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Meinung

Debatte über Fleischpreise
Gut, dass Biofleisch günstiger wird

Fleischprodukte im Regal bei Lidl an der Pflanzenschulstrasse 7, mit Etiketten für das Tierwohl-Ranking des Schweizer Tierschutzes.
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Die einen lieben und essen es. Die anderen würden Fleisch nicht einmal im Traum verspeisen; oder nur in einem Albtraum. Manchmal eint aber diese Menschen, dass sie ums Tierwohl besorgt sind. Oder anders: Dem Kalb, der Sau, dem Huhn sollte es zu Lebzeiten gut gegangen sein, beisst man schon in ein Stück Schnitzel.

Und damit sind wir bei denjenigen Menschen, die sich zwar fleischlich ernähren, aber fast ausschliesslich von Fleisch aus Biohaltung oder der noch teureren (und auch ein wenig umstrittenen) Demeter-Landwirtschaft. Viele würden gern zu dieser Gruppe gehören, weil es sich gut anfühlt.

Das Problem ist: Nicht jede und jeder kann sich solche Ware leisten, gerade in der teuren Schweiz. Dank des Preiskampfs bei Fleisch und anderen Waren zwischen Migros, Coop und den Discountern aus Deutschland ist in den Supermärkten nun aber auch Biofleisch mit einem Mal günstiger geworden. Rund 6 Franken für eine 300-Gramm-Packung Biorindshackfleisch sind gerade etwa im Coop zu zahlen – was 20 Franken pro Kilo entspricht. Gleich daneben im Regal liegt Rindshackfleisch aus konventioneller Landwirtschaft, 19.50 Franken. Das bedeutet: Die beschriebene Packung Biohackfleisch ist gerade mal 15 Rappen teurer. Das wären die Mehrkosten für jede Konsumentin und damit die Hürde, sich für mehr Tierwohl zu entscheiden.

Normalerweise ist Biofleisch deutlich teurer als konventionelles Fleisch, laut Datenerhebungen kostet das Kilo gut 20 Franken mehr. (Warum das übrigens so ist, erklärt dieser Artikel sehr gut.)

Bio ist bei Migros von den Preissenkungen betroffen

Die Migros schreibt auf Anfrage, dass es auch im Biosegment weitere «punktuelle Preisanpassungen geben» werde, um wettbewerbsfähig zu bleiben, gerade bei Produkten, die «einen hohen Anteil am Fleischumsatz» haben. Konkret nennt die Migros die Produkte Hackfleisch, Pouletschnitzel und Pouletgeschnetzeltes, «Klassiker in Schweizer Haushalten», wie das Unternehmen weiter schreibt. Aber auch Bioobst und -gemüse seien von Preissenkungen betroffen.

Damit dürfte es für manche Geringverdienenden eine Option geworden sein, Produkte in Bioqualität zu kaufen. Und das, obwohl für viele Menschen mit tiefen Einkommen, etwa alleinerziehende Frauen, die in nicht akademischen Bereichen arbeiten, oder allein lebende Rentner, schon wenige Rappen Preisunterschied ins Gewicht fallen und dort auch mal auf die letzten 15 Rappen geschaut werden muss. Durch den Preiskampf öffnet sich zumindest ein kleiner Spalt, der es mehr Menschen zeitweise erlauben dürfte, bessere Qualität zu kaufen – und somit auch zu Fleisch aus nachhaltigerer Produktion zu greifen.

Bei allen Vorzügen von Biofleisch darf aber eines nicht vergessen werden: Mehr als 360 Gramm pro Woche sollte laut der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung nicht verzehrt werden, weil sonst etwa das Darmkrebsrisiko steigt. Dabei spielt es keine Rolle, woher das verzehrte Fleisch stammt oder welchem Milieu man angehört.