«Habe gerne die Kontrolle»
Claudio Alborghetti ist seit Beginn im UHC Pfannenstiel dabei und mit 269 Partien der Rekordspieler des Vereins. Aktuell amtet der 38-Jährige als Sportchef und Co-Trainer neben Christof Maurer.

Was können Sie besser als Ihre Spieler?Claudio Alborghetti:Ruhe bewahren. Ich gehe die Dinge meist mit kühlem Kopf an.
Was können Ihre Spieler besser als Sie?Unihockey spielen mittlerweile. Seit ich 2014 meine Aktivkarriere verletzungsbedingt beenden musste, hat sich der Sport weiterentwickelt. Dies lässt sich mit dem Plus an Erfahrung nicht mehr kompensieren.
Ihr grösster Erfolg?Kaum hatte ich mit Unihockey begonnen, schaffte ich es direkt in die U18-Regionalauswahl. Dies empfand ich für mich als Spieler als grossen Erfolg. Auf meine Trainertätigkeit bezogen, war es die vergangene Saison, in der sich das Team dank Rang 2 in der Qualifikation direkt den Halbfinal-Einzug sicherte.
Und im Leben?Dass ich ein schönes Leben führen kann, eine super Frau habe, es uns gut geht, wir uns einiges leisten können.
Wann werden Sie nervös?Wenn ich das Gefühl habe, dass mir die Kontrolle entgleitet. Im Sport kommt das natürlich häufiger vor als privat oder im Job, da es mehr Faktoren gibt, die man nicht oder kaum beeinflussen kann.
Was macht Sie sprachlos?Respektlosigkeit. Wenn ich eine solche wahrnehme, würde ich gerne öfter etwas sagen, schaffe es aber leider nicht immer.
Ihr Lieblingsdialekt?Walliserdeutsch. Im Gegensatz zu vielen anderen Dialekten hat es etwas Melodiöses. Meine Vorliebe dafür rührt wohl daher, dass ich für ein Jahr in den USA lebte und Englisch auch melodiös tönt.
Was machten Sie in den USA?Während des Gymnasiums absolvierte ich ein Austauschjahr in Pennsylvania. Das war 1996/97.
Was bewog Sie dazu?Ich wollte einmal aus dem Alltagstrott ausbrechen, eine neue Lebenserfahrung machen. Natürlich ging es auch darum, die Sprache zu lernen. Es war eine tolle Zeit. Ich habe noch immer Kontakt zur damaligen Gastfamilie. 2012 kam sie inklusive Kinder und Partner zu unserer Hochzeit.
Wie lange brauchen Sie morgens vor dem Spiegel?Rund fünf Minuten. Ich bin nicht sehr eitel, achte aber schon darauf, wie ich aus dem Haus gehe.
Was kochen Sie am liebsten?Safranrisotto, wobei ich gestehen muss, dass ich nicht wirklich oft am Herd stehe. Ich komme abends jeweils spät nach Hause, nach meiner Frau. Deshalb kocht meistens sie.
Welches Getränk empfehlen Sie zum Safranrisotto?Einen schweren französischen oder italienischen Rotwein.
Ihr erster Berufswunsch?Keine Ahnung. Wahrscheinlich Astronaut, wie bei vielen Buben. Ich wusste einfach, dass ich nicht Lehrer werden will – wie mein Vater, der Onkel, die Tante oder auch meine Mutter, die Kindergärtnerin ist. Lustigerweise trat ich dann doch in deren Fussstapfen, wenn auch nur kurz. Während meines Wirtschaftsstudiums an der Uni Zürich unterrichtete ich für drei Jahre in Egg Mathematik und Turnen, eine sehr wertvolle Erfahrung.
Was machen Sie beruflich?Ich arbeite bei der UBS im Bereich Personalmanagement. Meine Abteilung umfasst rund 80 Personen und ist global für die Rekrutierung von Studienabgängern, sogenannten Young Professionals, zuständig.
Bleibt noch Zeit für Hobbys?Momentan nein. Während der Meisterschaft bleiben zwei bis drei freie Abende pro Woche. Die verbringe ich mit meiner Frau. Um selber auch noch etwas Sport zu treiben, versuche ich ein- bis zweimal pro Woche über den Mittag ins Fitness zu gehen.
Ihr Lieblingssong?«Cosmic Girl» von Jamiroquai. Dieser Song beschwingt mich.
«Ich erinnere mich noch ans ‹Knie der Nation›.»
Ihr Lieblingsfilm?Ich mag die Sachen von Quentin Tarantino. Mein Favorit ist «Pulp Fiction».
Ihr Lieblingsbuch?Da gibt es kein einzelnes. Ich lese gerne neuere Fantasyreihen, wie beispielsweise «Die Legenden der Albae» von Markus Heitz.
Ihr Lebensmotto?Ruhe bewahren, aber dennoch die Dinge mit einer gewissen Seriosität angehen.
Welches Thema beschäftigt Sie aktuell am meisten?Unser erster Nachwuchs, der Ende Juni, Anfang Juli auf die Welt kommt. Es gibt so viel zu organisieren und zu erledigen.
Welchen sportlichen Grossanlass haben Sie als ersten bewusst wahrgenommen?Es war eine Ski-WM. Ich erinnere mich noch an Pirmin Zurbriggen und sein «Knie der Nation». (Der Walliser erlitt drei Wochen vor der WM 1985 in Bormio einen Meniskusschaden, musste unters Messer, wurde aber gleichwohl Abfahrtsweltmeister; Red.) Ich fuhr selber Skirennen, hörte nach dem ersten Jahr im Gymi aber auf – mangels Zeit und Erfolg.
Verfolgen Sie aktuell die Ski-WM in St. Moritz?Klar. Der Skisport fasziniert mich nach wie vor. Letzte Saison besuchte ich ein Frauenrennen in Lenzerheide.
Wie viele Medaillen gibt es für die Schweiz?Drei. Das ist zwar eher pessimistisch, doch wie sich auch diesmal bestätigt, ist der Druck vor Heimpublikum gross und gibt es gerade bei Titelkämpfen gerne Überraschungen.
Wie sind Sie zum Unihockey gekommen?Durch Kollegen. Das war 1990. Wenig später wurde der UHC Egg gegründet (der 1999 mit den Vereinen aus Oetwil am See und Maur zum UHC Pfannenstiel fusionierte; Red.).
Was fasziniert Sie am Unihockey?Es ist ein guter Mix aus Technik und körperlichem Spiel. Und jeder kann erfolgreich werden. Man muss nicht unbedingt gross sein, wie etwa im Volleyball.
Warum sind Sie Trainer geworden?Weil mir sehr viel an dieser Mannschaft liegt. Ich war als Spieler rund 15 Jahre Teil davon. Als wir niemand anderen fanden, übernahmen Christof Maurer und ich das Amt. Wir sind beide nicht die super ausgebildeten Trainer, denken aber, dass wir schon den einen oder anderen Tipp geben können.
Haben Sie den Entscheid jemals bereut?Selbstverständlich. Aber jeweils nur kurze Zeit, wenn beispielsweise Sachen nicht so laufen, wie sie sollten. Insgesamt überwiegt aber ganz klar das Positive.
Welches war Ihr schönster Moment im Sport?Was mich am meisten freut, sind die vielen Freundschaften, die entstanden sind.
Und welches war die grösste Enttäuschung?Dass wir nach dem erstmaligen Aufstieg in die 1. Liga (2009; Red.) für die Gegner nur Kanonenfutter waren und direkt wieder abstiegen.
Wie vertreiben Sie sich die Zeit auf der Heimfahrt von einem Auswärtsspiel?Durch Gespräche mit meiner Frau, die mich seit jeher an die Spiele begleitet und ebenfalls im Vorstand des Vereins ist.
Vor Jahresfrist liess sich Ihr Team in den Playoffs von Luzern übertölpeln. Warum kommt es nun gegen Frauenfeld besser heraus?Weil wir deutlich besser vorbereitet sind. Im Gegensatz zu letzter Saison konnten wir diesmal gegen Ende der Qualifikation nochmals einen Gang hochschalten. Kommt hinzu, dass uns, wenn wir mal ein schlechtes Spiel hatten, jeweils sofort eine Reaktion gelang.
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