Medikamente aus der ApothekeDas Rezept gibt es nun auch elektronisch – doch kaum jemand nutzt es
Viele Apotheken wären bereit für das E-Rezept. Doch die Ärztinnen und Ärzte verwenden noch Papier, wie Galenica-Chef Marc Werner beklagt.

Schluss mit unleserlichen Handschriften und Zettelwirtschaft: Vergangenes Jahr wurde in der Schweiz das E-Rezept eingeführt. Das bedeutet: Die Medizinerin oder der Mediziner gibt das Rezept ins System ein und signiert es digital mit einem Klick.
Der Patient erhält einen QR-Code auf Papier oder auf sein Smartphone, mit dem er das benötigte Medikament in der Apotheke beziehen kann. Das E-Rezept soll auch Fälschungen und doppelte Bezüge der Medikamente verhindern.
Allzu bekannt ist das elektronische Rezept aber noch nicht. «Es gibt noch fast keine E-Rezepte», sagte Marc Werner, Chef des Berner Apothekenkonzerns Galenica, am Dienstag bei der Präsentation der Jahreszahlen. «Wir müssen daran arbeiten, dass wir diesen Anteil hochkriegen.»

Nicht nur die Apotheken des Branchenriesen Galenica (Amavita, Sun Store, Coop Vitality) sind bereit. In 70 Prozent der schweizweit 1800 Apotheken kann ein E-Rezept heute verarbeitet werden.
Doch auf Ärzteseite lässt man sich mehr Zeit. Die Ärztevereinigung FMH, die das E-Rezept mit initiiert hat, schreibt auf ihrer Website: «Ziel ist, dass das E-Rezept bis 2029 zum Standard wird.»
Grösster Nutzen für die Apotheken
Allzu überraschend ist diese lange Frist nicht. Einerseits hat es die Digitalisierung im Gesundheitswesen allgemein schwer – Stichwort elektronisches Patientendossier. Und andererseits bringt das E-Rezept den meisten Ärztinnen und Ärzten wohl nur eine minimale Zeitersparnis.
Die Apotheken hingegen freuen sich über die papierlosen, standardisierten Rezepte, welche den Aufwand beim Abrechnen mit den Krankenkassen deutlich reduzieren dürften. So ist denn auch die Galenica-Tochter HCI Solutions am Aufbau des E-Rezepts beteiligt.
Sei es mit handschriftlichen oder elektronischen Rezepten: Die Galenica-Gruppe hat vergangenes Jahr ihre Verkäufe um 4 Prozent auf 1,7 Milliarden Franken gesteigert. Dass das Pharmahandelsgeschäft lukrativ ist, zeigt der Blick auf den Reingewinn: Dieser stieg um 13 Prozent auf 183 Millionen Franken.
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