen sagt: «Wegen Corona wurde vieles auf die lange Bank geschoben. Zudem haben die vielen personellen Wechsel in der Gemeinde das Unterzeichnen des Vertrages verzögert. »
Horgen hat bereits bezahlt
Dass die Unterschrift noch fehlt, ist laut Wildeisen dabei nicht ausschlaggebend: «Gemäss dem Pflegegesetz sind wir dazu verpflichtet, eine bedarfsgerechte Pflegeversorgung der Bevölkerung sicherzustellen.»
Die Gemeinde Horgen hat bereits Gelder zur Unterstützung der Stiftung gesprochen. Beat Nüesch (FDP), Horgner Gemeindepräsident, sagt: «Aufgrund der Leistungsvereinbarung haben wir uns zweimalig an den Kosten beteiligt.» 200’000 Franken wurden für die Monate November und Dezember 2020 bezahlt, und für Januar bis April 2021 beteiligte sich die Gemeinde mit 500’000 Franken.
Verschiedene Gründe
Doch wieso geriet die Stiftung Amalie Widmer dermassen in die Bredouille? Geschäftsleiter Mathias Knecht erklärt: «Wir waren lange nicht betroffen von Corona, dann jedoch mussten wir in der zweiten Welle viele Todesfälle verzeichnen – zuerst im Widmerheim und dann im Tödiheim.»
Die Stiftung habe zwar ein «funktionierendes Schutzkonzept» gehabt. Jedoch sei eine Isolation in Mehrbettzimmern schwieriger. «Zudem haben wir im Widmerheim eine Abteilung für Spezialpflege. Diese Personen haben eine noch höhere Anfälligkeit, und somit führt ein Covid-Infekt auch zu einer schnelleren Sterblichkeit.»
Gemäss Aussagen von Mathias Knecht im letzten Frühjahr waren aber auch die anstehenden Neubauten des Widmer- und Tödiheims ein Problem. Weil geplant war, dass einige der Bewohner für die mehrjährige Bauzeit in ein Alterszentrum in Adliswil zügeln und so ihre gewohnte Umgebung in Horgen verlassen müssen, wurden weniger Neueintritte verzeichnet. Mit dem Entscheid, die Neubaupläne des Widmerheims zu verschieben, müsste sich die Situation künftig etwas entspannen.
Fehler gefunden?Jetzt melden.