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Biden provoziert die Altersfrage

Er redet auch mal von «Donald Hump»: Joe Biden am 6. September 2019 in Laconia, New Hampshire. Foto: Elizabeth Frantz (Reuters)
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Knapp fünf Monate vor Beginn der innerparteilichen Vorwahlen zur Nominierung der US-Präsidentschaftskandidaten ist bei den Republikanern alles klar: «Die Trumps sind eine Dynastie, die Jahrzehnte andauern und die Republikanische Partei in eine neue Partei verwandeln wird», jubelte Donald Trumps Wahlkampfmanager Brad Parscale am vergangenen Samstag vor Getreuen in Kalifornien.

Man mag bezweifeln, ob die USA dem nordkoreanischen Beispiel folgen werden, zweifellos aber sitzt Donald Trump fest im republikanischen Sattel. Er hat nichts zu befürchten trotz Herausforderern wie dem ehemaligen Kongressabgeordneten und Gouverneur Mark Sanford, der dem Präsidenten die republikanische Nominierung streitig machen möchte. Die Partei steht so geschlossen hinter Trump, dass einige Bundesstaaten wie South Carolina und Kansas diesmal sogar auf ihre Vorwahlen verzichten werden.

Ein 86-jähriger US-Präsident?

Der Präsident wird also unangefochten in den Hauptwahlgang im kommenden Jahr ziehen. Davon kann Joe Biden nur träumen. Zwar führt der ehemalige Senator und Vizepräsident das Feld der Demokraten weiterhin an, Zweifel an seiner Befähigung aber konnte er bislang nicht ausräumen.

Immerhin wäre Biden beim Amtsantritt im Januar 2021 78 Jahre alt und nach dem Ende einer zweiten Amtszeit im Weissen Haus sogar 86 Jahre alt. Er wäre der älteste Präsident überhaupt, was das Interesse an seinem derzeitigen Gesundheitszustand enorm gesteigert hat – wenngleich Trump kaum jünger ist und Bidens schärfste Konkurrenten gleichfalls Senioren sind: Die Senatorin Elizabeth Warren ist 70, Senator Bernie Sanders sogar schon 78.

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Biden hat ein paar Zipperlein

Aber es ist vor allem Joe Biden, dessen Gesundheitszustand zum Thema geworden ist. Zum einen, weil sich konservative Medien wie Fox News und das Webportal Drudge Report bereits darauf eingeschossen haben. Wie schon bei der Wahl 2016, als sie jede Erkältung und jeden Schwächeanfall Hillary Clintons – besonders ihr Taumeln bei einer Gedenkveranstaltung für 9/11 – als eine schwere Gesundheitskrise deuteten. Und zum anderen, weil Biden tatsächlich ein paar Zipperlein hat: Asthma, hohes Cholesterin, Operation an der Gallenblase, eine gutartige Prostatavergrösserung.

Als sich kürzlich bei einer Wahlveranstaltung in seinem linken Auge wegen eines geplatzten Blutgefässes Blut sammelte, machten sich allerlei Amateurmediziner sofort an die Arbeit und lieferten Diagnosen ab. Es sah eben nicht gut aus. Auch hörte es sich nicht gut an, als Biden vergangene Woche bei einem Auftritt im wichtigen Vorwahlstaat New Hampshire von «Donald Hump» redete und nicht von Donald Trump. «Biden lässt nach, ich glaube nicht, dass er die nötige Energie hat», befand der Kongressabgeordnete Tim Ryan, ein weit abgeschlagener Konkurrent Bidens.

Wurde nach Trumps jährlichem Gesundheits-Check-up etwas verborgen?

Es versteht sich, dass Donald Trump genüsslich in die gleiche Kerbe haut. Mehrmals schon hat der Präsident angedeutet, Biden sei nicht mehr klar im Kopf – als ob sich dies zuweilen nicht auch über ihn, den Präsidenten, sagen liesse. Dass Trump starkes Übergewicht und einen erhöhten Cholesterinspiegel hat, ist bekannt. Ansonsten aber wurde nach seinem jährlichen Gesundheits-Check-up nur wenig nach aussen vermeldet, was wiederum Argwohn erregte: Wurde etwas verborgen, leidet Trump an etwas?

Nichts für schwache Naturen: Donald Trump vor dem Weissen Haus. Foto: Alex Brandon (Keystone)

Ein Duell des Präsidenten gegen Biden garantierte in jedem Fall, dass die mentale wie körperliche Befindlichkeit beider Kandidaten ein Wahlkampfthema würde. Damit musste sich auch Ronald Reagan herumschlagen, obwohl er beim Präsidentschaftswahlkampf 1980 erst 69 Jahre auf dem Buckel hatte. Man zweifelte dennoch an seinen geistigen Fähigkeiten, so noch mehr 1984, als sich Reagan neuerlich zur Wahl stellte. Wahrscheinlich litt er in seinen letzten Amtsjahren bereits an den Anfängen der Alzheimerdemenz, an der er 2004 starb.

Sollten Biden und Trump tatsächlich 2020 um die US-Präsidentschaft kämpfen, wird die Nation gewiss Hirn wie Herz der Kandidaten debattieren. Und womöglich staunen, wie fit die beiden Siebziger sind. Denn ein US-Präsidentschaftswahlkampf ist nichts für schwache Naturen.