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«Das ist nichts für Drama-Queens»

Caro Item gibt ihren Spielerinnen am Beckenrand wertvolle Tipps. In über drei Jahrzehnten im SCH hat die Trainerin viel Erfahrung gesammelt.
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Was können Sie besser als Ihre Spielerinnen?

Caro Item: Jede tickt ein wenig anders. Aber ich weiss, welche ich wie nehmen muss.

Was können Ihre Spielerinnen besser als Sie?

So einiges. (schmunzelt)

Ihr grösster Erfolg?

Die vier Meistertitel (2007 bis 2010, Red.) als Aktive und zur Krönung das Double (2011, Red.) als Spielertrainerin mit dem vorhergehenden Horgner Frauenteam. Jener mit der neuen, heu­tigen Equipe kommt hoffentlich noch.

Und im Leben?

So zu sein, wie ich bin. Und dass ich das Leben mit meinem 14-jährigen Sohn Sebastiano gut meistere. Er ist auch sportbegeistert, spielt aber leider nicht Wasser-, sondern Fuss­ball mit Horgens C-Junioren in der Coca-Cola League.

Wann werden Sie nervös?

Höchstens im Flugzeug, wenn es wegen Turbulenzen stark rüttelt. Ich bin zwar eine emotionale Person, aber eigentlich nie nervös.

Was macht Sie sprachlos?

Extrem fordernde Leute, die selber wenig bis nichts zum Grossen und Ganzen beitragen.

Wie lange brauchen Sie morgens vor dem Spiegel?

(lacht) Duschen, Zähne putzen und Haare zusammenbinden geht bestens ohne Spiegel.

Was kochen Sie am liebsten?

Fleisch, das mag ich vor allem halbroh. Einem Filet oder Grilladen kann ich kaum widerstehen. Mein Sohn ist ebenfalls ein Fleischtiger.

Ihr erster Berufswunsch?

Als Kind träumte ich davon, Tiermedizinerin zu werden.

Was haben Sie gelernt, und welchen Beruf üben Sie heute aus?

Ich absolvierte das Masterstudium in Kinder- und Jugendhilfe. Seit 2010 bin ich in Richterswil als Schulsozialarbeiterin tätig.

Bleibt noch Zeit für Hobbys?

Zum Glück ja, denn ich habe viele: Snowboarden, Joggen, Tennis spielen, Velo fahren, Lesen und Reisen. Vor kurzem habe ich zudem das Langlaufen entdeckt, und es ist gar nicht so langweilig, wie ich befürchtet habe.

Welches Thema beschäftigt Sie aktuell am meisten?

Die ganze Flüchtlingsproble­matik und politische Weltlage. In einzelnen Ländern sind spezielle Gestalten an der Macht oder in der Poleposition. Das berei­tet mir Sorgen.

Welchen sportlichen ­Gross­anlass haben Sie als Ersten bewusst wahrgenommen?

Mit meinen Eltern war ich oft an Reit-Concours, zum Beispiel in Aachen. Auch der Skiweltcup ist mir geblieben. Anfang der 80er-Jahre verfolgten wir in Laax vor Ort die Abfahrt. Der einheimische Conradin Cathomen gehörte damals zu den Besten.

Wie sind Sie zum Wasserball gekommen?

Meine Mutter war Reiterin und Schwimmerin, mein Vater Hockeyaner und Schwinger. Ich hatte Spass am Reiten und Schwimmen, schliesslich bin ich direkt neben dem Hallenbad Bergli aufgewachsen. Als ich dann ein neues Badkleid einem eigenen Pferd vorzog, war der Fall klar. Vera Curi­ger und ich konnten dann bei den SCH-Junioren mitspielen. Als später das Frauenteam gegründet wurde, war ich definitiv Feuer und Flamme.

«Es gibt viele Länder, in denen Wasserball sehr beliebt ist.»

Caro Item

Was ist so faszinierend daran?

Wasserball ist sehr taff und deshalb nichts für Drama-Queens. Diesen vielseitigen Sport kann nicht jede/r ausüben. In Horgen ist es zwar normal, Wasserball zu spielen. Toll ist auch die aus­geglichene körperliche Fitness, welche so in kaum einer anderen Sportart hinzukriegen ist.

Sie traten 1981 dem SC Horgen bei. Wie hat der Wasserball sich in den 36 Jahren gewandelt?

Enorm, denn das Spiel wird auch bei uns Frauen immer dynamischer und schneller. Horgens Damen­team wurde 1985 ins ­Leben gerufen. Seither hat der Frauen-Wasserball sich langsam, aber stetig entwickelt. Auch uns im SCH gelingt es immer wieder, erfreu­liche Fortschritte zu erzielen.

Weshalb ist die Sportart nicht populärer?

Hierzulande ist sie das in gewissen Regionen – Ägeri, Kreuz­lingen oder Lugano – sehr wohl. Nur überregional leider nicht, ­dazu fehlen die Vernetzung und ein grösseres Zielpublikum. Oftmals ist auch die Unterstützung der Medien zu gering. Es gibt viele Länder, in welchen Wasserball sehr beliebt ist und entsprechend gefördert wird. Manchmal wünsche ich mir, das wäre in der Schweiz auch so. Aber andere Sportarten müssen ja ebenfalls um Aufmerksamkeit kämpfen.

Apropos kämpfen: Worin unterscheiden sich die Spielweisen von Frauen und Männern?

In vielem, zumindest bei uns. Die Männer sind in Kraft und Schnelligkeit überlegen. Ein Topfrauenteam aus Ungarn könnte ihnen aber das Leben unbequem machen. Mädchen sind bis zur U15-Stufe den Jungs mindestens ebenbürtig, da sie körperlich weiter entwickelt sind. So war eine Spielerin von uns in der letzten U13-Meisterschaft eine der Besten. Und in unserer U15- Equipe sind gleich vier Mädchen top. Frauen steigen übrigens auch hart in Zweikämpfe, da müssen die Männer uns nichts vormachen.

Was sagen Sie zur Hallenbad­situation in Horgen?

Die ist schwierig ... Das Bergli ist sanierungsbedürftig und schlicht zu klein. Es reicht nicht mehr, um den Bedürfnissen von Bevölkerung, Schule und Vereinen gerecht zu werden. Trotz massiven Platzproblemen holen wir mit dem SC Horgen das Maximum her­aus und dürfen stolz auf diese Topleistung sein. Ich wünschte mir aber in der attraktiven Gemeinde Horgen ein zweck- und zeitgemässes Hallenbad.

Warum sind Sie Trainerin geworden?

Als Dragan Umicevic im Jahr 2009 aufhörte, sagten alle: Mach mal du. Interimistisch übernahm ich dann das Frauenteam und machte die Ausbildungen bis zum A-Brevet. Seit 2014 betreue ich nun die Equipe als Trainerin.

Haben Sie den Entscheid jemals bereut?

Wenn meine Spielerinnen in der Garderobe zu laut sind und herum­kichern schon. (lacht) Nein, Spass beiseite: natürlich nicht. Wir haben gerade eine spannende Teamkonstellation. Die Routiniers und die Jungen finden sich immer mehr, was mich sehr freut.

Welches war Ihr schönster Moment im Sport?

Nebst all den Titeln waren dies die legendären Trainingslager und der Europacup 2009 in ­Madrid. Uns wurden zwar gleich drei Topteams zugelost, und wir waren chancenlos. Trotz der ­hohen Niederlagen bleibt dieses Erlebnis unvergesslich.

Und welches war die grösste Enttäuschung?

Immer wieder gegen ein plötzlich mit einer Ausländerin verstärktes Basel zu verlieren. Umso schöner war es jeweils, wenn wir diesen grossen Rivalen doch mal schlagen konnten.

Warum gewinnt Ihr Team morgen zum Saisonauftakt das Heimspiel gegen Thun?

Weil wir clever sind und wissen, mit welcher Taktik wir die Ber­ner Oberländerinnen aus­booten können. Zudem sind ­meine Spielerinnen fit.