Börse nach US-ZollpaketSMI über 2 Prozent im Minus, Gold auf Rekordhoch, Wall Street verliert deutlich
Für die weltweiten Finanzmärkte zeichnet sich ein rabenschwarzer Handelstag ab – auch für die Schweizer Börse.

Das von Trump verkündete Mega-Zollpaket trifft nicht alle Handelspartner der USA gleichermassen. Jenseits von den zehn Prozent, die auf Importe aus allen Ländern in die Vereinigten Staaten gelten sollen, gibt es individuelle Strafabgaben – je nachdem, ob die jeweiligen Länder aus Sicht der USA besonders hohe Handelsbarrieren für amerikanische Produkte haben. Für die Schweiz hat der Präsident sehr hohe Zölle von 31 Prozent angekündigt.
SMI nach Zoll-Hammer im Minus
Die Schweizer Aktienbörse hat nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump nachgegeben. Der Gesamtmarkt SMI gab zur Eröffnung am Donnerstag rund 1,5 Prozent auf 12’405,68 Punkte nach. Gegen Nachmittag lag er über 2 Prozent im Minus. Am Abend lag der Wert bei 2,45.
Am härtesten trifft es Logitech. Die Aktie bricht rund 10 Prozent ein. Auch der UBS-Titel ist unter Druck (minus 5 Prozent). Gegen Mittag.
Die Aktien der Uhren- und Schmuckkonzerne Swatch und Richemont bekommen die Massnahmen von Trump auch zu spüren. Die Richemont-Papiere brachen um 4,8 Prozent ein, jene von Swatch um 4,9 Prozent. Die geplanten Zölle im mittlerweile wichtigsten Absatzmarkt der Schweiz dürfte die Uhrenbranche ziemlich hart treffen. Die Uhrenhersteller hatten gehofft, dass die Branche von derart hohen US-Zöllen verschont wird.
Die vorbörslichen Indikationen für den Schweizer Aktienmarkt waren bereits am Morgen nach den Zollankündigungen von Trump tiefrot. «Donald Trump bricht einen globalen Handelskrieg vom Zaun», heisst es etwa von VP Bank.
Dax auf tiefstem Stand seit Anfang Februar
Weltweit reagieren die Börsen mit deutlichen Abgaben. In Tokio beispielsweise fiel in den ersten 15 Handelsminuten der 225 Werte umfassende Nikkei-Index im Vergleich zum Schlusskurs des Vortages um rund vier Prozent. Im weiteren Handelsverlauf machte er etwas Boden gut und notierte um 11 Uhr Ortszeit ein Minus von noch 926,06 Punkten oder 2,59 Prozent beim Zwischenstand von 34’799,81 Zählern.

Der deutsche Dax rutschte zum Auftakt auf den tiefsten Stand seit Anfang Februar. Zuletzt verlor der deutsche Leitindex 2,3 Prozent auf 21’873 Punkte. Der MDax der mittelgrossen Unternehmen sank um 2,44 Prozent auf 26’824 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor ebenfalls über 2 Prozent. Stephen Dover, Marktstratege bei Franklin Templeton, sprach vom Ende der Freihandelsära. Die Zölle von Trump seien insgesamt viel höher als erwartet. Gefragt waren in diesem Umfeld als sichere Häfen geltende Anlagen wie Gold und Staatsanleihen.
Mit dem Zollpaket gehen Konjunktursorgen einher. Die Notenbanken könnten durch lockere zins- und geldpolitische Massnahmen einen Teil der konjunkturellen Folgen abpuffern, sagte Börsenexperte Andreas Lipkow. Sie seien jedoch in dem engen Korsett der Inflationsentwicklung gefangen, welches durch die Strafzölle ebenfalls beeinflusst werde.
US-Börsen verlieren zum Handelsstart
Mit Aktienverkäufen in grossem Stil haben Investoren auf ebenso umfangreiche wie hohe Importzölle der Regierung Trump reagiert. Der Leitindex Dow Jones Industrial büsste zum Handelsauftakt 2,7 Prozent auf 41’098 Punkte ein. Er vermied jedoch zunächst einen Rückfall unter das jüngste Tief von Mitte März bei 40’661 Zählern. Es wäre der grösste prozentuale Tagesverlust des Dow seit September 2022.
Noch grösser waren die Verluste an der von grossen Technologietiteln geprägten Nasdaq-Börse. Der Nasdaq 100 Index sackte um 3,9 Prozent auf 18.828 Punkte ab und fiel auf das niedrigste Niveau seit September vergangenen Jahres. Im Börsenjahr 2025 steht nunmehr ein Verlust von mehr als 10 Prozent zu Buche.
Der S&P 500 rutschte um 3,2 Prozent auf 5.487 Zähler ab. Auch dieser marktbreite Index fand sich auf dem tiefsten Stand seit September 2024 wieder.
Gold auf Rekordhoch
Gold ist einer der wenigen Rohstoffe, der aktuell nicht von Zöllen betroffen ist. In der Nacht auf Donnerstag ist die Notierung für eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) an der Börse in London auf die neue Bestmarke von 3’167,84 US-Dollar gestiegen, zuletzt wurde die Feinunze bei 3’149 Dollar gehandelt. Gold hat sich damit in diesem Jahr bereits um ein Fünftel verteuert, nachdem der Preis für das Edelmetall in den drei Jahren davor bereits um fast die Hälfte gestiegen war. Neben der Unsicherheit infolge von Kriegen und Konflikten ist einer der Kurstreiber auch die US-Zollpolitik.
Am Devisenmarkt wiederum wird der US-Dollar gerade gemieden. Das Euro/Dollar Paar notiert aktuell bei 1,0911. Am Mittwochabend ging es noch zu 1,0856 über den Tisch.
Auch zum Franken verliert der Greenback an Boden. So werden aktuell 0,8760 Franken je Dollar gezahlt. Am Vorabend musste man noch 0,8824 Franken über den Tresen reichen.
Bitcoin verliert an Wert
Der Bitcoin hat mit Verlusten auf das US-Zollpaket reagiert. Allerdings konnte die älteste und bekannteste Kryptowährung der Welt die hohen Abschläge direkt nach der Ankündigung der weitreichenden Zölle durch US-Präsident Donald Trump am Vorabend zuletzt wieder reduzieren.
Zuletzt kostete ein Bitcoin am Morgen auf der Handelsplattform Bitstamp 83’550 US-Dollar und damit rund vier Prozent weniger als vor Trumps Pressekonferenz um 22 Uhr. In der Nacht war der Kurs bis auf gut 82’000 Dollar abgesackt.
Damit bewegt sich der Bitcoin weiter innerhalb eines für die Kryptowährung engen Korridors zwischen rund 80’000 und 85’000 Dollar. Trump gilt als Förderer von Digitalwährungen, allerdings konnte er bisher die Hoffnungen der Krypto-Anhänger nicht erfüllen. So hatte der Bitcoin just am Tag seiner Amtseinführung mit mehr als 109’000 Dollar seinen bisher höchsten Stand erreicht.
Seitdem ging es unter anderem wegen der Unsicherheiten infolge der US-Zollpolitik bergab, allerdings liegt der aktuelle Kurs noch deutlich über dem Niveau, das der Bitcoin vor der Wahl Trumps Anfang November innehatte.
Unsicherheit verursacht enorme Kosten
Mit Blick auf die Schweiz sollten Investoren zunächst ein Auge auf die Pharma und Uhrenbranche haben. Während Pharmaexporte mehr als die Hälfte der Schweizer Exporte ausmachen, stellen die USA für die Uhrenbranche den wichtigsten Auslandsmarkt dar, fasst es der Anlagestratege Arthur Jurus von Oddo BHF in einem Kommentar zusammen.
Für Claude Maurer vom Bak Economics ist mit den Zöllen «am 2. April viel an Rechtssicherheit im internationalen Handel verlorengegangen». Machtpolitik trete an die Stelle von regelbasiertem Handeln. Fakt sei, dass alleine die Unsicherheit bereits enorme Kosten in Form von verlorener Wirtschaftsleistung verursache.
SDA/nic
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