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Meinung

Kolumne «Kürzlich erschienen» 
Hinter der Fassade spielt sich das wahre Drama ab

Das Buch «Langstrasse» ist ein Kriminalroman, der viel Bezug auf die Stadt Zürich beinhaltet.
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Andreas Russenberger redet nicht um den heissen Brei herum. Der Einstieg in seinen Roman «Langstrasse» ist von höchster Spannung geprägt. Blutrünstig ermordet ein maskierter Mann einen berüchtigten Drogendealer im Rotlichtmilieu des Zürcher Chräis Chäibs. Die Tat ist eine Reaktion darauf, dass der Dealer trotz seiner schmutzigen Geschäften stets von den Gerichten verschont blieb. Er versucht, Gerechtigkeit zu schaffen, weswegen der Leser eine gewisse Sympathie für den Mörder verspürt.  

Diese paradoxe Sympathie ist ein zentraler Aspekt in der Erzählung. Ausserdem zieht einen die geografische Vertrautheit mit den Orten des Geschehens in ihren Bann. Wie bereits angedeutet ist im Werk vom Chräis Chäib, dem Stadtzürcher Kreis 4, die Rede. Das Bermuda-Dreieck oder das gut situierte Seefeld sind nur einige Beispiele von Orten der Stadt Zürich, die in der Geschichte vorkommen. Auch an helvetischen Gesprächsthemen wie dem Partyskandal im Milieu von Spitzenbankern oder Schweizer Berühmtheiten wie Werner Günthör wird nicht gespart. 

Der Fakt, dass der Kriminalroman während der Pandemie spielt, macht die Geschichte zusätzlich sehr greifbar. In modernem Sprachstil schreibt Russenberger über Problematiken wie Gentrifizierung und Segregation oder den subtilen Rassismus in unserer Gesellschaft. Der frisch verliebte Inspektor Muzaton jagt mit seiner indischstämmigen Kollegin Priya Schweizer dem ominösen Maskenmann hinterher. Gleichzeitig wird Letztgenannter in den sozialen Medien als Held gefeiert. 

Der in Erlenbach wohnhafte Russenberger lässt auch die Zürichseeregion nicht unerwähnt. Als Muzaton Hilfe von seinem Freund Philipp Humboldt braucht, treffen sich die beiden auf dem Kursschiff Säntis. Mit der Zeit kommen in der Erzählung immer mehr Intrigen ans Licht. Durch die romantischen Gefühle Muzatons gegenüber einer jungen Barkeeperin beinhaltet der Roman zusätzlich noch eine Liebesgeschichte. Russenberger ist es gelungen, auf etwas mehr als 200 Seiten einen spannenden Krimi zu verfassen, der Verleumdung und simplen Herzschmerz enthält.

«Langstrasse – Kriminalroman» von Andreas Russenberger. ISBN 978-3-8392-0275-3, erschienen beim Gmeiner-Verlag, 256 Seiten. Erhältlich in allen herkömmlichen Buchhandlungen für circa 25 Franken.